Erinnerung an harte Anfangsjahre

Walldorfs Geburtstag wurde wieder mit einem Gottesdienst gefeiert

AN DIE GEBURTSSTUNDE WALLDORFS erinnerte die evangelische Gemeinde mit einem Gottesdienst. In den Mittelpunkt stellte Pfarrer Stelzer ein friedliches und tolerantes Miteinander. (Foto: Schwappacher)

Mörfelden-Walldorf (seb). Die Gründer Walldorfs kamen 1699 als Glaubensflüchtlinge nach Hessen. Dabei gilt der 10. Juli als Geburtstag Walldorfs, da die Neuankömmlinge an diesem Datum dem Landgrafen die Treue schworen.

In den Jahren vor 1699 wurde die Laienbewegung von der katholischen Kirche ausgegrenzt, ihre Anhänger verfolgt und zu tausenden ermordet. Anlässlich des Jahrestages von Walldorfs Gründung waren daher Toleranz und ein friedliches Miteinander zentrale Themen im Gottesdienst der evangelischen Gemeinde. 
In der alten Waldenserkirche hielt Pfarrer Thomas Stelzer die Predigt und erinnerte daran, dass auch die Auslegung des christlichen Glaubens und der Bibel zu religiösem Fundamentalismus führen kann. „Es ist aber eine bunte Welt, in der jeder seinen Platz hat“, betonte der Geistliche. 
Anderen Religionen und Glaubensrichtungen dürfe man nicht mit Hass und Gewalt begegnen, vielmehr müsse man sie tolerieren und den Dialog suchen. Die Welt ließe sich nicht in Gut und Böse einteilen. Dass sich aber solche Kategorien gerade in der politischen Auseinandersetzung immer weiter durchsetzten, zeigten bedauerlicherweise die Wahlerfolge der AfD, so Stelzer. 
Nach dem Gottesdienst ging es mit einer gemütlichen Kaffeerunde im Gemeindehaus weiter. Auf die Verortung der waldensischen Wurzeln in der Gegenwart angesprochen, meinte Stelzer, dass es nicht leicht sei, das Erbe der Laienbewegung heute noch festzumachen. „Inhaltlich muss es immer wieder neu bestimmt werden“, meinte der Pfarrer. Für die Gründer Walldorfs hätten Bescheidenheit, eine starke Rolle der Frau und die eigene Auslegung der Bibel eine wichtige Rolle eingenommen. 
Mittlerweile fühlten sich aber viele Gemeindemitglieder nicht mehr mit den Waldensern verbunden. Einmal, weil viele nach Walldorf zugezogen sind, aber auch alteingesessene Walldorfer hätten eine weniger starke Verbindung zu den Ursprüngen ihrer Heimatstadt. Die Gemeinde zeichne so kein übergreifender waldensischer Gedanke mehr aus. Dennoch gelte es, sich immer wieder an die Vergangenheit zu erinnern. 
Die nächste Gelegenheit dazu gibt es am Dienstag, dem 21. August, wenn die Arbeitsgemeinschaft für Walldorfer Geschichte (AWG) zu einem Vortragsabend einlädt. Thema werden dann die ersten Tage und Jahre der Waldenserkolonie am Gundhof sein. Erwin Pons, Vorsitzender der AWG, kündigte neue Erkenntnisse über diese schwierige Zeit an. 
Mit Blick auf die ersten Walldorfer erinnerte er an die harten Anfangsjahre. Heute spreche man zwar meist von 14 Gründerfamilien, ursprünglich seien aber viel mehr Menschen im heutigen Walldorf angekommen. 115 Familien hätten sich hier niedergelassen und unter großen Entbehrungen gelebt.
Da der Landgraf zu wenig Ackerflächen bereitgestellt habe, reichte das Land nicht für alle Flüchtlinge. Immer mehr von ihnen hätten Hessen wieder den Rücken gekehrt und seinen mitunter sogar in ihre Heimat aufgebrochen, aus der sie gerade erst vertrieben wurden. Am Ende blieben 14 Familien übrig, zwei weitere kamen noch hinzu. 
„Die konnten dann einfach nicht mehr weg“, sagte Pons mit Blick auf die schwierige Situation. Heute sehe man diese Familien als Gründergeneration an, damals habe ihnen aber wohl einfach die Kraft zum Weiterziehen gefehlt.

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