Walldorf als Mittelpunkt der Welt

Wie aus der großen Gemeinde eine kleine Stadt wurde: Erinnerungsfeier im Rathaus

ERINNERUNGSFEIER: Vor 50 Jahren bekam Walldorf die Stadtrechte verliehen. Das Jubiläum wurde am Sonntag im Stadtverordnetensitzungssaal mit einer großen Feierstunde begangen, während der sich Bürgermeister Heinz-Peter Becker, Stadtverordnetenvorsteher Werner Schmidt, Ehrenstadtrat und Festredner Wilhelm Jourdan sowie Landrat Thomas Will (von links) ins Goldene Buch der Stadt eintrugen. (Foto: Schwappacher)

Mörfelden-Walldorf. Vor 50 Jahren wurde aus der großen Gemeinde die kleine Stadt Walldorf. Zuvor entstanden neue Wohngebiete, die Kanalisation wurde ausgebaut, befestigte Straßen angelegt und die Wilhelm-Arnoul-Schule errichtet. Als dann die 10.000 Einwohnerin zur Welt kam, stand der Verleihung der Stadtrechte durch das hessische Innenministerium nichts mehr im Wege.

Zum Jubiläum der Stadtwerdung erinnerte sich Ehrenstadtrat Wilhelm Jourdan am Sonntag an die Zeit vor 50 Jahren, als die Lokalpolitiker wichtige Entscheidungen auch mal bei einer Runde Skat ausspielten, wie er augenzwinkernd erzählte.
 Einblicke in das Jahr 1962 gab auch ein knapp 20-minütiger Film, der den damaligen Festakt im Löwenkino dokumentiert. Im Rahmen der Feierstunde im Rathaus Walldorf trat außerdem die Band Orange Box auf, und spielte ihr Lied „Walldorf, meine Stadt“, das zum 300. Geburtstag der Waldensergemeinde geschrieben wurde. Grußworte an die zahlreichen Gäste richteten Bürgermeister Heinz-Peter Becker, Landrat Thomas Will und Stadtverordnetenvorsteher Werner Schmidt (alle SPD).
Kubakrise, Spiegelaffäre und die Beatles bestimmten 1962 die Schlagzeilen. „Wir hatten aber ganz andere Gedanken im Kopf“, erzählte Wilhelm Jourdan. Die Lokalpolitik wartete gespannt auf den 10 000. Einwohner und hatte schon eine Reihe werdender Mütter unter Beobachtung. „Walldorf war klein, man kannte sich“. Schließlich war es Sussie Bonin, die mit ihrer Tochter Eveline (heute Passet) die Einwohnerzahl abrundete. Beide Frauen waren bei der Feierstunde anwesend und wurden mit viel Applaus bedacht.
In den Jahren zuvor habe man alles daran gesetzt, um den Leitspruch des damaligen Bürgermeisters Christian Zwilling – „Aus einer großen Gemeinde, eine kleine Stadt machen“ – mit Bauprojekten und Modernisierungen wahr werden zu lassen. Als Mann mit Visionen, der seine Ziele umsetzen konnte, lobte Jourdan den Wegbereiter der Stadtrechte.
Mit viel Einsatz sei schließlich ein Antrag an das Innenministerium formuliert worden. Beigelegt war eine Landkarte, die Walldorf als Mittelpunkt der Welt auswies. „Wir hatten auch den Vorteil, dass Walldorf damals die größte Waldensergemeinde in Westdeutschland war“, erklärte Jourdan. Vieler Unterstützer und gute Kontakte in die Politik schadeten dem Antrag ebenfalls nicht.
So konnte am 27. Oktober passend zur Kerb im Saal des Löwenkinos die Verleihung der Stadtrechte gefeiert werden. Auf der Bühne standen nicht nur viele Ehrengäste aus Politik und Vereinsleben, auch die Jakob Sisters gratulierten mit einem Ständchen.
Auf einem Bierdeckel hielt man im Vorfeld einen Vertrag über einen Filmdreh fest, den Peter Jourdan, der als „Kinopeter“ bekannt war, anregte. „Walldorf nach Jahr und Tag – Stadtwerdung“ lautet der Titel des fertigen Films, für dessen Realisation Ulrich Filzinger verantwortlich zeichnete, der am Sonntag im Rathaus zur Aufführung kam. Wer möchte, kann die gelungene Dokumentation gegen eine kleine Spende im Hauptamt der Stadt als DVD erwerben.
Nach der Verleihung der Stadtrechte habe man sich im Rathaus stolz mit „Stadtverwaltung Walldorf“ am Telefon gemeldet. „Besonders bei Anrufen aus den ländlichen Regionen um Mörfelden“, erzählte Jourdan schmunzelnd, der auch von der nächsten Etappe in der Stadtgeschichte berichtete: Dem Zusammenschluss von Walldorf und Mörfelden im Januar 1977. Frankfurt drohte damals mit der Eingemeindung, Walldorf alleine fühlte sich zu schwach und klein, weshalb man auf den nicht immer geliebten Nachbarn zuging, erinnerte sich Jourdan.
Die Verleihung der Stadtrechte sei der Lohn für eine rasante Entwicklung Walldorfs gewesen, erklärte Bürgermeister Becker in seinem Grußwort und zitierte aus den Bewerbungsunterlagen, in denen stolz von der „Wohnstadt im Wald am Rande des Weltflughafens Frankfurt“ oder einer „aufstrebenden Wirtschaftsgemeinde mitten im Rhein-Main-Gebiet, dem Herzen Westdeutschlands“ gesprochen wurde.
Landrat Thomas Will griff das Sprichwort „Stadtluft macht frei“ auf und erinnerte an die Anfänge vor 313 Jahren rund um den Gundhof, wo wirtschaftliche und religiöse Freiheit zusammengekommen seien.
„Die Stadtrechte waren ein sehr ehrgeiziges Ziel“, betonte Werner Schmidt und erinnerte daran, dass Walldorf damals noch unter den Folgen des Zweiten Weltkrieges zu leiden hatte. Durch viel Einsatz sei der Übergang von ländlichen Strukturen zur Stadt aber gelungen.
Wie Walldorf vor 50 Jahren aussah, und sich vom heutigen Stadtbild unterschied, zeigt auch eine kleine Fotoausstellung, die von der Arbeitsgemeinschaft für Walldorfer Geschichte zusammengestellt wurde. Die Bild-Tafeln sind noch bis Freitag, 14. Dezember, im Eingangsbereich des Walldorfer Rathauses zu sehen. (seb)

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