„Das ist ein klarer Wählerauftrag“

Thomas Winkler gewinnt die Bürgermeisterwahl, hat jedoch keine parlamentarische Mehrheit

STRAHLENDER SIEGER: Thomas Winkler wird neuer Bürgermeister von Mörfelden-Walldorf. Ihm gratulieren Maria Schmitz-Henkes (links) vom Grünen-Vorstand des Kreises Groß-Gerau sowie Gianina Zimmermann vom Main-Taunus-Kreisverband der Grünen. (Foto: Postl)

Mörfelden-Walldorf (seb). Der Wechsel an der Verwaltungsspitze ist da: Thomas Winkler setzt sich bei der Stichwahl um das Bürgermeisteramt klar gegen Heinz-Peter Becker durch. Rund 56,5 Prozent unterstützten am Sonntag den Kandidaten der Grünen. Heinz-Peter Becker von der SPD kam dagegen nur auf 43,5 Prozent und muss den Posten nach zwölf Jahren aufgeben.

Schon mit den ersten Zwischenergebnissen lag Winkler vorne. Er sollte die Führung nicht mehr abgeben. Von 29 Bezirken gewann Amtsinhaber Becker lediglich vier, in den restlichen holte sich der Herausforderer die Mehrheit der Stimmen. „Mit diesem Ergebnis war nicht zu rechnen. Ich habe es viel knapper erwartet. Das ist ein klarer Wählerauftrag“, sagte Thomas Winkler im Gespräch mit dem Freitags-Anzeiger. Obwohl die Resonanz im Wahlkampf gut gewesen sei, habe er eine Niederlage nicht ausgeschlossen. „Ich werde es jetzt langsam angehen“, sagte er. Noch vor der Amtsübernahme wolle er Gespräche mit allen Fraktionen führen und sich mit dem Ersten Stadtrat Burkhard Ziegler (FW) und dem ehrenamtlichen Stadtrat und Ordnungsdezernent Steffen Seinsche (FDP) zusammensetzen.

Ausloten, wer bei Sachthemen zu einer Zusammenarbeit bereit ist

Anstatt schnelle Entscheidungen anzukündigen, möchte der zukünftige Bürgermeister in Ruhe die politische Lage sondieren. Das wird nötig sein, denn eine parlamentarische Mehrheit hat er nicht hinter sich. Gestalten aus der Verwaltung heraus sei gefragt, notfalls mit eigenen Vorlagen am Magistrat vorbei, kündigte Winkler an. Auf eine Zustimmung in der Stadtverordnetenversammlung ist er auch dabei angewiesen. Es gelte daher, so der Grünen-Politiker weiter, auszuloten, wer bei Sachthemen zu einer Zusammenarbeit bereit sei. Im Wahlkampf setzte er sich unter anderem dafür ein, die Felder zwischen den Stadtteilen nicht als Bauland auszuweisen. Darüber hinaus will Winkler die Steuer- und Gebührenbelastung senken und für eine sparsame Haushaltsführung eintreten. Auch Umwelt- und Klimaschutz misst er eine zentrale Bedeutung zu und möchte städtische Wohnungen in Eigenregie bauen. 
Eine Umstrukturierung innerhalb der Verwaltung hat der Wahlgewinner aktuell nicht vor. „Wir schießen nicht wild um uns“, sagte er auf eine mögliche Neuverteilung der Dezernate angesprochen. Als Chef der Verwaltung obliegt es dem Bürgermeister, Zuständigkeiten im Rathaus zu vergeben. Aktuell ist Heinz-Peter Becker für Sport und Kultur, Stadtplanung und Bauen sowie das Umweltamt zuständig. Außerdem fällt das Hauptamt in sein Ressort. Als Erster Stadtrat hat Burkhard Ziegler die Verantwortung für Finanzen und Soziales und er führt den städtischen Eigenbetrieb der Stadtwerke. Auch Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing sind seine Arbeitsbereiche. Der ehrenamtliche Stadtrat Steffen Seinsche ist Dezernent für das Bürger- und Ordnungsamt. Grundsätzlich zeigte sich Winkler offen, an dieser Struktur etwas zu verändern. So könne er sich vorstellen, weitere Fraktionen einzubeziehen und Arbeitsgebiete an Stadträte abzugeben. „Der Bürgermeister muss nicht alles alleine machen.“ Kurz nach der Wahl gebe es aber keine Ad-hoc-Entscheidungen.

Becker: Habe mir nichts vorzuwerfen

Sichtlich konsterniert zeigte sich Becker am Wahlabend. „Ich habe etwas anderes erwartet“, sagte der Noch-Bürgermeister. Vorzuwerfen habe er sich nichts, für die Niederlage gebe es eine Reihe an Gründen. So habe Winkler vom aktuellen Aufwind der Grünen profitiert. Auch, dass die drohende Klimakatastrophe derzeit ein großes Thema sei, habe dem Herausforderer genutzt. Gleichzeitig räumt Becker ein, dass in den vergangenen Jahren einige unpopuläre Entscheidungen getroffen worden seien. „Die wird es aber auch in den nächsten sechs Jahren geben. Auch unter einem grünen Bürgermeister.“ Wohnungsbauprojekte, die Schaffung von Kita-Plätzen und die Sanierung der Feuerwehrgerätehäuser führte er beispielhaft an und machte klar, dass dies keine einfachen Aufgaben seien. Winkler habe im Wahlkampf viel versprochen, nicht zuletzt Steuersenkungen. Jetzt müsse er zeigen, was sich umsetzen lasse. Ob die nach der vergangenen Kommunalwahl gebildete Koalition von SPD, Freien Wählern und FDP ausschlaggebend für die Wahlniederlage war, konnte Becker nicht sagen. „Aber natürlich ist es auch eine Niederlage der gesamten Koalition. Die Wähler haben eindeutig entschieden“, sagte er.
An der Zusammenarbeit des Dreierbündnisses werde sich unter einem neuen Bürgermeister nichts ändern, zeigte Burkhard Ziegler überzeugt. Wie es mit einem Rathauschef weiter gehe, der keine Mehrheit hinter sich habe, liege in den Händen von Winkler und den Grünen. Der Wahlgewinner sei nun am Zug und müsse erklären, wie er sich die Verwaltungsarbeit vorstelle. „Mir geht es um die Sache“, sagte Ziegler. Gebe es gute Ideen, könne man sie gemeinsam umsetzen. Allerdings trage er keine Politik mit, die wesentlich auf Schuldenmachen setze. Wie sich der Übergang und die weitere Arbeit gestaltet, werden die nächsten Wochen zeigen. Die Amtszeit von Becker läuft bis zum 19. Juli. 
 
Weitere Artikel zur Bürgermeisterwahl lesen Sie in unserer Print-Ausgabe vom 11. April.
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