Bürgerversammlung: Geplante Aldi-Erweiterung in Mörfelden-Walldorf sorgt für Gesprächsbedarf

Unmut über Verkehrsmengen

Für Kritik und Ängste sorgt das neue Hochregalllager von Aldi Süd, das im Gewerbegebiet Mörfelden-Ost entstehen soll. Foto: Friedrich

Mörfelden-Walldorf – Klima, Feuerwehr oder Aldi-Logistikzentrum – welches Thema das Rennen macht, lotete die Stadt zum Auftakt ihrer Bürgerversammlung aus. 90 Besucher hätten zur Veranstaltung ins Bürgerhaus kommen können, 55 hatten sich für den Mittwochabend vergangener Woche angemeldet. Davon zahlreiche Menschen, die sich politisch engagieren.

Durch die Pandemie war im Herbst 2019 in der Doppelstadt letztmals eine Bürgerversammlung möglich. Zweimal im Jahr wolle man eigentlich einladen, sagte Stadtverordnetenvorsteher und Moderator Franz-Rudolf Urhahn. Die gut zweistündige Versammlung hatte in weiten Zügen informativen Charakter. Ausnahme: Das geplante Aldi-Hochregallager im erweiterten Gewerbegebiet Mörfelden Ost, birgt Kritik und Ängste. „Fahren dann nur noch Lkw durch die Stadt?“, brachte eine Mörfelderin ihre Bedenken auf den Punkt.
Das Podium, mit Verwaltungsspitze und Mitarbeitern besetzt, konnte sich zuvor ein Bild machen, welche Themen Bürgern am Herzen liegen. Mit einem kleinen blauen Punkt ausgestattet durften Besucher auf einer Thementafel ihre Stimme platzieren. Hier hatten drei Fraktionen ihre Anliegen aufgelistet: Die Feuerwehrgerätehäuser, angeregt von den Freien Wählern, hatten das Rennen vor dem Thema „Klimaschutz – Wie klimaneutral wird das neue Aldi-Logistikzentrum“ gemacht (DKP/LL). Schlusslicht war der „Klimawandel – Was die Kommunen tun können“ (Grüne).
Gerd Schulmeyer, Fraktionsvorsitzender der DKP/LL, machte klar, warum die Erweiterung des Gewerbegebiets Mörfelden Ost seiner Partei auf den Nägeln brennt: „Alles redet vom Klimaschutz und dass auf der grünen Wiese nicht mehr gebaut werden soll. Keiner will Logistikzentren – bei uns kommt es. Und der größte Knüller ist das Verkehrsaufkommen.“ Von bis zu 700 zusätzlichen Lkw am Tag spricht die DKP/LL, wenn Aldi seinen Standort an der B486 erweitert.
Claudia Sonntag aus dem Bauamt konnte keine Verkehrszahlen nennen, verwies jedoch auf das Verkehrsgutachten auf der städtischen Homepage. Das Zahlenwerk ist lang, hochkomplex und soll noch einmal aufbereitet werden. Bürgermeister Thomas Winkler berichtete zur Entstehungsgeschichte: „2013 wurde die Erweiterung des Gewerbegebietes Mörfelden-Ost auf den Weg gebracht.“ Schon damals habe Aldi um Erweiterungsfläche angefragt und wäre ohne die Möglichkeit, den Logistikstandort um circa 2,5 Hektar auszudehnen, abgewandert. Winkler: „Derzeit gibt es dort 200 Jobs und noch einen schönen Zuschlag durch die Erweiterung.“ Die Stadt habe, auch angesichts des 30 Meter hohen Hochregallagers, Rahmenvorgaben gemacht: Fassaden- und Dachbegrünung, Baumreihen und Fotovoltaikflächen sind vorgeschrieben. Derzeit würde die dort lebende Zauneidechse umgesiedelt. Und auf Nachfrage einer Besucherin sagte Erster Stadtrat Karsten Groß: „Ja, Aldi zahlt Gewerbesteuer“ – künftig wohl mehr.
Das Gros des Lkw-Verkehrs würde am Knotenpunkt Industriestraße/B486 links auf die Autobahn abbiegen, sagte Sonntag. „Die allgemeine Verkehrszunahme bis 2030 ist so stark, dass die Kreuzung erweitert und mit weiteren Abbiegespuren ausgebaut werden muss.“ Die Stadt will zudem eine direkte Zufahrt vom Logistikzentrum auf die B486 durchsetzen. In einem ersten Anlauf hatte dies Hessen Mobil abgelehnt. An mehreren Redebeiträgen aus dem Publikum zeigte sich der Unmut über große, vielleicht noch größere Verkehrsmengen durch die Innenstadt. Eine Mörfelderin appellierte an die „Koalition der Vernunft“ und forderte hier Tempo 30. Dass man von Mehrverkehr, Logistikzentrum mit Hochregallager nahtlos zum Thema Klimaschutz umschwenkte, empfand Zuhörerin etwas seltsam. Hier brachte der grüne Fraktionsvorsitzende Ioannis Karathanasis zu fortgeschrittener Stunde sein Anliegen vor: „Die Kommunalwahl war eine Klimawahl. Wir brauchen Förderprogramme und kluge Konzepte.“ Weiterer Flächen- und Landschaftsverbrauch müsse gestoppt werden, dafür die Energiewende beschleunigt und Fahrradschnellanbindungen ausgebaut werden. Katharina Diergarten, Leiterin des Umweltamtes,  stellte die Ziele der Stadt vor: Bis 2030 wolle die Stadtverwaltung klimaneutral sein. Öffentliche Gebäude sind dies bereits und für die gesamte Stadt wolle man bis 2035 nicht nur CO2-, sondern klimaneutral sein. 
Mit großem Interesse wurde der Themenpunkt Feuerwehrgerätehäuser verfolgt. „Es geht bald los“, kündigte der Bürgermeister an, „der Entwurfsplan für das Feuerwehrgerätehaus Walldorf liegt vor und bald werden die ersten Gebäudeteile weggerissen.“ Mit 7,83 Millionen Euro für 2773 Quadratmeter BGF würde das Objekt teurer als 2019 angenommen, und etwas größer, sagte Bauamtsleiter Roger Manger. Damals lautete die Prognose 2717 Quadratmeter für 6,72 Millionen Euro. Gründe für die Mehrkosten sind der kontaminierte Baugrund (168 000 Euro) ein Übungsturm (131 000 Euro), Dachbegrünung (41 500), Baumaterialien (452 000 Euro) und mehr. Im Frühjahr 2022 soll der Aufstellungsbeschluss für ein neues Feuerwehrgerätehaus in Mörfelden am Luley-Knoten fallen. Sobald die Wehr in Walldorf das neue Haus in Betrieb nimmt, soll es in Mörfelden losgehen. „Die Kommunen werden mit dem Brandschutz ziemlich alleine gelassen“, sagte der Bürgermeister, denn nur 550 000 Euro Zuschüsse kommen vom Land sowie 365 000 vom Kreis Groß-Gerau für das angedockte DRK. Auf Nachfrage wurde mitgeteilt, dass der Umzug dann nochmals rund eine Million Euro verschlingen wird, auch Bauhof und Rotes Kreuz umfasst. VON URSULA FRIEDRICH

 

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