Mörfelden-Walldorf beteiligt sich internationalen Wochen gegen Rassismus

Plakatreihe greift Stereotype und Vorurteile in der Alltagssprache auf

Noch auf dem Tisch, bald in der Öffentlichkeit: Plakatmotive anlässlich der internationalen Wochen gegen Rassismus, vorgestellt von Anette Keim, Bürgermeister Thomas Winkler, Claudia Battistella und Kristin Flach-Köhler. Foto: Erlenbach

Mörfelden-Walldorf – „Du sprichst aber gut Deutsch!“ Ein Satz, der durchaus als Kompliment gemeint sein könnte, wird vom Gegenüber aber manchmal auch anders aufgefasst. „Warum sagt das jemand zu mir? Nur, weil ich anders aussehe?“ Oder: „Woher kommst du?“ Eine Frage, die Menschen anderer Hautfarbe oft gestellt wird. Für diese immer dann irritierend, wenn sie in Deutschland geboren sind. 

Viele Menschen wollen mit ihren Fragen keinesfalls rassistisch, sondern vielleicht nur nett rüberkommen und Konversation betreiben. Doch es sei angebracht, besser auf die eigene Sprache zu achten, so die Initiatoren der Plakatreihe „Wir gegen Rassismus!“. „Alltagsrassismus“ nennen die Fachleute, was einem oft leicht über die Lippen geht. Zum Beispiel auch der Satz: „Hier sieht es aus wie bei den Hottentotten.“
Bereits seit 2016 arbeiten das Integrationsbüro der Stadt, die Büchereien und das Evangelische Zentrum für Interkulturelle Bildung an einer Plakataktion, um auf Alltagsrassismus aufmerksam zu machen und zum Nachdenken anzuregen. Dabei ist die Bevölkerung aufgerufen, sich an den Aktionen zu beteiligen. Wer möchte, kann ein eigenes Foto zu dem Thema einschicken oder von einem Fotografen, der über die Stadt kostenlos angefordert werden kann, ein Motiv umsetzen lassen.
Die Bevölkerung der Doppelstadt kann sich aber auch ganz einfach an der Aktion beteiligen, indem sie die Plakate, die Bürgermeister Thomas Winkler am Montag anlässlich der internationalen Wochen gegen Rassismus vor der Presse präsentierte, an ihren Gartenzäunen aufhängt.
Insgesamt 22 Motive wurden nun für die offiziellen Plakate ausgewählt. Sie sind entweder in schwarzer oder in weißer Hintergrundfarbe gehalten. Auf den weißen Plakaten sind Hinweise enthalten, wie bestimmte Ausdrücke Menschen verletzten können. Auf den schwarzen gibt es Sprüche, wie sie oft gedankenlos im Alltag verwendet werden. 
„Wir müssen das eigene Verhalten immer wieder hinterfragen“, sagt Bürgermeister Thomas Winkler. Die Stadt müsse klar Position gegen Rassismus jedweder Art beziehen, denn in Mörfelden-Walldorf leben Menschen aus mehr als 100 Nationen. Winkler verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Wahl des Ausländerbeirats, die mit der Kommunalwahl kombiniert worden war. Trotz einer sehr geringen Wahlbeteiligung von nicht einmal zehn Prozent zeigt sich Winkler mit dem Ergebnis zufrieden.
In normalen Zeiten hätten die Museen der beiden Kommunen wohl Ausstellungen in ihren Räumen zum Thema organisiert. „Diesmal wollten wir etwas tun, das nicht von Öffnungszeiten abhängig ist“, erläutert Museumsleiterin Claudia Battistella. Alltagsrassismus begegne manchen Menschen nahezu täglich. „Das kratzt an den Nerven und am Wohlbefinden.“
Viele Menschen seien sich gar nicht bewusst, dass sie mit manchen Äußerungen andere verletzten. Sehr oft würden Menschen nur wegen ihres Namens benachteiligt, Arbeitsplätze oder Wohnungen eher an Leute mit deutsch klingenden als an Menschen mit ausländischen Namen vergeben.
Kristin Flach-Köhler vom Evangelischen Zentrum für Interkulturelle Bildung fordert dazu auf, „Deutschland in seiner Vielfalt zu denken“. Menschen vieler Nationen hätten inzwischen hier eine Heimat gefunden. Deshalb gelte es, Grenzen im Kopf abzubauen.
Die Leiterin des Integrationsbüros, Anette Keim, betont, viele Menschen wollten mit ihren Äußerungen gar nicht rassistisch sein. Deshalb solle die neue Ausstellung auch nicht mit dem erhobenen Zeigefinger auf Missstände aufmerksam machen, sondern eher zum Nachdenken anregen.
Momentan sind die Plakate vor allem in den Fluren der beiden Rathäuser und auf kleineren Plakatwänden innerhalb der Stadt zu sehen. Die großen Plakatwände seien noch durch Wahlplakate belegt. Sobald diese entfernt sind, sollen aber auch dort die Plakate im Großformat aufgehängt werden. Eine besondere Aktion gibt es außerdem noch in den Erdgeschossen der beiden Rathäuser. In den Fenstern gibt es eine Ausstellung über Sinti und Roma, in den Rathäusern liegt dazu Infomaterial aus.
Die Bestandteile der gesamten Aktion, darunter auch die Motive der 22 Plakate, sind auch auf der städtischen Internetseite unter moerfelden-
walldorf.de zu sehen. Auf den Plakaten selbst gibt es einen QR-Code, der auf die Homepage von „No Racism“ (NoRa) des Kreises Groß-Gerau verlinkt. Diese Seite soll in der kommenden Woche freigeschaltet werden. Von Hans Dieter Erlenbach

 

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