Eine neue Frontfrau für die Friedensinitiative

Elena Bernhardt (26) tritt die Nachfolge von Claire Linke an

ELENA BERNHARDT tritt in die Fußstapfen von Claire Linke, übernimmt Verantwortung in der Friedensinitiative. (Foto: Jaworr)

Mörfelden-Walldorf. „Als ich im Alter von zehn Jahren zu Gast in Deutschland war, war das für mich ein intensives und prägendes Erlebnis“, sagt Elena Bernhardt (26), als sie sich der kleinen Runde vorstellt, die sich in einem Raum im evangelischen Gemeindezentrum versammelt hat. Neu ist ihr Gesicht in diesem Kreis zwar nicht. Neu ist allerdings, dass sie nun erste Ansprechpartnerin der Friedensinitiative ist.
 

Nachdem die engagierte Walldorferin Claire Linke nach über 20 Jahren Einsatz für die Opfer der Tschernobyl-Katastrophe im weißrussischen Kreis Bychow kürzer treten will (wir berichteten), hat sich mit der jungen Elena Bernhardt eine Nachfolgerin für die Leitung der Friedensinitiative gefunden. „Es ist ein Punkt gekommen, an dem es Zeit war, die Aufgabe abzugeben. Ich bin aber überglücklich, dass es weiter geht“, sagt Linke.
„Ich hatte während der Abschiedsfeier des letzten Kinderbesuchs mitbekommen, dass Claire aufhören möchte“, erklärt Linkes Nachfolgerin den Leuten im Gemeindezentrum. Es sei ihr eine große Freude gewesen, ihre Hilfe anzubieten. Bereits vor zwei Jahren, als sie in der Zeitung gelesen hatte, dass Gasteltern gesucht werden, habe sie nicht gezögert. „Für mich war es klar, dass ich Kinder bei uns aufnehme“, sagt sie. Die Gastfreundschaft und menschliche Wärme, die sie als junges Mädchen bei ihrem Besuch in Deutschland erfahren habe, seien Erlebnisse, die sich fest in ihrem Kopf verankert hätten, erzählt Bernhardt, die in der ukrainischen Stadt Schytomayr, knapp 150 Kilometer nördlich von Kiew, aufgewachsen ist.
Der Kern des Einsatzes der Friedensinitiative wird weiterhin der Besuch einer Kindergruppe im Sommer sein. Um genügend Gasteltern in der Doppelstadt zu finden, die für knapp eine Woche Kinder aus Bychow bei sich zu Hause aufnehmen, gibt es bereits einige neue Ansätze. Es sei ihr ein wichtiges Anliegen, wieder mehr Kinder aus Bychow nach Mörfelden-Walldorf einladen zu können, so Bernhardt. „Vor allem wollen wir eine Homepage für die Friedensinitiative einrichten“, sagt Daniel Bernhardt, der das Engagement seiner Frau unterstützt. Die Kommunikation werde dadurch wesentlich einfacher und mehr Leute würden so auf den Verein aufmerksam, meint er.
Auch auf die Unterstützung junger Gasteltern setzt die neue Frontfrau der Friedensinitiative. „In unserem Freundeskreis gibt es einige Interessierte“, sagt sie. Außerdem hoffe sie, dass sich über Aushänge in Kindertagesstätten und anderen Einrichtungen sowie Mund-zu-Mund-Propaganda weitere Leute finden, die den Besuch von Kindern ermöglichen.
Ebenso kann Bernhardt auf den Rat von Claire Linke bauen, die nach zwei Jahrzehnten Engagement „nicht einfach so“ Schluss machen will. Immerhin war die Walldorferin lange das Bindeglied zwischen Mörfelden-Walldorf und dem Kreis Bychow und hat so auf beiden Seiten etliche engagierte Menschen um sich geschart. „Ich hab' dabei gelernt, dass man manchmal auf den Tisch hauen muss“, sagt Linke.
Interessierte, die im Sommer Kinder aus Bychow bei sich zu Hause in Mörfelden-Walldorf aufnehmen möchten, können sich telefonisch bei Elena Bernhardt (06105/3400308) melden und informieren. (tjr)

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