Auf den Spuren des Nazi-Terrors

Neue Broschüre zur Judenverfolgung in Mörfelden, Fotografien und persönlichen Schicksalen

HANS-JÜRGEN VORNDRAN, Geschäftsführer des Fördervereins Jüdische Geschichte im Kreis Groß-Gerau, hat eine neue Broschüre vorgestellt. Sie beleuchtet Deportation und Ermordung Mörfelder Juden zur Zeit des Nationalsozialismus. (Foto: Schwappacher)

Mörfelden-Walldorf (seb). Nazis vor dem Mörfelder Rathaus, die Hand zum Hitlergruß gereckt und Hakenkreuzfahnen auf dem Dalles: Beim Anblick dieser Bilder, die in der neuen Broschüre „Jüdische Spuren“ zu sehen sind, rücken der Nationalsozialismus und Holocaust ein ganzes Stück näher. Denn die Faschisten machten natürlich keinen Bogen um die eigene Stadt, verfolgten und mordeten auch in den Straßen von Mörfelden-Walldorf. 

Breit aufstellen für eine gute Erinnerungskultur

Hintergründe zur Judenverfolgung, historische Fotografien und persönliche Schicksale sind in der Broschüre zu finden. Konzipiert hat sie Hans-Jürgen Vorndran, Geschäftsführer des Fördervereins Jüdische Geschichte im Kreis Groß-Gerau, zusammen mit Rudi Hechler, der für das Layout verantwortlich ist. Die Veröffentlichung baut auf einen Rundgang durch die Mörfelder Altstadt auf. Im August wurde dabei an mehreren Stolpersteinen für ermordete jüdische Mitbürger Station gemacht und deren Lebensgeschichten beleuchtet. 
Für eine gute Erinnerungskultur sei es wichtig, sich breit aufzustellen, hob Vorndran hervor. Daher hatte er sich um mehrere Kooperationspartner und Unterstützer für den Spaziergang bemüht. Bürgermeister Heinz-Peter Becker hielt ein Grußwort und die evangelische Kirche Mörfelden war eingebunden. Außerdem beteiligten sich Zeitzeugen und geschichtsinteressierte Bürger. 

Während des Rundgangs kam es zu einem Zwischenfall

Der Rundgang kam bei den Teilnehmern so gut an, dass die Frage nach einer Broschüre aufkam, erzählte der Geschäftsführer des Fördervereins. In ihr kann man nun unter anderem vom Schicksal der Familie Cohn erfahren. In der Langgasse 40 zu Hause, wurde Max Cohn in den 1930er Jahren mehrfach angegriffen. Als er sich gegen eine Attacke von Nazis wehrte, wurde er zu zehn Wochen Haft verurteilt. Außerdem zwang man ihn, eine Verkaufsvollmacht für sein Haus zu unterschreiben. Später kam Max Cohn ins KZ-Buchenwald. Nach seiner Freilassung gelang die Flucht ins englische Exil. Viele andere Familienmitglieder überlebten den Holocaust nicht. Eine besonders arme jüdische Familie lebte in der Hintergasse 18. Im Text zur Familie Sobernheim/Mainzer ist nachgezeichnet, wie ein Mitglied nach dem anderen deportiert und ermordet wurde. Zuletzt kam Henriette Mainzer mit ihrer zwölfjährigen Tochter Ilse zusammen mit acht anderen Mörfelder Juden in ein Lager nach Darmstadt. Im Ghetto Piaski wurden sie später ermordet. Während des Rundgangs kam es zu einem Zwischenfall in der Hintergasse, wo ein Anwohner die Reichskriegsflagge gehisst hatte. In der Broschüre ist auch das dokumentiert. Die Flagge aus der Zeit des Kaiserreichs ist nicht verboten und wurde in der Weimarer Republik von Rechtsextremen als Erkennungszeichen genutzt. Auch heute wird sie mit Rechtsextremen und Nazis ins Verbindung gebracht. „Es muss eine gezielte Provokation gewesen sein“, sagte Bürgermeister Becker zu dem Vorfall. 

Auch ein Rundgang in Walldorf ist geplant

Gleichzeitig unterstrich er bei der Vorstellung der Broschüre den hohen Stellenwert der Erinnerungsarbeit in Mörfelden-Walldorf. Dies sei nur dank einer parteiübergreifenden Zusammenarbeit und dem besonderen Engagement Einzelner zu leisten. Dabei führte er Hans-Jürgen Vorndran an, der die Verlegung der Stolpersteine in der Doppelstadt initiierte und betreute. Fürs nächste Jahr kündigte der Geschäftsführer des Fördervereins weitere Aktionen, wie einen Rundgang in Walldorf und die Reinigung von Stolpersteinen, an.
Die Broschüre „Jüdische Spuren – Rundgang durch die Mörfelder Altstadt“ ist kostenlos in beiden Stadtbüros zu haben. Die 23-seitige Dokumentation hat der Förderverein Jüdische Geschichte im Kreis Groß-Gerau herausgegeben. Gedruckt wurde sie mit Unterstützung der Stadt Mörfelden-Walldorf. 

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