Nach Flucht eine neue Heimat in Mörfelden-Walldorf gefunden

Naqibullah Scherzai wurde in Afghanistan bedroht, nun hat er in der Doppelstadt eine Ausbildung absolviert

Sein Hobby ist sein Beruf geworden: Naqibullah Scherzai liebt die Gartenarbeit. (Foto: Koch)

Mörfelden-Walldorf (ako). Der Abschluss einer Ausbildung ist für jeden Lehrling ein besonderer Moment der Freude. Doch kann die Leistung von Naqibullah Scherzai, der 2020 seine Ausbildung zum Garten- und Landschaftsbauer erfolgreich abgeschlossen hat, als besonders bewundernswert bezeichnet werden. 

„Ich liebe die Natur und die Gartenarbeit, deshalb bin ich Gärtner geworden“, erzählt Scherzai. Er war bei seinem Abschluss sogar der Beste von zwölf Absolventen. Das ist vor allem deswegen bemerkenswert, da er gegenüber den anderen Auszubildenden den Nachteil hatte, dass Deutsch nicht seine Muttersprache ist, sondern Dari, ein Dialekt des Persischen. Scherzai wurde 1985 in der Nähe von Kabul in Afghanistan geboren und ist dort aufgewachsen. Im Oktober 2015 floh er unter Lebensgefahr aus dem Land. Auch während der äußerst beschwerlichen Flucht nach Europa geriet sein Leben mehrfach in Gefahr. Mit Deutschland verbindet er Hoffnung und das Ende einer langen Odyssee. Ursprünglich war eigentlich Finnland Scherzais Ziel. Doch er fühlte sich in Deutschland wohl und sicher, bereits die Grenzbeamten und Polizisten hätten ihn freundlich behandelt. Daher suchte und fand er sein Glück seit November 2015 in Deutschland. In der Doppelstadt lebt Scherzai seit Februar 2016, wo er auch arbeitet.

Lange und beschwerliche Flucht aus einem durch Krieg zerstörten Land 

Scherzai erzählt, dass er in Deutschland und insbesondere in Mörfelden-Walldorf auf große Empathie vieler Menschen gestoßen sei. „Ich bin sehr dankbar für die Hilfe, die mir in Deutschland entgegengebracht wurde.“ Belastend war und ist für ihn aber bis heute, dass er seine Familie in Afghanistan zurücklassen musste. Für seine Ehefrau und die sechs Kinder wäre die lange und beschwerliche Flucht noch viel gefährlicher als für Scherzai gewesen. Zudem waren die körperlichen Strapazen immens, besonders bei einem 17-Stunden-Marsch bei großer Kälte und Schnee im Oktober 2015 in der Türkei. Aufgrund der für ihn lebensbedrohlichen Zustände in seinem Heimatland blieb ihm aber keine andere Wahl als die Flucht.
Der seit 1978 in Afghanistan anhaltende Krieg, an dem unterschiedliche Akteure beteiligt waren und sind, hat in fast jeder Familie schreckliche Wunden geschlagen. Das gilt auch für die Scherzais. Sein Vater wurde im Jahr 2000 erschossen. Scherzai selbst erhielt 2015 massive Morddrohungen, die ihn zur Flucht veranlassten. Daher kann er nicht mehr nach Afghanistan zurückkehren. „Mein größter Wunsch ist, meine Ehefrau und meine Kinder wiederzusehen“, betont er. Doch sei es ein beschwerlicher Weg, eine Familienzusammenführung in Deutschland zu erreichen. Aktuell erschwere die Corona-Pandemie zusätzlich die Situation. 
In Deutschland integrierte sich Naqibullah Scherzai ab 2016 schnell und lernte fleißig die Sprache. In Afghanistan hatte er Automechaniker gelernt, mehrere Jahre besaß er eine eigene Werkstatt. Zudem ist er als Taxifahrer, Chauffeur und Lagerarbeiter tätig gewesen. In Deutschland ging für ihn beruflich eine neue Tür auf, als er Yvonne Pfeiffer kennenlernte. Die Gärtnermeisterin bot ihm die Möglichkeit einer Ausbildung als Garten- und Landschaftsbauer im Betrieb „Yvonne Pfeiffer Garten- & Landschaftsbau“ in Mörfelden. Scherzai nutzte die Chance und absolvierte die Lehre von 2017 bis 2020 mit großem Erfolg. 

Engagierter Mitabeiter im Betrieb, Kunden loben seine Herzlichkeit 

Scherzai lobt das duale System aus Schule und Arbeit. „Dadurch hat sich mein Deutsch sehr verbessert.“ Im Jahr 2019 erhielt er einen gesicherten Aufenthaltsstatus, vorher hatte Scherzai nur eine Duldung besessen. Dies gab ihm und Pfeiffer mehr Planungssicherheit.
Aus dem Auszubildenden ist längst eine Fachkraft geworden – er arbeitet jetzt als ausgebildeter Garten- und Landschaftsbauer nach wie vor bei Pfeiffer. „Er hat sich zu einem wertvollen Mitarbeiter im Betrieb entwickelt. Die Kunden finden ihn sehr aufmerksam und herzlich“, betont die Chefin. Sowohl sie als auch die Mitarbeiter des Betriebs seien zudem stolz auf seinen guten Abschluss in der mündlichen und praktischen Prüfung.
Scherzai selbst wiederum ist seiner Chefin und deren Kollegin Elisabeth Schäfer ausgesprochen dankbar, wie sehr sie ihn im Verlauf der Ausbildung und bei den Prüfungsvorbereitungen unterstützt haben. Eine wichtige Hilfe beim Lernen für die Prüfungen war insbesondere auch sein Deutschlehrer, Heinz Balkmann aus Mörfelden-Walldorf, der in der Erwachsenenbildung tätig ist. Balkmann hat den wissbegierigen und fleißigen Scherzai intensiv auf die Prüfungen vorbereitet. Balkmann sagt über Scherzai: „Er hat sich in kürzester Zeit hervorragend in unsere Gesellschaft integriert, die Sprache erlernt, eine berufliche Existenz begründet, und kann auf eine positive Zukunft, hoffentlich auch bald mit seiner Familie, in Deutschland hoffen.“

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