Mörfelden-Walldorf: Existenznöte in der Kulturbranche

Betroffene trifft Corona-Situation mit voller Härte

Gemeinsam mit Ralf Baitinger (hinten) hat Veranstaltungstechniker Rene Papp in der ersten Corona-Welle die Reihe „Live aus dem Wohnzimmer“ organisiert. (Foto: msh)

Mörfelden-Walldorf (msh). „Für Kulturschaffende und Veranstalter ist 2020 ein katastrophales Jahr. Weil wegen der Corona-Pandemie unzählige Veranstaltungen abgesagt wurden, stehen viele Freiberufler vor einer existenzbedrohenden Situation, insbesondere, wenn die von der Regierung eingeführten Hilfsmaßnahmen unzureichend oder unzutreffend sind. Wir bekommen immer gesagt, dass wir Hartz IV oder Grundsicherung beantragen sollen. Aber viele Solo-Selbstständige der Kultur- und Veranstaltungsbranche kann man nicht einfach in Hartz IV schicken, oder sie bekommen es nicht so ohne Weiteres“, veranschaulicht Rene Papp aus Mörfelden-Walldorf, der als Vollservicedienstleister in der Veranstaltungsbranche tätig ist.

 Auch seine Aufträge wurden storniert, auch er musste sich mit den neuen Gegebenheiten abfinden.
„Der erste Lockdown hatte uns voll erwischt. Es ging nichts mehr, und in der Branche herrschte viel Angst. Wobei wir den ersten Lockdown meiner Meinung nach noch nicht überwunden haben, sondern die Maßnahmen wieder verschärft wurden“, so Papp weiter.
Er versuchte, das Beste aus der Situation zu machen und erwarb Zusatzqualifikationen. Bei der Industrie- und Handelskammer machte er eine Hygieneberater-Weiterbildung für Veranstaltungsstätten, und mit der zusammen mit Ralf Baitinger ausgerichtete Veranstaltungsreihe „Live aus dem Wohnzimmmer“ sammelte er Erfahrungen im Bereich Live-Video-Streaming und Online-Übertragungen.
„Bei der Schulung der IHK wurde mir klar, wie sich die Infektion verbreitet und was man tun kann, um die Gefahr zu mindern. Ich habe gelernt, Hygienekonzepte für Veranstaltungsstätten zu erstellen oder zu optimieren“, berichtet er.
Dabei seien manche Bedingungen des Gesetzgebers eher theoretischer Natur und in der Praxis nur unter erschwerten Bedingungen umsetzbar, urteilt er.
„Die Veranstaltung ‚Restart19’, bei der in Leipzig verschiedene Szenarien und Hygienekonzepte für bis zu 8000 Besucher getestet wurden, zeigte, wie es die Veranstaltungsbranche hätte machen können. Nur wurde dies vom Staat bei den Maßnahmen nicht berücksichtigt. Wir haben Lösungen angeboten mit Ordnern, Personenführung und Belüftungskonzepten“, sagt Papp.
Die Verschärfung der Maßnahmen Anfang November hatte er kommen sehen und befürchtet nun, dass es mindestens bis März dauern wird, bis in der Veranstaltungsbranche wieder eine signifikante Veränderung eintritt.
„Ich arbeite viel mit Bands und Künstlern zusammen, und die sitzen quasi auf dem Trockenen. Im Sommer habe ich oft zehn bis 15 Leute beschäftigt, das ging in diesem Jahr nicht. Dabei haben wir gesehen, dass Hygienekonzepte bei Veranstaltungen funktionieren“, so Papp weiter. Daher bietet er jetzt neben seinem normalen Angebot im Bereich der Ton- und Lichttechnik auch Covid-19-Hygienekonzepte an, erstellt Bestuhlungspläne und bietet Beratungen für Veranstaltungsstätten und Künstler. Weiterhin kümmert er sich um Veranstaltungen wie die Stadtverordnetenversammlung von Mörfelden-Walldorf oder Kreistagssitzung im Bürgerhaus genauso, wie um Video-Veranstaltungen großer Unternehmen.
„Ein Problem sehe ich noch kommen. Gerade die guten Leute haben sich in dieser Krise oft einen festen Arbeitsplatz gesucht oder umgeschult. Wenn im kommenden Jahr beispielsweise wieder Künstler auf Tour gehen, dann fehlen diese Spezialisten der Veranstaltungsbranche. Und das merkt am Ende auch der Besucher“, ist Papp überzeugt.
Bei der bekannten Partyband „Hessentaler“ tröstet sich Yvonne Zwilling mit Galgenhumor. „Wir sind natürlich sehr glücklich über die Situation“, sagt sie mit beißender Ironie in der Stimme. Seit März ist die Formation nicht mehr aufgetreten, wann die Partyband wieder auf die Bühne darf, ist nicht absehbar.
„Wir spielen auf vielen Großveranstaltungen, wie etwa dem Stuttgarter Frühlingsfest im April oder dem Cannstatter Volksfest auf den Cannstatter Wasen Ende September. Diese sind ja auch alle abgesagt worden. Für uns sind das zwei feste Hausnummern im Kalender jedes Jahr, die nun fehlen. Außerdem waren wir für dieses Jahr zum größten Oktoberfest in Holland gebucht gewesen“, berichtet Zwilling weiter.
Ein Ende der Beschränkungen sieht auch sie noch nicht und weiß daher, dass es für sie und ihre Musikerkollegen nicht leicht ist. „Die Hälfte von uns ist berufstätig, die andere Hälfte sind Berufsmusiker, da ist es echt hart“, weiß sie. Keine Illusionen habe sie sich deshalb im Sommer gemacht, als die Infektionszahlen zwischenzeitlich zurückgingen; vielmehr sah sie die Reisewelle mit Sorge und war davon überzeugt, dass die Konsequenz daraus Deutschland noch treffen werde.
„Ich denke, ich habe es realistisch genug gesehen, um nicht die Hoffnung zu haben, dass im Herbst alles wieder normal ist. Nur wie lange es jetzt noch so weitergehen wird, das ist für mich nicht absehbar. Solange müssen wir es eben aussitzen.“
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