Wem gehört der tote Welpe?

Tierschützerinnen wollen Schicksal einer verendeten Hündin aufklären

EIN KREUZ ERINNERT AN DEN TRAURIGEN FUND in der Nähe des Mörfelder Friedhofs: Melissa und Bianca Korkmaz, Gihan Fahmy (von links) und andere örtliche Tierschützer suchen den Besitzer des toten Hundes, der am 30. Mai in dem Bachlauf entdeckt wurde. (Foto: Beutel)

Mörfelden-Walldorf (db). Der Anblick war nichts für schwache Nerven. Dennoch hat Melissa Korkmaz nicht gezögert und am Vatertag beherzt eine tote Hündin aus einem Bachlauf gezogen, ganz in der Nähe des Mörfelder Friedhofs. Zunächst hatte sie und ihre Mutter Bianca Korkmaz einen Fuchs oder eine Katze vermutet, die leblos im Wasser trieb. 

Wurde der Hund ertränkt?

„Der Hund kann zwar noch nicht lange da unten gewesen sein, trotzdem war er komplett mit Schlamm überzogen“, sagt Bianca Korkmaz. Nachdem sie die Polizei zu Hilfe gerufen hatte, nahm die ehrenamtliche Tierschützerin ein Lesegerät zur Hand und prüfte, ob dem Hund ein Chip implantiert wurde. Fehlanzeige. „Auch von einem Halsband keine Spur“, sagt Bianca Korkmaz. Schätzungsweise war das verendete Tier nur einige Wochen alt. „Höchstens vier Monate“, vermutet Gihan Fahmy, die ebenfalls von dem Fund erfahren hatte und seit Jahren ehrenamtlich und hauptberuflich weltweit im Tierschutz tätig ist. „Das Tier war augenscheinlich unterernährt und man konnte keine äußeren Verletzungen erkennen“, sagte Korkmaz. Dennoch sind sich die Tierschützerinnen sicher: Der Welpe wurde ertränkt. „Denn das Wasser war an diesem heißen Tag so niedrig, dass der Hund problemlos dort hätte stehen können“, sagt Fahmy: „Ich wüsste nicht, dass wir so einen Fall hier in der Doppelstadt schon einmal hatten.“

Polizei lässt den toten Welpen entsorgen

Die Polizei teilte den Verdacht der Tierschützerinnen nicht. „Es wurden keine Verletzungen am Tier festgestellt. Daher wurde davon ausgegangen, dass das Tier ertrunken ist. Wie es ertrunken ist und ob da jemand gewaltsam nachgeholfen hat, können wir nicht mehr nachvollziehen“, erklärt Bernd Hochstädter, Sprecher des Polizeipräsidiums Südhessen. „Um dem Verdacht nachzugehen, hätte man eine Obduktion veranlassen und eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erstatten müssen. Doch dafür waren keine Anhaltspunkte vorhanden.“ 
Die Folge: Die tote Hündin wurde von Mitarbeitern des Bauhofs mitgenommen und entsorgt. Hätten die Tierschützer das geahnt, hätten sie den Welpen gleich zum Veterinäramt gebracht und selbst eine Anzeige erstattet. „Da es sich bei dem Töten eines Wirbeltieres ohne vernünftigen Grund um eine Straftat handelt, wird ein solcher Fall vom Veterinäramt an die zuständige Polizeidienststelle abgegeben zur weiteren Verfolgung. Bereits bei einem Verdacht auf eine Straftat, wie in diesem Fall, muss die Abgabe erfolgen und die weiteren Ermittlungen erfolgen durch die Polizei“, erklärt Volker Trunk, Sprecher des Kreises Groß-Gerau. „Doch das geht nun nicht mehr, weil das einzige Beweismittel, der tote Hund, weg ist“, sagt Fahmy. Tierschützer-Kollegin Karina Wiedemann versuchte noch vergebens, den Kadaver zu retten.

Unterernährung kann viele Ursachen haben

„Eine mögliche Unterernährung oder ein schlechter Ernährungszustand kann viele Ursachen haben, wie zu wenig oder falsches Futter, aber auch eine chronische Erkrankung ist möglich. Der Ernährungszustand lässt sich letztendlich nur am Tier beurteilen“, erklärt Trunk weiter.
Darüber hinaus gibt es in Deutschland keine Kennzeichnungspflicht für Hunde. Selbst bei einer erfolgten Kennzeichnung eines Tieres ist der Halter nicht verpflichtet, die Mikrochipnummer bei einer zentralen Stelle registrieren zu lassen. 
„Es kann doch nicht sein, dass hier mitten in unserer Stadt ein Welpe zu Tode kommt und keiner unternimmt irgendetwas.“ Die Tierschützerinnen fühlen sich alleine gelassen. Zumal Korkmaz selbst Anzeige gegen Unbekannt erstatten wollte. „Weil ich nicht die Eigentümerin bin, hieß es, ginge das nicht“, erklärt sie. Auch ihre Bitte, dass die Polizei mit einer Anzeige den Fall weiter bearbeitet, wurde zurückgewiesen.

Die Tierschützer geben nicht auf

„Uns wurden alle Türen zugeschlagen“, sagt Gihan Fahmy, die den Fund des toten Hundes in der Facebook-Gruppe „Hundefreunde Mörfelden-Walldorf und Umland“ veröffentlichte. Die Tierschützerinnen wollen nicht aufgeben. Sie suchen nach dem Besitzer des Hundes, um das Schicksal der toten Welpen aufklären zu können.
Das Tier hatte braunes leicht wuscheliges Fell. Zumindest ein Ohr hatte nach Angaben der Finderinnen einen Knick. Die Hündin war wohl ein Mischling, etwa 30 Zentimeter hoch. 

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