Zwei Corona-Schwerpunkte in Mörfelden-Walldorf

Auffällig hohe Infektionszahlen im Altenhilfezentrum und einem Arbeiter-Wohnhaus

IM ALTENHILFEZENTRUM Mörfelden kam es zu 22 Corona-Infektionen bei Bewohnern und Mitarbeitern. Zudem wurden weitere Infektionen in einem Arbeiter-Wohnhaus festgestellt. (Foto: Friedrich)

Mörfelden-Walldorf (db/fa). Nachdem bekannt wurde, dass die Zahl der Corona-Infizierten in der Doppelstadt deutlich gestiegen ist (wir haben berichtet), hat die Stadtverwaltung nun weitere Hintergründe mitgeteilt. Wie bereits berichtet, lag die Zahl der Infizierten Ende April noch bei unter 60 und stieg seitdem auf 98 an (Stand 20. Mai).

In Mörfelden-Walldorf seien 56 der Infizierten genesen und zwei verstorben (Stand 14. Mai). Die Verstorbenen waren 88 und 96 Jahre alt. Zu den Todesfällen ist es im Altenhilfezentrum Mörfelden gekommen, wo eine größere Zahl von Infektionen festgestellt wurde. Von den Bewohnern und Mitarbeitern sind 22 positiv auf Corona getestet worden, teilt die Kreisverwaltung Groß-Gerau auf Nachfrage des Freitags-Anzeiger mit. Aktuell seien noch sieben Bewohner betroffen, drei seien genesen, heißt es. „Wir haben die Fälle zum Anlass genommen und unser ohnehin schon bestehendes Schutzkonzept weiter verbessert“, betont die Leiterin des Altenhilfezentrums Sonja Ohm. 
„Das Gesundheitsamt steht in täglichem Kontakt mit der Leitung des Altenhilfezentrums. Unsere Hygienefachkraft Katy Hasenbein hat sich vor Ort über das Befinden der Patienten und die Hygienemaßnahmen informiert und das Personal zu Hygienemaßnahmen beraten. Das Gesundheitsamt kontrolliert routinemäßig alle zwei Jahre im Rahmen von Begehungen die Hygiene in den Alten- und Pflegeheimen des Kreises“, erklärt Volker Trunk, Sprecher des Kreises Groß-Gerau.

Wohnbereiche isoliert, um Verbreitung zu verhindern

Nach Angaben der Stadt wurden die drei Wohnbereiche voneinander isoliert, um eine Verbreitung in der Einrichtung zu verhindern. Insgesamt leben im Altenhilfezentrum rund 90 Menschen. Kontakte untereinander sind auf ein absolutes Minimum reduziert, der reguläre Besuch von Angehörigen ist ausgesetzt. „Bislang gibt es keine Auffälligkeiten und die Erkrankten zeigen keine Symptome“, sagt Ohm. Auch die verstorbenen Bewohner waren symptomfrei und seien friedlich eingeschlafen. „Natürlich werden die Senioren nun noch genauer medizinisch untersucht und beobachtet. Mitarbeiter werden wöchentlich getestet und bei einem positiven Ergebnis umgehend aus dem Betrieb genommen. Aktuell steht ein Wohnbereich unter Quarantäne und den betroffenen Bewohnern ist der Kontakt untereinander verboten. Die Angehörigen sind natürlich informiert, darüber hinaus wollten wir bislang nicht an die Öffentlichkeit gehen“, so die Leiterin des Altenhilfezentrums. „Der Druck ist schon jetzt immens und alle Mitarbeiter haben Angst, dass sie das Virus unbemerkt einschleppen. Es ist aber klar, dass wir dennoch weiter für unsere Bewohner da sein müssen, auch wenn wir uns selbst einem Risiko aussetzen.“

Keine Lücke im Hygiene-Konzept

Auf eine Lücke im Hygiene-Konzept könne man die auffällig hohe Zahl von Corona-Infektionen nicht zurückführen, sagte Trunk. „Es handelt sich nicht um ein geschlossenes System. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen weiterhin ein und aus, und so können selbstverständlich Krankheitserreger in ein Heim eingetragen werden.“ Zu Beginn der Pandemie standen den Pflegekräften nur ein normaler Mund-Nase-Schutz zur Verfügung. Dieser schützt jedoch nicht hundertprozentig vor einer Erregerübertragung, sodass es trotz regelrechter Anwendung der persönlichen Schutzausrüstung zu Infektionen gekommen sei. Mittlerweile tragen die Pflegekräfte grundsätzlich FFP2-Atemschutzmasken. Das öffentliche Interesse an den steigenden Coronazahlen in Mörfelden-Walldorf ist verständlich, ergänzt Bürgermeister Thomas Winkler. Wichtig sei aber nicht zuletzt der Schutz der Privatsphäre.

Alle 19 Bewohner eines Wohnhauses infiziert

Neben dem Altenhilfezentrum gibt es in Mörfelden-Walldorf ein weiteres isoliertes Ausbruchsgeschehen, das vom Kreisgesundheitsamt genau überwacht werde. So hat sich eine große Zahl der Neuinfektionen in einem Wohnhaus ereignet. Das Gebäude ist von einem Unternehmen angemietet, das dort Beschäftigte unterbringt, die im Rhein-Main Gebiet arbeiten. Die Infizierten standen im persönlichen Kontakt zueinander, es wurde eine Quarantäne angeordnet. Mittlerweile sind in dem Wohnhaus alle 19 Bewohner infiziert, teilt der Kreis mit. Da das Infektionsgeschehen erst am 6. Mai begonnen habe, sei noch keine erkrankte Person genesen. Trunk: „Bis auf eine Person, die sich in stationärer intensivmedizinischer Behandlung befindet, haben alle Erkrankten blande Symptome. Sie befinden sich in häuslicher Quarantäne.“ Bei den Infizierten handelt es sich um Arbeiter aus dem europäischen Ausland. 

Keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen nötig

Für die Bevölkerung sind aufgrund der gestiegenen Fallzahlen keine zusätzlichen Schutzmaßnahmen nötig, teilt die Stadtverwaltung mit. „Wer direkt betroffen ist, wird von Kreisseite informiert und es wird eine häusliche Quarantäne angeordnet. Eine Ärztin des Gesundheitsamtes steht in engem telefonischen Kontakt mit den Erkrankten“, sagt Dr. Angela Carstens, die Leiterin des Kreisgesundheitsamts. Sollte der Inzidenz-Wert von 50 Neuinfektionen im aktuellen Sieben-Tage-Zeitraum je 100 000 Einwohner überschritten werden, so das Kreisgesundheitsamt, müssten wieder drastischere Maßnahmen ergriffen werden, um das Virus zurückzudrängen. Sollte es nötig werden, die Bevölkerung zum besseren Schutz über eine starke lokale Virusausbreitung zu informieren, werde dies umgehend geschehen. Aktuell sei nicht davon auszugehen, dass eine erhöhte Ansteckungsgefahr besteht.
„Ich bitte um Verständnis, dass keine genaueren Angaben gemacht werden können“, betont Bürgermeister Thomas Winkler. Neben dem Schutz der direkt Betroffenen möchte die Stadtverwaltung keine Panik verbreiten, sollte es etwa in einzelnen Bereichen zu größeren Infektionszahlen kommen.
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