Bunte Kunst auf grauen Mauern

Beim Graffiti-Hip-Hop-Jam wurde die Bahnhofsunterführung verschönert

FARBENFROHE WERKE: Die Fußgängerunterführung am Mörfelder Bahnhof wurde beim Graffiti-Hip-Hop-Jam künstlerisch aufgepeppt. (Foto: Friedrich)

Mörfelden-Walldorf (ula). Kunst aus der Spraydose – das ist Graffiti. Schon vor Jahren hat die Stadt die Straßenkunst als Chance erkannt, triste öffentliche Betonflächen verschönern zu lassen. 

Nun gab man die Fußgängerunterführung am Mörfelder Bahnhof frei für einen großen Kreativstreich der Graffiti-Künstler. Streetworker Philipp Gempe organisierte ein Festival, lud gemeinsam mit dem „Bad Breath Kollektiv“ aus Offenbach hiesige und auswärtige Künstler ein, um sich beim vierten Graffiti-Hip-Hop-Jam der Jugendförderung mit Ideen und Talent einzubringen. Eine Aktion, die trotz hochsommerlicher Temperaturen ein voller Erfolg war und zeitgenössisches Großstadtflair einer jungen Szene nach Mörfelden-Walldorf importierte.
Am heißen Samstagmittag wummerten am Bahnhof die Beats. Rapper Jakob Weber, Frontman der Frankfurter Band H3P, schmetterte seine Sprüche ins Mikrofon. „Freesyle“ wie er das spontane Intermezzo mit weiteren Musikern nannte, kritisch, politisch, frei Schnauze.
Politisch motiviert seien sie überhaupt nicht, erklärten die Graffiti-Künstler. 30 Sprayer teilten sich die fast 600 Quadratmeter große nackte Betonfläche. Passanten bestaunten den Schöpfungsprozess riesiger Figuren, feister Lettern, überdimensionierter Tiere und fiktiver Symbole. „Zwei, drei Stunden brauchst du Minimum“ – der „Snok“, so der Künstlername des Sprayers, vollendete sein Werk, ein Frauenportrait, mit großer Akribie. „Es kommt drauf an – wenn du illegal sprühst, muss es schneller gehen“, meinte ein Kollege.
 Dem „wilden Sprühen“ im öffentlichen Raum will Phillip Gempe Einhalt gebieten. Einfache Rechnung: „Wenn man freie Flächen anbietet, hat man weniger Schmierereien“, so der Streetworker. 
Für entsprechendes Know-how gibt es im Jugendzentrum seit längerem eine Graffiti-AG, in der auch Samira Tron viel Spaß hat. „Vor einem Jahr habe ich angefangen“, so die Jugendliche, die ihr zweites Werk vollendete, eine Grinsekatze. Vis-à-vis war Mama Anja Tron am Sprühen. „Ich male gerne mit Acrylfarbe, habe im letzten Jahr erstmals ausgestellt“, erklärt die Doppelstädterin, Graffiti, das sei Neuland mit viel Spaßpotential.
Von einer Graffiti-AG träumt auch Simon Jung, Impulsgeber der Aktion. Der Frankfurter ist nicht nur passionierter Sprayer, sondern auch Lehrer an der Bertha-von-Suttner-Schule – die jede Menge freie Fläche bieten könnte. „Es ist spannend, Kunst im Prozess der Entstehung zu erleben“, schwärmte er, „alles wächst organisch.“ Jung hat gute Kontakte in die Szene und lud regional zur Veranstaltung ein. Mit der Anreise zahlreicher Gäste war diesmal für eine hervorragende Qualität gesorgt, „manche Künstler verdienen damit ihr Geld“, sagte Jung.
„Ich finde es toll“, meinte ein Passant, der mit seinen Söhnen staunend durch die Unterführung flanierte – und gleich wieder zurück, um noch mehr Impressionen zu erhaschen. 
Ganz Streetworker integrierte Philipp Gempe noch ein paar „Jungs“, die regelmäßig auf dem Tizianplatz sitzen. Menschen, ohne Job, dafür mit einem ganzen Sack (Alkohol-) Problemen auf den Schultern, die sich nun als Würstchengriller betätigten. Für Gempe ein Erfolg: „Wann hat die das letzte Mal jemand gebraucht!“
Das Material für die Künstler und die nötige Technik lieferte die Stadt – ein Schnäppchen, wie Simon Jung bekräftigte. „Ein Malerbetrieb, der die Fläche weißt, wäre wesentlich teurer gekommen.“ Die Riesen-Graffitis bieten nun jede Menge fürs Auge und ein urbanes Flair.

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