„Eine Sitzung war früher eine Sensation“

4x11 Jahre: Die Sandhasen feiern großes närrisches Jubiläum

DIE GROSSE GARDE heute: Die Mädchen und Jungs ab 15 Jahren lernen jährlich zwei Tänze – einen Showtanz und einen Marsch oder eine Polka. (fa)

Mörfelden-Walldorf. „Es ist ein Miteinander. Wir suchen zusammen die Musik aus und basteln gemeinsam an den Tänzen“, beschreibt Yvonne Meidt das Training der Großen Garde der Mörfelder Sandhasen. Für fünf ruhmreiche Minuten auf der Bühne üben die „Melodies“ ein ganzes Jahr lang.
 

44 Jahre gibt es die große Garde nun schon – eben so lange, wie den Verein „Die Sandhasen“, für den mit den 4x11 Jahren ein großes närrisches Jubiläum ins Haus steht. „Man muss infiziert sein von so einem Verein. Sozusagen einen Vereinsvirus haben“, sagt Vorstandsmitglied Dieter Loeck, der von klein auf dabei ist.
Leider weilt kein Gründungsmitglied mehr unter den Lebenden, deswegen lassen sich nur Vermutungen über die Gründung der Sandhasen aufstellen. Loeck denkt: „Alfred Schwappacher war Mitglied bei den Walldorfer Buschspatzen. Er hat sich wohl so über sie geärgert, dass er den Entschluss fasste, seinen eigenen Karnevalsverein zu gründen. Mit ein paar Sängern der SKV, unter anderem auch mit dem damaligen Bürgermeister Kurt Bachmann, gründeten sie dann die Sandhasen.“
Schwappacher und Rudolf Widmann warben mit einer Annonce für die Gründungsversammlung im März 1967. 20 Leute kamen dazu ins Gasthaus Zum Wiesental, heute Bachmichel. Auf den Namen „Sandhasen“ (es stand auch Mörfelder Karneval Klub zur Auswahl) kamen die Gründerväter, da es rund um Mörfelden viele sandige Äcker und noch mehr Hasen gab. Ein Hase wurde folgerichtig Symbol des Vereins, und als erster Vorsitzender und Sitzungspräsident fungierte Alfred Schwappacher.
In der ersten Kampagne bildeten sich die Große Garde und für die Jüngeren die Kadetten. Erste Veranstaltungen wurden beim „Bachdickhaut“ auf einer Bühne aus Hohlblocksteinen und Mauerbohlen abgehalten. Nur die Prunksitzung fand schon immer im Bürgerhaus statt.
„Eine Sitzung war früher eine Sensation. Es gab keinen Fernseher, und die Leute sind damals nicht viel weggekommen. Wenn mal was los war, kamen auch alle“, weiß Iris Geiß aus den Erzählungen ihres Vaters Richard Lippke, der einst dem Elferrat angehörte. Bei der ersten Prunksitzung am 25. Januar 1968 feierten mehr als 600 Leute im Bürgerhaus. Eine Kapelle spielte vor der Bühne, und nach der Sitzung gingen die Besucher nicht gleich nach Hause. Die Kapelle spielte auf der Bühne weiter, die Tische wurden zur Seite gerückt, und dann wurde getanzt.
In der Kampagne 1974/75 zogen auch andere Veranstaltungen wie die Eröffnungssitzung, der Kindermaskenball oder auch der Rosenmontagsball ins Bürgerhaus ein. Es bildete sich eine neue Gruppe namens „Die Hausfrauen“ – heute Konfettis – in der Frauen verschiedenen Alters einen Tanz einstudieren. Darüber hinaus wurde die Mini-Garde als Übergang der Kadetten in die Garde etabliert. Später wurde daraus die heutige Backfischgarde. Das Wort Backfische war in den 50er Jahren ein gängiger Begriff für Heranwachsende.
1978/79 wurde das erste närrische Jubiläum, nämlich das elfjährige Bestehen, gefeiert. Hierfür wurde einmalig eine Hasenprinzessin, Beate Küchler, gekrönt. Es wurden auch elf Senatoren vorgestellt und ernannt. Jedes Jahr kam ein weiterer hinzu. Sie sponsern den Verein.
1980/81 wurde das Männerballett ins Leben gerufen. Als Mann in einer der anderen Tanzgruppen habe man es nicht einfach, weiß Dieter Loeck. Er hatte bei den Kadetten mit drei weiteren Jungen angefangen. Alle seien nacheinander abgesprungen, außer ihm. Er habe alle Stufen bis zur Garde durchlaufen, erzählt er. „Als Junge hat man es nicht einfach. Tanzen ist kein männlicher Sport. Deswegen wurde man auch von den anderen Jungen aufgezogen. Selbst heute noch werde ich von manchen Kollegen gehänselt.“
Fünf Jahre später führten die Sandhasen mit den Walldorfer Buschspatzen zum ersten Mal einen karnevalistischen Seniorennachmittag in Zusammenarbeit mit der Stadt und der Arbeiterwohlfahrt durch. Darüber hinaus legten die beiden Karnevalsvereine ihren Faschingsumzug zusammen, der seither abwechselnd in Mörfelden und Walldorf durch die Straßen zieht.
Zum 22-jährigen Bestehen stiftete Ehrenmitglied Werner Conradt in der Kampagne 1989/90 einen Wagen, den der Verein zu einem Umzugswagen ausbaute. Ebenfalls stellten die Sandhasen ihre erste Solotänzerin vor. Zwei Jahre später begrüßten sie ihr 200. Mitglied, und die erste Damensitzung ging mit 600 Närrinnen stimmungsvoll über die Bühne. Das war die Antwort auf die Herrensitzung der Buschspatzen.
„Was die Männer können, können wir schon längst“, lacht Iris Geiß. Sie gründete das Damenkomitee mit und ist heute Sitzungspräsidentin. Die erste Präsidentin war Herma Zwilling, die dieses Amt bis 2008 inne hatte. Als solche organisierte sie die Damensitzung und moderierte sie auch. Das Damenkomitee bildete sogar eine eigene Tanzgruppe, die nur bei der Damensitzung auftritt.
In der Kampagne 1994/95 gründeten Jugendliche die Mini-Playback-Gruppe. Neun Jahre später hatte Marion Zwilling die Idee zur Kindergruppe „Sputnix“. Hier können Kinder ab drei Jahren mittanzen.
Derzeit hat der Verein etwa 200 Mitglieder. Davon sind 100 in zehn Gruppen aktiv, wobei die Frauen die Überhand haben. Ein Drittel der Mitglieder sind Jugendliche. (dor)

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