Zehn Minuten Lärm sind zehn zu viel

Bürgerinitiativen und Stadtrat Urhahn gegen Aufweichung des Nachtflugverbotes

Rhein-Main. Eine flexiblere Handhabung des Nachtflugverbotes fordert die Fraport AG, unterstützt von Lufthansa und DFS. Imageschäden werden befürchtet, ebenso natürlich finanzielle Einbußen. Das Bündnis der Bürgerinitiativen gegen die Flughafenerweiterung weist dagegen darauf hin, dass in der ersten Nachtstunde (22 bis 23 Uhr) alle Startslots vergeben seien. Dazu kämen regelmäßige Verspätungen, für die die erste Nachtstunde ein Puffer sein könnte, aber aufgrund der starken Nutzung durch planmäßige Flüge nicht ist.

„Die letzten Flüge sind so knapp geplant, dass selbst bei einem planmäßigen Verlassen des Gates ein rechtzeitiger Start nicht gewährleistet werden kann“, kritisiert Berthold Fuld, Sprecher der Initiativen in einer Presseerklärung. Den Planfeststellungsunterlagen könne man entnehmen, dass man positionsabhängig mit durchschnittlichen Rollzeiten von bis zu 23 Minuten rechnen müsse. Der letzte planmäßige Abflug – also das Verlassen des Gates – sei auf 22.35 Uhr festgelegt.
„Anders als vom Bundesverwaltungsgericht in der mündlichen Verhandlung gefordert, wird für die Betroffenen im Bereich der Abflugstrecken zwischen 22 und 23 Uhr die Nacht zum Tage. Die durch die starke Nutzung bedingten Kapazitätsengpässe und die extrem spitze Planung verursachten Probleme dürfen nicht durch eine Aufweichung des Nachtflugverbotes gelöst werden, sondern durch eine Verlagerung der nächtlichen Abflüge in den Abend, sowie eine konsequente Reduzierung allfälliger Verspätungen“, betont Fuld.
Ingrid Kopp, ebenfalls Sprecherin der Bürgerinitiativen, ergänzt in einer weiteren Pressemitteilung, wenn der Vorstandsvorsitzende von Fraport, Stefan Schulte, ernsthaft glaube, die Menschen der Region würden ihr hart erkämpftes Nachtflugverbot zugunsten der globalen Mobilitätssteigerung wieder aufgeben sei er von der Realität weit entfernt. Fraport trage das unternehmerische Risiko, alle Starts bis 23 Uhr abzuwickeln, wolle aber aus Gründen der Gewinnmaximierung ein zu großes Kontingent an Flügen starten lassen.
Da man offenbar nicht in der Lage sei dieses Kontingent zeitgemäß abzuwickeln, rüttele man nun eben am Nachtflugverbot, so Kopp. Dass nun auch noch DFS-Chef Dieter Kaden von starren Regeln und mehr Flexibilität spreche, gebe dem Ganzen den Beigeschmack einer Kampagne im „Sommerloch“.
„Sicher ist es für 200 Passagiere unangenehm eine Nacht im Terminal des Flughafens zu verbringen, aber die DFS mag sich damit trösten, dass dafür tausende von Kindern ihren Schlaf ungestört fortsetzen können“, so Kopp. Weiter fragt die Sprecherin nach: „Wen meint Schulte, wenn er von Partikularinteressen redet, doch nicht die fast 200 000 Menschen der Region, die täglich 18 Stunden unter unzumutbarem Fluglärm leiden“? Das sei eine bewusste Kleinrechnung seines großen Problems und reine Stimmungsmache.
„Schluss mit dem Gejammer, zehn Minuten Lärm sind zehn Minuten zu viel“, meint Mörfelden-Walldorfs Erster Stadtrat Franz-Rudolf Urhahn, der ebenfalls die „Aufweichungstaktik“ des Nachtflugverbotes durch die Luftfahrtindustrie kritisiert.
Empört ist der Grünen-Politiker darüber, dass von einer Karenzzeit bis 23.10 Uhr gesprochen wird. „Wir lehnen diese Salamitaktik, die nur darauf abzielt, das Nachtflugverbot Stück für Stück auszuhebeln, entschieden ab. Jede Minute Lärm in der Nacht ist eine Minute zu viel. Wir kennen dieses Spiel ‘Immer mehr‘ bereits vom Ausbau. Das wird bei der Einhaltung der Zeiten nicht anders sein. Aus den zehn Minuten werden dann schnell fünfzehn und dann eine halbe Stunde und so weiter. Irgendwann muss damit Schluss sein. Selbst der Frankfurter Flughafen muss sich an die festgelegten Zeiten halten, wie jeder andere auch.“
Dass bereits jetzt eine ganze Region trotz bestehenden Nachtflugverbotes nicht zur Ruhe komme, sei leider traurige Realität, so Urhahn weiter. Um die Zukunft des Flughafens macht sich der Erste Stadtrat indes keine Sorgen: „Ich kann das Gejammer nicht mehr hören. Die Fraport brüstet sich – trotz Nachtflugverbot – mit einem Passagierrekord und auf der anderen Seite wird behauptet, dass der Frankfurter Flughafen zum Provinzflughafen verfällt, wenn das Nachtflugverbot nicht aufgeweicht wird.“ (ake)

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