Mörfelden-Walldorf: Bürgerprojekt Rosengarten veranstaltet zweitägige Fachtagung

"Gärten, Landschaften, Artenvielfalt im Wandel der Klimaveränderung" / Besucher aus ganz Deutschland

Grüne Gedanken, auch zum Stadtklima: Klaus Körber, Vizepräsident der Deutschen Rosengesellschaft, hat den Eröffnungsvortrag der zweitägigen Fachtagung in Mörfelden gehalten. Sein Thema: Gärten, Landschaften und Artenvielfalt im Wandel der Klimaveränderung. Foto: Koch

Mörfelden-Walldorf – Die Klimakrise und das Artensterben gehören zu den wichtigsten Themen der Gegenwart und Zukunft. Daher hatte das Bürgerprojekt Rosengarten aus Mörfelden-Walldorf vergangene Woche zu einer zweitägigen Fachtagung unter dem Titel „Gärten, Landschaften, Artenvielfalt im Wandel der Klimaveränderung“ in das Wirtshaus „Zum Sattler“ in Mörfelden eingeladen. Die Veranstalter hatten dafür zahlreiche hochkarätige Referenten für verschiedene Vorträge und eine abschließende Podiumsdiskussion gewinnen können.

40 Interessierte nahmen an der Fachtagung teil. Viele hatten weite Anreisen auf sich genommen – die Teilnehmer kamen aus ganz Deutschland. Organisiert hatte die Fachveranstaltung das Bürgerprojekt in Zusammenarbeit mit der Stadt Mörfelden-Walldorf, der Deutschen Rosengesellschaft und der Gesellschaft der Staudenfreunde, moderiert wurde sie von Peter Pfliegensdörfer von der Deutschen Rosengesellschaft. Die Referate befassten sich mit unterschiedlichen Themen. Hierzu gehörte etwa das Insektensterben, insbesondere der Rückgang von Schmetterlingspopulationen, sowie das Anpflanzen von insektenfreundlichen Rosen, Stauden, Sträuchern und Bäumen. „Wir brauchen grüne statt graue Gärten“, so Stadtverordnetenvorsteher Franz-Rudolf Urhahn in seinem Grußwort. Zudem lobte er ausdrücklich den Rosengarten in Mörfelden. Dieser sei ein wunderbares Beispiel, wie eine Stadt in ihrer Mitte durch mehr Natur gewinnen könne.
Rudolf Blasnik stellte den Tagungsteilnehmern den Mörfelder Rosengarten sowohl in einem Vortrag als auch später bei einem Rundgang vor Ort vor. „Artenvielfalt ist uns beim Rosengarten besonders wichtig. Daher sind hier auch Insektenhotels, Vogelhäuschen und Brutkästen zu finden“, erläuterte er als einer der Hauptinitiatoren des Rosengartens. In ihrem Grußwort lobte auch Renate Neumann-Schäfer, Präsidentin der Deutschen Rosengesellschaft, das Projekt als Schmuckstück. Der Mörfelder Rosengarten sei eine Augenweide, habe viele Menschen zusammengebracht und diene zudem der Artenvielfalt. 
Gleich der erste Vortrag der Tagung war besonders wichtig, da sich dieser nicht mit einem einzelnen Projekt oder Thema, sondern mit sehr grundsätzlichen Problemen befasste: Klaus Körber, Vizepräsident der Deutschen Rosengesellschaft, referierte über „Gärten, Landschaften, Artenvielfalt im Wandel der Klimaveränderung“. „Wasser ist Leben“, betonte Körber. Ohne Wasser könne nichts existieren. Das aktuelle Austrocknen vieler Flüsse sei daher erschreckend. Körber empfahl, Wasser zu speichern, insbesondere durch den Bau von Zisternen. Gerade im Winter gehe viel Wasser unnötig verloren, das in anderen Jahreszeiten dann fehle. Die Gesellschaft sei insgesamt immer noch viel zu verschwenderisch, gerade mit Wasser. Körber ermutigte die Zuhörer zudem, Baumpatenschaften zu übernehmen und möglichst viele Bäume, gerade jene im Alter zwischen 30 und 70 Jahren, durch Bewässern zu retten. „Bäume sind unverzichtbar“, sagte er. Sie sind ein wichtiger Sauerstoffspender und Lebensraum für Tiere. Weiterhin zeigte Körber in seinem Vortrag auf, wie sehr sich Städte ohne Bäume aufheizen. „Bäume verbessern erheblich das Stadtklima“, sagte er. Daher komme Bäumen nicht nur im Wald, sondern genauso in der Stadt eine enorme Bedeutung zu. Auch Dach- und Fassadenbegrünung sowie Bäume auf Dächern seien für Städte bewährte Ansätze.
Die große Trockenheit und die Hitzesommer seien die neue Normalität, mit der jeder umzugehen habe, mahnte der Fachmann. Das Ausmaß der Trockenheit sei in Deutschland je nach Region zwar unterschiedlich, aber die negative Entwicklung überall eindeutig. Im Sinne des Erhalts der Artenvielfalt sprach sich Körber gegen Monokulturen aus. In Bezug auf Rosengärten – sowie allgemein bei Gärten – sei, wie im Mörfelder Rosengarten umgesetzt, unbedingt auf den Erhalt der Artenvielfalt zu achten. Generell müssten möglichst viele insektenfreundliche und klimaresistente Pflanzen und Bäume gesetzt werden.
Zu der Fachtagung ist auch ein Tagungsband erschienen, der zum Preis von fünf Euro erhältlich ist (per E-Mail an: irene.blasnik[at]t-online[dot]de). VON ALEXANDER KOCH

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