Adam-Jourdan-Platz am Rathaus

Verdienste des früheren Bürgermeisters werden gewürdigt – Debatte im Parlament

DER GUTENBERGPLATZ wird umbenannt und trägt künftig den Namen des sozialdemokratischen Bürgermeisters Adam Jourdan. (Foto: Schwappacher)

Mörfelden-Walldorf (seb). Der Walldorfer Rathausplatz wird nach dem einstigen Bürgermeister Adam Jourdan benannt. Bislang heißt er Gutenbergplatz und erinnert an den Erfinder des modernen Buchdrucks.

 

Mit der Umbenennung sollen Leben und Wirken des 1888 geboren Sozialdemokraten Adam Jourdan gewürdigt werden. Über die Würdigung herrschte im Stadtparlament fraktionsübergreifend Konsens, der an dieser Stelle allerdings auch schon aufhörte. Und so entwickelte sich eine kontroverse Diskussion zum Antrag der Koalition aus SPD, Freien Wählern und FDP.
Zu Beginn der Debatte schilderte Steffen Ueberschär (SPD) das langjährige politische Engagement von Adam Jourdan. 1919 kam dieser erstmals ins Walldorfer Parlament, lenkte während der Weltwirtschaftskrise von 1929 und in den schwierigen Nachkriegsjahren als Rathauschef die Geschicke der Gemeinde.
In einer Zeit des Mangels habe sich Adam Jourdan als guter Bürgermeister bewiesen, stellte Steffen Ueberschär heraus. Daher solle dort die Erinnerung an ihn wach gehalten werden, wo heute das Rathaus steht.
Bei der Opposition sah man dies anders. Die CDU hatte zunächst den Antrag gestellt, die Sporthalle gegenüber der Feuerwehr nach dem Kommunalpolitiker zu benennen und auf ein ähnliches Vorgehen bei der Kurt-Bachmann-Halle in Mörfelden verwiesen.
Schließlich wurde der Antrag aber zurückgezogen, und die Union unterstützte eine Vorlage der Fraktion DKP/Linke Liste. Demnach hätten der Platz in der Langstraße gegenüber dem Hotel „Zum Löwen“, sowie das angrenzende Gelände der Waldenser-Schule den Namen von Adam Jourdan tragen sollen.
Hier stand früher das Walldorfer Rathaus, hier sollte an den einstigen Bürgermeister erinnert werden, meinte der DKP/LL-Fraktionsvorsitzende Gerd Schulmeyer. Das Areal liege mitten im historischen Ortskern von Walldorf und an der Wirkungsstätte von Adam Jourdan.
Außerdem spreche für die Langstraße, dass auf dem Platz Gedenktafeln für politisch Verfolgte des Naziregimes stehen, so Schulmeyer. Bürgermeister Jourdan wurde 1933 von den Nazis aus dem Amt gejagt, kurz zuvor war er mit rund 75 Prozent der Stimmen wiedergewählt worden.
DKP/LL und CDU taten sich schwer, einen bestehenden Platznamen zu ersetzen. So sagte Unions-Fraktionsvorsitzender Karsten Groß, dass es richtig sei, am Rathaus an Gutenberg zu erinnern. Als Erfinders des Buchdrucks habe der einen wichtigen Beitrag zur Presse- und Meinungsfreiheit geleistet.
„Denkmäler stellt man dahin, wo man sie auch sieht“, betonte SPD-Fraktionsvorsitzender Alexander Best. Daher komme einzig der Platz am Rathaus infrage. Wenn hier der Name Gutenberg nicht verschwinden solle, könne man den Parkplatz auf der anderen Rathausseite nach ihm benennen.
Zuvor war aus den Reihen der SPD deutlicher Unmut darüber zu hören gewesen, dass das von DKP/LL und CDU vorgeschlagene Areal zu einem großen Teil aus einem Parkplatz besteht.
Am Ende der Debatte stimmten neben der Koalition auch drei Mitglieder der Grünen für den Adam-Jourdan-Platz am Rathaus. CDU und DKP/LL enthielten sich. 
Adam Jourdan wurde 1888 geboren und absolvierte eine Maurerausbildung. Nach dem Ersten Weltkrieg schloss er sich der SPD-Fraktion im Walldorfer Gemeindeparlament an. Mit Unterstützung von SPD, KPD und Gewerkschaften wurde er 1927 erstmals zum Bürgermeister gewählt. Nach der Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler fand in Walldorf erneut eine Bürgermeisterwahl statt, bei der Jourdan mit rund 75 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt wurde. Neben der SPD unterstützten ihn die bürgerlichen Parteien.
Nachdem die NSDAP mit 36 Prozent stärkste Fraktion im Gemeindeparlament wurde, setzte das Kreisamt Adam Jourdan ab, und die NSDAP bestimmte einen neuen Verwaltungschef. 
Nach dem Krieg sahen die US-Streitkräfte Adam Jourdan als vertrauenswürdige Person an und setzten ihn wieder als Bürgermeister ein. Bei den Kommunalwahlen 1947 bestätigten ihn die Bürger im Amt, er blieb bis 1953 Bürgermeister von Walldorf.
Ab 1949 war Jourdan Präses der Deutschen Waldenservereinigung, 1962 ernannte man ihn zum Ehrenpräsidenten. Außerdem war er Mitglied der Dekanatssynode und arbeitete im Walldorfer Kirchenvorstand mit. 1967 verstarb Adam Jourdan im Alter von 79 Jahren.

 

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