Keine kaputten Bälle mehr

Tiger Natascha und Gandhi sind nach Südafrika umgezogen

ABSCHIEDSRUNDE: Tigerdame Gandhi im Raubtiergehege während des Tages der offenen Tür im Rüsselsheimer Tierheim. (Foto: Tancik)

Rüsselsheim. Ein wenig wehmütig blickte Harald Konrad am Sonntag der Tigerdame Natascha in die Augen. Draußen im Freigehege jagte die andere Tigerin Gandhi ein Handtuch. Bald sollte es hier sehr ruhig werden, denn die beiden Bengal-Tiger haben am Montag das Rüsselsheimer Tierheim verlassen.

Konrad, der sich seit 2008 ehrenamtlich mit seinem Sohn Martin um die großen Raubkatzen gekümmert hat, ist stolz auf die Entwicklung der Tiger, die eine traurige Geschichte hinter sich haben. Sie wurden 2003 in Frankreich von einem Zirkus in Marseille zurückgelassen und lebten dort drei Jahre auf einem Parkplatz in einem engen Käfigwagen, bis die Stiftung Brigitte Bardot sie aus ihrem vier Quadratmeter großen Gefängnis befreite und zunächst im Lübecker Zoo unterbrachte.
 Als dort nach einem Jahr die Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängert wurde, kamen die beiden Tigerinnen 2007 nach Rüsselsheim ins Tierheim an der Stockstraße. „Anfangs waren sie apathisch, haben sich versteckt und große Angst vor Menschen gehabt“, erinnerte sich Claudia Vietmeier-Kemmler, die Vorsitzende des Tierschutzvereins. Sie wurden an den Fußsohlen operiert, da sie lange Zeit auf Beton stehen mussten.
Durch die geduldige Pflege von Harald und Martin Konrad entwickelten sich die Tiger sehr gut. Eigens dafür hatten die beiden ehrenamtlichen Helfer ein Praktikum in der Raubtierabteilung des Frankfurter Zoos absolviert, doch viele Ideen entwickelten sie während der Betreuung.
Tiger sind sehr intelligent und verspielt. Als besonderen Anreiz dachte sich Harald Konrad Spiele aus, versteckte eingefrorene Leckerbissen und ließ die Tiger an Handtüchern zerren. Nur die Fußbälle bissen die Tigerinnen immer viel zu schnell beim Spielen kaputt, sodass Konrad irgendwann auf die Idee kam, stattdessen alte Bowlingkugeln zu nehmen. „Anfangs wollte mir niemand glauben, dass ich sie für echte Tiger brauchte“, erinnerte er sich schmunzelnd.
Angst hatte er vor den Tieren schon lange nicht mehr, dafür aber viel Respekt – es seien schließlich immer noch Wildtiere. Seitdem sie die Betreuung übernommen hatten, fütterte und beschäftigten Harald und Martin Konrad die Tiere jeden Tag zwei bis drei Stunden – nach ihren normalen Jobs. „Da ist es egal, ob Weihnachten oder Neujahr ist, Feiertage kennen die Tiger schließlich nicht.“
Zum Tag der offenen Tür bekamen alle Besucher die Möglichkeit, sich von den Tigern zu verabschieden. Doch warum waren die Raubkatzen überhaupt mehr als vier Jahre im Rüsselsheimer Tierheim untergebracht und nicht in einem Zoo? „In erster Linie sind Zoos Wirtschaftsbetriebe und nehmen an Zuchtprogrammen teil. Da die Tiger aus nicht nachweisbaren Zuchtlinien stammen, sind sie für Zoos uninteressant“, erklärte Claudia Vietmeier-Kemmler.
Dank der internationalen Tierschutzorganisation Vier Pfoten kommen die Tiger in den Lionsrock-Park in Südafrika. Dort werden Großkatzen aufgenommen, die in Gefangenschaft unter katastrophalen Bedingungen gehalten wurden. In dem großen Park können sie sich den ganzen Tag frei bewegen und abends werden sie in kleineren Gehegen gefüttert, da die Zirkustiere das Jagen nie gelernt haben.
Die gesamte Organisation des Transports war ein großer Kraftakt für die Tierschützer. Im Mai gab es den ersten Kontakt zu der Tierschutzorganisation Vier Pfoten, die nicht nur die beiden Tiger aus Rüsselsheim, sondern auch drei Löwen aus Serbien am selben Tag nach Südafrika transportieren wollte.
Etliche Dokumente, unter anderem die Import- und Exportgenehmigungen für besonders schutzwürdige Tiere, mussten vom Regierungspräsidium in Darmstadt genehmigt werden. „Obwohl es so eine kurze Zeit war und wir mit sehr vielen Behörden kommunizieren mussten, war die Zusammenarbeit sehr gut“, lobte Vietmeier-Kemmler.
Als letzte Hürde musste eine Zollnummer für den Transport her, bevor die Tigerinnen am Montag um 10 Uhr betäubt und um 16 Uhr zum Flughafen gebracht werden konnten. Ihrem elfstündigen Flug nach Afrika folgte eine dreistündige Autofahrt zum Lionsrock-Park. „Sie haben ein größeres Gehege verdient“, bekräftigt Harald Konrad. (nta)

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