Mörfeldens Hexe Otilia Preußing

Lehramtsstudent Bastian Lotz stellt seine Recherchen vor

BASTIAN LOTZ berichtete im Gespräch mit Museumsleiterin Cornelia Rühlig über die Hexenverfolgung von Ottilia Preußen. Die aus Mörfelden stammende Frau wurde 1654 hingerichtet. (Foto: Schwappacher)

Mörfelden-Walldorf (seb). Als Königin der Hexen beschrieb sich Ottilia Preußen und wurde daraufhin mit dem Schwert enthauptet. Zuvor folterte man die aus Mörfelden stammende Pfarrerswitwe und zwang sie so zu einem Geständnis. Die Hexenverfolgung von Ottilia Preußen nahm 1654 ihr blutiges Ende und war am Sonntag Thema im Mörfelder Heimatmuseum.

Pfarrerin Schätzler-Weber gab einen Hinweis

Im Rahmen einer Studienarbeit beschäftigte sich Bastian Lotz mit dem bislang unbekannten Fall. Einen Hinweis bekam der Lehramtsstudent von der Mörfelder Pfarrerin Andrea Schätzler-Weber, die von der Hexenverfolgung wusste, allerdings keine Einzelheiten kannte. Lotz machte sich daraufhin auf Spurensuche in Archiven und konnte so die 18-seitigen Prozessunterlagen einsehen. Im Heimatmuseum präsentierte er seine Rechercheergebnisse nun vor großem Publikum. Immer wieder mussten weitere Stühle aufgestellt werden, am Ende bekam nicht jeder der zahlreichen Besucher einen Sitzplatz.

Königin der Hexen

Warum Ottilia Preußen, die als fromme und gläubige Frau bekannt war, als vermeintliche Hexe hingerichtet wurde, konnte Bastian Lotz nicht zweifelsfrei klären. Fest steht aber, dass sie seit 1652 mehrfach denunziert wurde. Unter anderem warfen ihr Bürger vor, sie habe als Königin der Hexen an Hexentänzen teilgenommen und Vieh mit einem Zauber umgebracht. 
Von den mehr als 20 Menschen, die Ottilia Preußen der Hexerei bezichtigten, waren beim Prozess die meisten bereits tot, berichtete Lotz. Auch ihnen wurde Hexerei vorgeworfen und man richtete sie schließlich hin. Angeklagte seien damals regelmäßig äußerst brutal gefoltert worden und man habe sie nach Namen von weiteren Hexen gefragt. Um die unmenschlichen Torturen zu beenden, habe man dann oftmals alle Namen aufgezählt, die einem spontan in den Sinn kamen. So könne auch der Name Ottilia Preußen gefallen sein. Der Referent hält es für möglich, dass die Frau ein zufälliges Opfer von Hexenverfolgung wurde. 

Unter Folter Hexereien gestanden

Nachdem man ihr Daumen- und Beinschrauben angelegt hatte, sagte sie im Prozess schließlich aus, in ihrer Heimat Mörfelden zur Hexerei gefunden zu haben. „Folter galt damals als Instrument der Wahrheitsfindung“, sagte Lotz. So sei man fest davon ausgegangen, dass unter großen Schmerzen die Wahrheit gesagt werde. Ottilia Preußen gestand letztlich eine ganze Reihe von Hexereien. So sagte sie vor Gericht aus, Vieh vergiftet zu haben, mit dem Teufel im Bunde zu stehen, ihren kleinen Bruder ermordet zu haben und die Königin der Hexen zu sein. „Man sagt unter Folter einfach alles“, machte der Student die Vernehmungssituation deutlich. Angeklagt und hingerichtet wurde die Pfarrerswitwe in Bad Homburg, wo sie zur damaligen Zeit lebte. Gemeinsam mit sechs weiteren Beschuldigten köpfte man sie am 19. April 1654. Da der auffindbare Dokumentenbestand zum Fall von Ottilia Preußen klein ist, konnte Bastian Lotz keine abschließende Einschätzungen zu den Hintergründen ihrer Verurteilung machen.

Sündenböcke für Krisensituationen

Die Hexenverfolgung habe in ganz Europa bis 60.000 Hinrichtungen zur Folge gehabt, berichtete der Student in einem thematischen Überblick. Dabei sei es kein Phänomen des tiefen Mittelalters und habe seinen Höhepunkt von 1580 bis 1650 erreicht. Sowohl in katholisch wie evangelisch geprägten Regionen sei es zur Hexenverfolgung gekommen. Oftmals habe man Sündenböcke für Krisensituationen gesucht, es sei aber auch zu vielen Fällen von persönlicher Bereicherung gekommen. Unter den Opfern seien oftmals Heilerinnen und Hebammen gewesen, aber auch Kinder und Männer. 

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