Weichen stellen mit Augenmaß

Bürgermeisterwahl: Der Freitags-Anzeiger stellt SPD-Kandidat Heinz-Peter Becker vor

ER WILL WEITER ANPACKEN: Amtsinhaber und SPD-Bürgermeisterkandidat Heinz-Peter Becker vor dem Rathaus am Dalles. Besonders stolz ist er darauf, dass die Stadt während der Konsolidierungsphase keine Leistungen kürzen oder soziale Einrichtungen schließen musste. (Foto: Beutel)

Mörfelden-Walldorf (db). Er will es noch einmal wissen, denn er hat noch einiges vor: Obgleich Bürgermeister Heinz-Peter Becker zwei Amtszeiten hinter sich hat, stellt sich der 61-Jährige erneut zur Wahl. Kein Wunder: Schon als junger Mensch wuchs in ihm der Wunsch, sich politisch zu engagieren und zu gestalten.

Insgesamt 34 Jahre politische Arbeit in Mörfelden-Walldorf

Verantwortlich dafür waren nicht nur seine Eltern, sondern auch der Großvater, mit dem die Familie seinerzeit lebte: „Mit ihm sprach man über das Ortsgeschehen und eben auch über die Politik.“ Vor allem Willy Brandt und die sozialliberale Koalition waren Dauerbrennerthemen. Umso größer die Freude, als er das erste Mal seine Kreuze auf einem Wahlzettel eintragen durfte. „Allerdings war mir das zu wenig. Ich wollte in einer Partei mitarbeiten“, sagt Becker, der 1977 in die SPD eintrat.
Dass aus der Politik aber ein Vollzeitzeitjob als Stadtrat und später als Bürgermeister werden würde, war nie geplant. Stattdessen arbeitete Becker nach seinem Realschulabschluss in Groß-Gerau und einer Lehre als Elektromonteur in Frankfurt. Parallel dazu dachte der gebürtige Walldorfer, der mit einer waschechten Mörfelderin verheiratet ist und einen erwachsenen Sohn hat, über einen Meister oder den Ingenieurberuf nach. Es kam jedoch anders. Auf dem Abendgymnasium in Neu-Isenburg holte er sein Abitur nach und studierte an der Goethe-Universität Volkswirtschaft. Anschließend arbeitete er 17 Jahre in der Personalabteilung der Fraport. Gleichzeitig wuchs das politische Engagement. 1985 wurde Becker in die Stadtverordnetenversammlung gewählt, der er 17 Jahre ohne Unterbrechung angehörte. So lange, bis er 2002 Erster Stadtrat und 2007 Bürgermeister wurde. Insgesamt schaut Becker auf 34 Jahre ehren- und hauptamtliche politische Arbeit zurück. „Das kann man nur so lange und intensiv machen, wenn man das aus einer inneren Überzeugung tut.“ 

Erweiterung im Stadtgebiet Walldorf notwendig

Seine Herzensprojekte sind der Ausbau der Kinderbetreuung und der Schulen, die ärztliche Versorgung mit einer Ersatzlösung für das marode Ärztehaus auf den Weg zu bringen, wofür bereits ein Grundsatzkonzept erarbeitet wurde (wir berichteten) und zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. „Dafür ist es nicht mein Ziel, die grüne Mitte zuzubauen“, sagt Becker. Zumal ein Großteil des Stadtgebiets durch Siedlungsbeschränkungen und geschützte Landschaftsbestandteile gar nicht zur Verfügung stünde. Aber: „Aus meiner Sicht bietet sich eine notwendige Erweiterung an das Stadtgebiet in Walldorf an.“ Innerhalb des Stadtgebiets wäre eine Verdichtung möglich, allerdings müsse eine Balance gefunden werden, in der Grünflächen und Freiräume ihren Platz haben, plus Parkräume. Doch nur mit einer Verdichtung könne man den Wohnraumbedarf nicht decken. 

Städtische Wohnungsbaugesellschaft geplant

Im Moment haben über 400 Menschen einen Anspruch auf eine Sozialwohnung gemeldet. Sie könne man schon jetzt nicht mehr im Stadtgebiet unterbekommen. Daher brauche man eine Erweiterung. Beckers Ziel: Die Stadt soll möglichst viele der Sozialbauten übernehmen, um sie dauerhaft als Sozialwohnungen erhalten zu können. Dafür soll eine Wohnungsbaugesellschaft gegründet werden, die Bauprojekte plant, umsetzt und unterhält. Aber um dieses Vorhaben auf eine solide Grundlage stellen zu können, müsse man Wohnungen im oberen Preissegment bauen lassen, um Überschüsse zu generieren. Wenn dann bis 2030 bis zu 1000 neue Wohnungen stehen, davon etwa 30 Prozent sozialgefördert, wäre dies ein Riesenerfolg.

Lösung bei den Randzeiten

Auch bei der Kinderbetreuung habe man die Weichen für die Zukunft gestellt, weil man feststellte, dass die bisherigen Kapazitäten nicht ausreichen. Daher ist schon jetzt ein Ausbau für zusätzliche 170 Kinder im Krippen- und im Kita-Alter auf den Weg gebracht worden. „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat Priorität“, sagt Becker. Im Fall der verkürzten Randzeiten zeichne sich auch eine Lösung ab. Auf Basis des wirklichen Bedarfs habe sich ergeben, dass relativ wenige Kinder diese Zeiten nutzen. „Wir werden jedes Kind bis zum Ende dieses Kita-Jahres im Sommer betreuen“, sagt Becker. Dann sollen in jedem Stadtteil jeweils zwei Kitas benannt werden, die diese Randzeiten in Zukunft anbieten sollen.

Die Kritik, durch die Reduzierung der finanziellen Vereinsförderung würde man die Ehrenamtlichen unter Druck setzen, weist Becker von sich und erinnert an das Gesamtangebot, das die Stadt zugrunde lege. Dazu gehöre, dass Sportstätten für die Vereine kostenlos zur Verfügung stehen, inklusive Personal, laufender Kosten und der Unterhaltung. Der Bauhof unterstützt die Vereine etwa bei der Rasenpflege. Dazu kommt die Unterstützung zahlreicher größerer und kleinerer Projekte, die die Stadt mitgefördert habe.

Trotz Konsolidierungsphase keine Einschnitte

Auf eine Sache ist Becker rückblickend schon jetzt stolz. Dass es gelungen sei, die über die Jahre aufgebaute Infrastruktur während der Konsolidierungsphase nicht zu reduzieren, keine Leistungen aufzugegeben oder Einrichtungen schließen zu müssen. Das sei nicht selbstverständlich. Ebenso wie seine Wiederwahl. Auch als Amtsinhaber gehören Hausbesuche für ihn zum Wahlkampf dazu. Seit Ende November ist er unterwegs. Seine Botschaft: „Ich erwarte nicht, dass ihr zu mir kommt. Ich komme zu euch. Denn ich möchte ein Bürgermeister für alle sein.“

 

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