Anfangs mit Algen und Fischen

Das Waldschwimmbad feierte seinen 90. Geburtstag – Ausstellung mit alten Fotos

90 JAHRE UND IMMER NOCH SPRITZIG: Der runde Geburtstag des Mörfelder Waldschwimmbads wurde am Pfingstmontag mit Eintrittspreisen wie in alten Zeiten, einem Sektempfang und einer Fotoausstellung gefeiert. (Foto: Schwappacher)

Mörfelden-Walldorf. Fische im Waldschwimmbad? Dafür muss man in der Stadtgeschichte schon einige Jahrzehnte zurückblicken. 
Am Pfingstmontag war das kein Problem, denn da konnte man sich im Bad wie auf einer Zeitreise fühlen. 10 Cent kostete der Eintritt an der Schwimmbadkasse, womit auf die 20 Pfennige angespielt wurde, die bei der Eröffnung vor fast genau 90 Jahren als Eintrittsgeld zu zahlen waren. Auf dem Jubiläumsprogramm standen außerdem ein Sektempfang und eine Ausstellung mit alten Fotografien aus der Schwimmbadgeschichte. 

An Pfingsten 1928 kühlten sich Badegäste zum ersten Mal am südwestlichen Stadtrand ab. Auf Temperatur gebracht wurde das Wasser damals nicht, es floss mehr oder weniger ungefiltert aus dem Geräthsbach in die für 70 000 Reichsmark gebaute Anlage. Für die kleine Gemeinde war dies ein riesiger Kraftakt, sagte Bürgermeister Heinz-Peter Becker. Zumal man zu dieser Zeit mit dem Volkshaus und dem Wasserturm zwei weitere Großprojekte anging. 
25 Mal 100 Meter war das Bad bei seiner Eröffnung groß und zählte zu den schönsten und modernsten in ganz Hessen. Dabei gab es kein dichtes Becken, das Wasser ist permanent versickert und musste immer wieder aufgefüllt werden, so der Bürgermeister in seinem Rückblick. 
Ohne eine richtige Reinigung hatte das Wasser eine leichte Färbung, kam mit Algen und Fischen daher. Es war eben „original Bachwasser“, meinte Becker. Unter der Bevölkerung kam das Bad nichtsdestotrotz gut an, konnten doch die wenigsten Gemeinden mit solch einer Freizeiteinrichtung aufwarten.
Bei den Freien Turnern gründete sich eine Wassersportabteilung, viele Menschen lernten jetzt schwimmen, und der Leiter der Orchestervereinigung, Adam Schwappacher, komponierte zur Eröffnung ein Stück. Der Urgroßvater des heutigen Leiters des Sport- und Kulturamts Ralf Baitinger textete damals: „Rosalinde, ach wie bist du wunderschön, könnte ich doch nur einmal mit dir baden gehen.“
Heute erinnert kaum noch etwas an die Anfangsjahre, ist das Bad doch in mehreren Schritten umgebaut, erweitert und modernisiert worden. Zu Beginn waren die Umkleiden in zwei Holzgebäuden untergebracht, und zum Schwimmbad gehörten ein hölzerner Sprungturm und ein Planschbecken. 1933 kam eine erste Spielwiese hinzu. 
Ein Pumpwerk wurde schließlich 1953 errichtet, womit man nicht länger auf das Bachwasser angewiesen war. Zehn Jahre später folgte ein Umbau des Schwimmerbeckens auf Turniermaße, die Liegewiesen wurden erweitert und eine Umwälzanlage für das Beckenwasser installiert. Die Umkleiden kamen nun in ein gemauertes Gebäude mit modernen Duschen und Toiletten. Bei den Besuchern kamen die Verbesserungen gut an: 1964 wurden über 200 000 Schwimmbadgäste gezählt.
Veranschaulicht wird diese Entwicklung durch eine Fotoausstellung, die noch bis zum 31. Mai vor Ort zu sehen ist. Die Ausstellung deckt auch den letzten großen Umbau von 1987/88 ab, bei dem man den Nichtschwimmerbereich in ein Erlebnisbecken samt Riesenrutsche umwandelte. Das damalige Schwimmerbecken ließ die Stadt durch ein Edelstahlbecken ersetzen. Rund sieben Millionen Mark kosteten die aufwendigen Arbeiten.
„Heute ist das Waldschwimmbad nicht mehr wegzudenken“, betonte Heinz-Peter Becker nicht ohne Stolz. Angesichts des guten Zustands sehe man der Freizeiteinrichtung sein Alter nicht an. Die Stadt habe das Bad immer in Schuss gehalten, auch wenn die Finanzlage angespannt war, so der Bürgermeister. 
Neben ständigen Ausbesserungen und Instandsetzungen belastet auch der normale Betrieb die Stadtkasse mit einem großen Posten. Rund 850 000 Euro legt Mörfelden-Walldorf jedes Jahr für seinen Bäderbetrieb drauf, wovon etwa zwei Drittel auf das Schwimmbad und der Rest auf den Badesee entfallen. Besucher sollten daher nicht über die Eintrittspreise schimpfen, sondern daran denken, dass die Stadt noch einiges drauflegen muss, sagte Becker. (seb)

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