Polizisten räumen Protestcamp

Aktivisten am Boden festgekettet und einbetoniert – Treburer Oberwald abgesperrt

GERÄUMT hat am Dienstagmorgen ein Großaufgebot der Polizei das Protestcamp im Treburer Oberwald. Flughafenbetreiber Fraport will an dieser Stelle einen Autobahnzubringer für das neue Terminal 3 bauen. (Foto: Beutel)

Rhein-Main (db). Mit Baggern, Hubwagen, Räumfahrzeugen und mehreren hundert Beamten aus Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen hat die Polizei am Dienstagmorgen gegen sieben Uhr das Protestcamp im Treburer Oberwald geräumt.
Kurz vor der Aktion hatte ein Mitarbeiter des Flughafenbetreibers Fraport, der im Besitz des Waldstücks ist, die Bewohner mit einem Megafon aufgefordert, das Camp freiwillig zu verlassen.

 

Bereits seit dem 7. Januar besetzen Naturschutz-Aktivisten in Baumhäusern, Hochsitzen und Zelten bei Zeppelinheim ein Gebiet in direkter Nähe zur A 5, um gegen die Rodung zu protestieren und diese zu behindern.
Fraport plant, die Anschlussstelle Zeppelinheim zu erweitern, die zum neuen Terminal 3 führen soll, wofür 4,5 Hektar des Waldes benötigt werden. Der Bau des Autobahnzubringers soll laut Fraport im ersten Quartal 2019 beginnen. 
Nach Angaben der Polizei sei der Einsatz ohne größere Zwischenfälle und weitestgehend friedlich abgelaufen. Ein Camp-Bewohner war an einer Vorrichtung am Boden festgekettet. „Die andere Person hatte sich einen Arm im Boden einbetoniert. Nach vier Stunden konnte sie mit schwerem Gerät befreit werden“, sagte Polizeisprecher Andrew McCormack. Wegen einer möglichen Unterkühlung wurden sie mit Decken versorgt, zudem war ein Arzt vor Ort. Bis zum Mittag führte die Polizei 21 der Umweltaktivisten ab. „Von 16 Personen wurden die Personalien aufgenommen, und ihnen wurde ein Platzverweis erteilt.

Danach wurden sie nach Hause geschickt. Die anderen Fünf haben ihre Personalien nicht herausgegeben. Sie bleiben bis auf Weiteres in Gewahrsam“, sagte McCormack.
Nach und nach wurden die 4,5 Hektar Wald von Mitarbeitern der Fraport eingezäunt, anschließend rollten große Abholzmaschinen an, um mit den Rodungsarbeiten zu beginnen und Platz für weitere Großfahrzeuge zu schaffen.
Gegen 14.30 Uhr war das Areal geräumt und wurde anschließend vom Kampfmittelräumdienst überprüft, da es sich um ein ehemaliges amerikanisches Militärgelände handelt. Durch die Absperrung soll außerdem verhindert werden, dass nicht weitere Aktivisten erneut protestieren können.
„Die Camp-Bewohner konnten unverletzt aus den Baumhäusern und den Behausungen herausgeholt werden. Alles lief besonnen und sehr ruhig ab“, sagte Fraport-Sprecher Alexander Zell.
Am Rande der Aktion appellierte lautstark ein Aktivist, der seinen Namen nicht nennen wollte, an die Polizisten: „Wir brauchen mehr Bäume und keinen größeren Flughafen. Es müssen mehr Menschen von ihrem Demonstrationsrecht Gebrauch machen, sonst wird nachhaltig ein Stück Natur zerstört, was den Klimawandel noch schneller vorantreiben wird.“
Dirk Treber, Vorsitzender der Interessengemeinschaft zur Bekämpfung des Fluglärms (IGF), bezeichnete den Polizeieinsatz als völlig überzogen. „Die Fraport möchte jetzt vollendete Tatsachen schaffen und die politische Übergangsphase zwischen der alten Landesregierung und der Bildung einer neuen nutzen, um ihre Ausbaupläne voranzutreiben. Hier wiederholen sich Vorgänge wie bei der Räumung des Camps im Kelsterbacher Wald für den Bau der Landebahn Nordwest“, sagte Treber.
Thomas Scheffler, Sprecher des Bündnisses der Bürgerinitiativen, sprach von einem enttäuschenden und unveränderten politischen Kurs der Landesregierung: „Statt über den Unsinn des weiteren Flughafenausbaus in den Koalitionsverhandlungen zu sprechen, lassen die jetzt und künftig Regierenden vollendete Tatsachen schaffen.“ 
Die Gemeinde Trebur hat insgesamt sechs Hektar des Oberwaldes an Fraport verkauft, von denen nun 4,5 Hektar gerodet werden. Hätte die Gemeinde nicht verkauft, wäre sie von Fraport enteignet worden. Nach Angaben des Flughafenbetreibers handelt es sich dabei um die letzte Fläche, die für den Ausbau gebraucht werde.
Insgesamt wurden dafür 282 Hektar Wald beansprucht. Bis 2021 sollen die Bauarbeiten für die erweiterte Autobahn-Anschlussstelle abgeschlossen sein. Dirk Treber warnt jedoch vor den sich daraus ergebenden Verkehrsstaus: „Mit einem neuen Autobahnanschluss bei Zeppelinheim für das Terminal 3 sind die Verkehrsprobleme rund um das Frankfurter Kreuz, für den Landkreis Offenbach und Groß-Gerau nicht erledigt. Ganz im Gegenteil, der Verkehrskollaps ist absehbar.“
Die IGF fordert daher ebenso wie umliegende Kommunen und der Kreis Groß-Gerau, einen Bahnanschluss für das neue Terminal.

 

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