Schafherde weidet zwischen Mörfelden und Walldorf

Tierische Landschaftspflege für Streuobstwiesen

Willkomme Knabberei: Dirk Kieselstein (BUND) lockt die Schafe im FFH-Gebiet zwischen Mörfelden und Walldorf mit frischen Blättern. (Foto: Schüler)

Mörfelden-Walldorf (msh). 264 neue Bewohner hat die Doppelstadt seit Mitte vergangener Woche: Vom Landschaftspflegehof Stürz in Griesheim ist auch in diesem Jahr wieder eine Schafsherde ins FFH (kurz für: Flora-Fauna-Habitat)-Landschaftsschutzgebiet zwischen Walldorf und Mörfelden gezogen und wird dort voraussichtlich bis Ende Oktober die „Pflegearbeiten“ übernehmen. 

Dass die Schafe wieder da sind, freut vor allem Dirk Kieselstein von der BUND-Ortsgruppe Mörfelden-Walldorf. Seit einigen Jahren betreut er das Projekt und spricht mit den Verantwortlichen ab, wo und wie für die Herde Weidefläche geschaffen wird. „Sonst haben wir immer nah an der Bertha-von-Suttner-Schule angefangen, die Schafsherde auszuladen und weiden zu lassen, in diesem Jahr machen wir es andersherum und beginnen hier am Ortsrand von Mörfelden, nahe dem Zillering“, erläutert Kieselstein.

Landschaftspflegeprojekt seit mehr als zehn Jahren erfolgreich

Seit mehr als einem Jahrzehnt läuft dieses Landschaftspflegeprojekt des BUND nun schon – und dies sehr erfolgreich. Dabei handelt es sich vor allem um ein Gebiet mit Sandtrockenrasen. „Die Stellen, wo die Schafe im vergangenen Jahr zuerst waren, sind mitunter verbissen und somit abgemäht. Diese sollen in diesem Jahr wieder blühen und Samen ausstreuen, daher wechseln wir den Ablauf. So tragen wir dazu bei, die Artenvielfalt hier im Gebiet weiter zu erhalten“, führt Kieselstein weiter aus. „Wir haben meist eine Fläche zwischen 500 und 1000 Quadratmetern abgesteckt, auf denen die Tiere weiden und Nahrung finden. Dabei sind hier auf dieser Seite des Vitrolles-Ring die Gräser saftiger, und auch an die Blätter der Bäume gehen die Tiere. Auf der anderen Seite ist es oft etwas strohiger, da fressen sie weniger“, erläutert Kieselstein die Unterschiede der Bereiche und das übliche Vorgehen.

Viele Spaziergänger beuschen die Herde

Für Joel Eckhardt wird es eine neue Erfahrung werden. Der Mitarbeiter des Landschaftspflegehofs Stürz wird abwechselnd mit Mathias Glock die Schafherde beaufsichtigen, die Tiere versorgen und den Weideplatz neu abstecken. „Ich habe schon auf einigen Höfen gearbeitet und mit Schafen zu tun gehabt. Aber nur eine Schafherde zu betreuen, das ist für mich neu“, sagt er.
Den Wohnwagen hat er nahe dem mit einem Elektrozaun gesicherten Areal aufgestellt, dieser wird zunächst dort stehen bleiben. „Zumindest, bis wir mit den Tieren in diesem Gebiet auf eine andere Fläche weiterziehen und sich ein anderer Standort anbietet“, sagt er. Regelmäßig werden die beiden Schäfer den Tieren Wasser geben, denn gerade auf strohigen Flächen und bei hohen Temperaturen ist dies überlebenswichtig. „Wenn irgendetwas sein sollte oder wir etwas brauchen, haben wir noch unseren VW-Bus.“
Für den BUND ist diese Art der Landschaftspflege in diesem Schutzgebiet ein wichtiges Projekt, mehrfach wurde die Ortsgruppe Mörfelden-Walldorf bereits für diese Arbeit ausgezeichnet und mit Spenden bedacht. „Dieses Projekt kostet uns genau genommen nicht viel, denn die Kosten werden über die Fördertöpfe der Landschaftspflege bezahlt. Die Gelder kommen von verschiedenen Stellen, etwa der Europäischen Union oder dem Land Hessen. Wir koordinieren die Maßnahmen und organisieren, dass die Tiere kommen oder legen in Absprache die Flächen fest, auf denen die Herde stehen soll“, erläutert Kieselstein. Er freut sich auch über das rege öffentliche Interesse an der Herde: Immer wieder kommen Familien die Tiere besuchen, auch Kindergartengruppen und Schulklassen statteten der Herde und den Schäfern schon einen Besuch ab.  
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