In der Kirche zur Ruhe kommen

Projekt: Gotteshaus in der Langgasse öffnet ein Mal pro Woche für Besucher

EINE KERZE FÜR DEN GUTEN PROJEKTSTART zündete Margot Renner (rechts) von der Gruppe „Offene Kirche in Mörfelden“ an. Ab sofort steht die evangelische Kirche jeden Freitag von 16 bis 19 Uhr allen Besuchern offen. (Foto: Schwappacher)

Mörfelden-Walldorf. Wer der evangelischen Kirche in Mörfelden einen Besuch abstatten möchte, steht meist vor verschlossenen Türen. Das soll sich nun ändern. Am Karfreitag startete eine Projektgruppe das Angebot „Offene Kirche in Mörfelden“. Jeden Freitag öffnen Mitglieder der Gruppe die Kirche für Besucher.

„Die Idee ist schon acht Jahre alt. Bisher hat die Zeit gefehlt, sie umzusetzen“, erklärte Margot Renner vom Kirchenvorstand. Schon lange war es ihr ein Herzenswunsch, dass die Kirche nicht nur zum Gottesdienst aufgeschlossen wird. In der Projektgruppe haben sich nun einige Gemeindemitglieder zusammengefunden und die Idee in die Tat umgesetzt.
Während des ersten Öffnungstags bauten die Ehrenamtler einen Plakatständer auf und fertigten ein Banner an. Diese sollen zukünftig in der Langgasse oder auf dem Dalles stehen und auf die geöffnete Kirche hinweisen.
„Ich freue mich über jeden der kommt“, sagte Margot Renner. Egal ob aus Neugier oder weil ein freudiges oder trauriges Ereignis der Anlass für den Besuch in der Kirche sei. Renner und ihre Mitstreiter heißen jeden herzlich willkommen. „Wir sind gespannt, wie es weitergeht“, ergänzte Pfarrerin Meike Sohrmann.
Die Gäste können die 1730 geweihte Kirche besichtigen oder die Ruhe nutzen, um sich zu sammeln. Wer möchte, kann beten und das Gespräch suchen. Zwar wird nicht immer eine der beiden Pfarrerinnen für die Seelsorge vor Ort sein. Die Mitglieder der Projektgruppe möchten sich aber noch fortbilden lassen. Von der Landeskirche gibt es Seminare für Projekte zur Öffnung von Kirchen, in denen Ehrenamtliche mit der Seelsorge vertraut gemacht werden.
Schon im Vorfeld des ersten Öffnungstags hatte sich die Projektgruppe vorbereitet. Dabei ging es unter anderem um die Geschichte der Mörfelder Kirche, berichtete Gisela Kögler. In der Dorfmitte stand schon im 14. Jahrhundert ein Gotteshaus. Auf dessen Resten begannen 1729 die Arbeiten an der Barockkirche, die heute in der Langgasse steht. Ein Jahr dauerten die Bauarbeiten, dann wurde die Kirche geweiht.
Rund 100 Jahre später stand ein größerer Umbau an, da eine neue Orgel angeschafft werden sollte. Zudem wurde der Bereich um den heutigen Altar angelegt. Seit 1937 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. In den letzten Jahren liefen Renovierungsarbeiten und Ende 2014 wurde der umgestaltete Kirchplatz fertig, der gerade im Sommer zum Verweilen einlädt.
Die Projektgruppe hofft während der wärmeren Monate auf spontane Besucher. Es sollen sich vor allem Menschen angesprochen fühlen, die nicht in Gottesdienste kommen, erklärte Gisela Kögler. Die Kirche sei ein idealer Ort, um zur Ruhe zu kommen. Ein Angebot oder ein festes Programm gibt es während der neuen Öffnungszeiten daher bewusst nicht. Besucher sollen Gelegenheit haben, in Stille innezuhalten. Früher sei es selbstverständlich gewesen, sich einmal zurückzuziehen und die eigenen Gedanken zu ordnen, meinte Kögler. Heute sei dieser Schritt etwas Außergewöhnliches. Viele schafften es nicht mehr, sich eine Auszeit zu nehmen. Die offene Kirche soll dabei helfen.
Wenn das Projekt gut angenommen wird und sich weitere Menschen einbringen, ist nicht ausgeschlossen, dass zusätzliche Öffnungszeiten hinzukommen. Aktuell steht die Kirche freitags von 16 bis 19 Uhr allen Besuchern offen. Wer sich an dem Projekt beteiligen möchte, kann sich unter der Telefonnummer 10 11 im Gemeindebüro melden. (seb)

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