Friseurbesuch empfohlen

Erinnerungen an die Anfänge der „Ami-Musik“

ANEKDOTEN und Geschichten rund um die „Ami-Musik“ erzählten Herbert Debus (rechts) und Franz-Rudolf Urhahn, der dazu im Kulturbahnhof Blues, Rock’n’ Roll, Swing und Jazz auflegte. (Foto: Schwappacher)

Mörfelden-Walldorf. Ihre Erfolgsgeschichte begann, als der Sohn eines Landarbeiters mit seinen Hüften dazu im Takt wackelte. Die Rede ist von schwarzer Musik, die erst massentauglich wurde, als Elvis Presley Rhythm and Blues mit einer Prise Gospel und Country mischte und den Rock’n’ Roll so für die weißen Musikhörer in akzeptable Bahnen lenkte.
 

Um diese Anfänge und Entwicklungen der ursprünglich schwarzen Musik drehte sich die Veranstaltung „Ihr mit eurer Ami-Musik“, bei der sich der Erste Stadtrat Franz-Rudolf Urhahn hinter die Plattenteller und ans Mikrofon setzte.
Kaum ein Platz war im Kulturbahnhof noch frei, als Urhahn im Rahmen der städtischen Veranstaltungsreihe „Begegnungen mit den USA“ Rock’n’Roll, Blues, Swing und Jazz auflegte, die Songs anmoderierte und Anekdoten rund um Entstehung und Verbreitung der Musik erzählte. Zwischendurch nahmen auch einige Besucher das Mikrofon in die Hand und erzählten von ihren eigenen Erfahrungen und Erlebnissen.
Herbert Debus etwa, der die Idee zu der Veranstaltung hatte, berichtete, wie sein Vater mit längeren Haaren in einem Frankfurter Swing-Club von der Geheimen Staatspolizei der Nationalsozialisten aufgegriffen und eingeschüchtert wurde. Einen Rat gaben sie ihm mit, der auch in den 1960er Jahren noch zu hören war: „Geh zum Friseur und lass Dir die Haare schneiden.“
Die deutsche Kriegsgeneration konnte mit der „Ami-Musik“ wenig anfangen, und so stieß sie auf viel Widerstand. Laut, aggressiv und zu lustbetont wirkte sie während der Wirtschaftswunderjahre, in denen die Songs von Muddy Waters und Howlin’ Wolf zuerst nur über den Seeweg nach Europa kamen, wie Urhahn erläuterte.
Schallplatten mit der ungebändigten Gitarrenmusik landeten im Liverpooler Hafen und fanden den Weg auch in die Ohren der zukünftigen Beatles und Rolling Stones, die besonders in der Anfangszeit ihren schwarzen Idolen nacheiferten. Für viele war diese neue Musik aber nichts anderes als ein Angriff auf den guten Geschmack, führte Urhahn aus.
Doch verhindern ließ sich die musikalische Revolution nicht mehr. Vor allem der amerikanische Soldatensender AFN trug die Musik in deutsche Wohn- und Jugendzimmer, wo sie eifrig auf Tonbändern mitgeschnitten wurde. Eine Single kostet damals fünf Mark, eine LP schnell das vierfache.
„Das konnte sich kaum einer leisten“, erinnerte sich Urhahn, der sowohl auf die schwarzen Wurzeln der britischen Pop- und Rockmusik hinwies, als auch den deutschen Gegenentwurf in Form von Peter Alexander und Gerhard Wendland auf dem Plattenteller präsentierte.
Zum Ende der musikhistorischen Reise stellte DJ Franz die US-Popmusik bis in die späten 1960er Jahre vor. Bob Dylan und Joan Baez wechselten sich ab, die Beach Boys sowie Simon and Garfunkel wurden nicht vergessen, und auch Musik aus der Hippiebewegung durfte nicht fehlen.
Immerhin trugen die Blumenkinder ihre Haare bis zu den Schultern und bekamen einen Friseurbesuch regelmäßig ans Herz gelegt. (seb)

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