Tierschutzverein Kelsterbach päppelt über 40 Igel auf

Klimawandel und versiegelte Flächen machen den Tieren zu schaffen

Kümmern sich um die stacheligen Gesellen: Brigitte Schmidt (links) und Judith Wagner vom Tierschutzverein päppeln aktuell über 40 Tiere auf. Foto: Koslowski

Kelsterbach – Was raschelt denn dort? Leicht bewegen sich die Zeitungsknäuel in den Kisten, kleine Igelbabys krabbeln unter dem Papier umher. Die acht kleinen Tiere sind kleiner als eine Handfläche, bringen gerade mal 100 bis 150 Gramm auf die Waage. Ihr Kasten steht auf einer Wärmeplatte, damit sie nicht frieren. Die Igel-Station des Kelsterbacher Tierschutzvereins ist proppenvoll, berichten die Vorsitzende Judith Wagner und das Vorstandsmitglied Brigitte Schmidt. Schmidt kümmert sich ehrenamtlich aufopferungsvoll um die Igel.

44 Igel, allesamt Fundtiere, hat sie momentan unter ihren Fittichen. Seit dem Frühjahr versorgte sie bereits insgesamt über 80 Igel auf der Station. Das sind deutlich mehr Tiere als in den vergangenen Jahren. Gerade in den letzten fünf Wochen habe sich die Station deutlich gefüllt. „Wir bekommen praktisch jeden Tag Igel“, erzählt Wagner. 
Vier Stunden verbringt Schmidt jeden Morgen bei den stacheligen Säugetieren. Sie wechselt das Zeitungspapier, in dem sich der Urin aufsaugt, macht die Boxen sauber, stellt frisches Wasser und Futter hinein. „Wir haben jeden Tag drei volle Müllsäcke mit Zeitungen“, berichtet Schmidt.
Die Igel werden von aufmerksamen Menschen abgegeben, die sie im Wald, an der Straße, auf dem Feld und auch im eigenen Garten finden. Diese Tiere wurden zu spät geboren. Igel werfen ein bis zwei Mal im Jahr. Bleibe es lange warm, würden sich die Männchen kein Winterquartier suchen, sondern auf Brautschau gehen, weiß Wagner. Wenn es dann kalt wird, sind die Jungtiere zu klein und zu schwach, um über den Winter zu kommen. 
Dabei spielt auch eine Rolle, dass „der Tisch für die Igel nicht mehr so reich gedeckt ist“, sagt Wagner. Das Insektensterben mache sich bemerkbar. Wegen der zunehmenden Versiegelung von Flächen hätten die Igel schlichtweg Probleme, Futter zu finden. Eigentlich seien Igel nachtaktive Tiere. Wenn sie aber am Tag über die Straße spazieren würden, stimme etwas nicht. Zudem seien Insekten häufig belastet und würden Lungenwürmer auf die Igel übertragen. 
Wenn der Bodenfrost einsetzt, sollte der Igelnachwuchs 700 Gramm wiegen. Sonst würden sie den Winter nicht überleben, weiß Judith Wagner. Jetzt sind die jungen Igel, die in der Station abgegeben werden, mitunter nur 100 Gramm leicht. 
Wer den Igeln helfen möchte, könne ihnen Futter in den Garten stellen. Dann könnten sie sich Fett für den Winter anfressen. Trockenfutter für Igel eigne sich sehr gut. Igel fressen aber auch Dosenfutter für Katzen. Getrocknete Früchte schmecken ihnen ebenfalls. Außerdem könnten Kisten mit Laub gefüllt und mit Ästen abgedeckt werden. Darin könnten die Igel unterschlüpfen. 
Wagner berichtet von einer Frau, die in ihrem Garten einen Futternapf aufgestellt habe und mit einer Nachtsichtkamera auf die Tiere gewartet habe. Es seien dann immer mehr Igel angelockt worden, „da kam das ganze Viertel“, sagt die Vereinsvorsitzende lachend. 
Der Verein päppelt die Igel auf, bis sie 700 Gramm wiegen. Sie werden aber in der kalten Jahreszeit nicht einfach in der Landschaft ausgesetzt. Der Tierschutzverein hat auf seinem Grundstück große Kisten, in denen die Igel schlafen können. Außerdem kennt der Verein Menschen, die ebenfalls Igel aufnehmen. Ein Vereinsmitglied hat einen Bauernhof, wo die Igel auf dem Dachstuhl und in den Stallungen überwintern können. 
Im Sommer werden sie in Naturschutzgebieten ausgesetzt. Sie hier in der Umgebung frei zu lassen, sei wegen der vielen Straßen nicht ideal. Mitunter nehmen Gartenbesitzer sie auch wieder an.
Wagner und Schmidt freuen sich über die vielen Menschen, die den Verein mit Spenden und Futter unterstützen. Wer Zeitung spenden möchte, sollte darauf verzichten, Werbeprospekte abzugeben. Denn das Papier saugt keine Feuchtigkeit auf. 
Wer Igeln auch im eigenen Garten schützen möchte, sollte die Mähroboter ausgeschaltet lassen. Im Sommer seien drei Igel auf der Station aufgenommen worden, die von einem Mähroboter schwer verletzt wurden, berichtet Wagner. 
Der Tierschutzverein kümmert sich nach wie vor auch um anderen Tiere. Rund 15 der insgesamt 25 Pflegestellen sind derzeit besetzt. Die unbesetzten Stellen bedeuten aber nicht, dass es zu wenig Tiere gibt, die aufgenommen werden müssen. Dort passt eine Pflege aus verschiedenen Gründen derzeit einfach nicht. 
Aktuell werden etliche Jungkatzen versorgt. Zudem befinden sich insgesamt sieben Hunde in der Vermittlung. Ganz zu schweigen von den zahlreichen Kleintieren, vom Zwergkaninchen bis hin zu Wellensittichen. Der Verein sucht immer wieder private Pflegestellen aber auch Helfer für die Veranstaltungen, wirbt Wagner um Unterstützung. VON RÜDIGER KOSLOWSKI
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