Adam Jourdan: Ehre für einen stillen Helden

Neuer Name für den Platz am Walldorfer Rathaus

DER GUTENBERGPLATZ am Walldorfer Rathaus heißt nun Adam-Jourdan-Platz. Bürgermeister Heinz-Peter Becker und Stadtverordnetenvorsteher Werner Schmidt bei der feierlichen Enthüllung des Namensschildes. (Foto: Sonnabend)

Mörfelden-Walldorf (ine). Der bisherige Gutenbergplatz am Walldorfer Rathaus heißt nun „Adam-Jourdan-Platz“. Damit wird an den ehemaligen Walldorfer Bürgermeister Adam Jourdan erinnert. Der Sozialdemokrat und „Walldorfer Bub“ war von 1927 bis 1933 und von 1945 bis 1953 Rathauschef, erklärte Bürgermeister Heinz-Peter Becker in seiner Ansprache vergangenen Freitag während der offiziellen Feier zur Enthüllung des Namensschildes. 
 

 

Jourdan sorgte für ortseigene Wasserversorgung

In Mörfelden werde an die ehemaligen Bürgermeister Peter Klinger und Kurt Bachmann erinnert, weshalb also nicht auch an Adam Jourdan, der viel für die Stadt erreicht habe. Bevor die Stadtverordnetenversammlung im Oktober vergangenen Jahres mit großer Zustimmung den Beschluss fasste, wurde teilweise hitzig darüber diskutiert, erinnerte sich Becker.
Adam Jourdan brachte wichtige Infrastrukturmaßnahmen auf den Weg. Unter anderem eine ortseigene Wasserversorgung. Der mittlerweile abgerissene Wasserturm am Rande der Neutra-Siedlung entstand 1927. Außerdem wurde ein Volksbad im Keller der Schule in der Waldstraße sowie der erste städtische Kindergarten in der Treburer Straße errichtet.
„Adam Jourdan war ein Mensch, über den viel geredet wurde“, sagte Stadtverordnetenvorsteher Werner Schmidt, der ebenfalls ein paar Worte an die Besucher richtete. Adam Jourdan sei ein bescheidener Mensch gewesen, der die Ehrung vielleicht gar nicht gewollt hätte. 

Nazis jagten Jourdan aus dem Amt

„Aber verdient hat er sie“, sagte Schmidt. Gemäß einer Anekdote, die ihm eine alte Walldorferin erzählt habe, sei Adam Jourdan den Amerikanern, die kurz vor Kriegsende im März 1945 nach Walldorf kamen, mit einer weißen Fahne entgegengegangen. Er erreichte einen Waffenstillstand und verhinderte, dass es Verletzte oder gar Tote gab. „Das allein würde reichen, um ihn zu ehren“, sagte Schmidt. Jourdan war ein stiller Held, der von sich nicht viel Aufhebens machte.
Neben der Versorgung mit Lebensmitteln gab es damals auch ein Wohnungsproblem. Es war eine schwierige und konfliktreiche Zeit. Lebensmittel wurden rationiert. Um Flüchtlingen und Vertriebenen eine Unterkunft zu verschaffen, wurde eine Gemeindeverfügung erlassen, mit der freie Zimmer in Wohnungen und Häusern beschlagnahmt werden konnten, sagte Schmidt.
1933 jagten die Nazis Jourdan aus dem Amt, weil er der falschen Partei angehörte. Adam Jourdan arbeitete von da an wieder in seinem erlernten Beruf als Maurer. Die Amerikaner ernannten ihn 1945 erneut zum Bürgermeister, weil er Demokrat und Verwaltungsfachmann war. In den Ruhestand ging er 1953 und wurde Bundesvorsitzender der deutschen Waldenser, erinnerte Schmidt.

Erster Lehrling im Walldorfer Rathaus anwesend

Zu den Besuchern am vergangenen Freitag zählte unter anderem Erwin Jourdan, ein Enkel Adam Jourdans. Außerdem war auch Herbert Becker gekommen. Er war der erste Lehrling im Walldorfer Rathaus und einer der wenigen Zeitzeugen, die noch leben. „Der Adam ist noch mit dem Fahrrad gekommen“, wusste Becker. Sogar zum Landratsamt nach Groß-Gerau sei er geradelt. Erst später gab es ein Auto.
Mit seinen Eltern wohnte Becker in der Langstraße. Sie waren Nachbarn von Adam Jourdan. Seine Ausbildung begann der damals 15-Jährige am 7. April 1952. Becker lernte Jourdan als fürsorglichen Chef kennen, der Leistung erwartete, diese aber auch belohnt habe. Die Ausbildung habe ihm im Leben sehr geholfen. Im ersten Lehrjahr verdiente er 45 DM im Monat. So steht es im Ausbildungsvertrag, den er bis heute aufgehoben habe. 

Jourdan war ein überzeugter Demokrat und ein Vorbild. „Wir vergessen manchmal, was diese Leute geleistet haben“, sagte Becker, der mittlerweile in Zeppelinheim lebt und dort von 1964 bis 1972 Bürgermeister war. Als erster Stadtrat war er von 1972 bis 1978 in Neu-Isenburg tätig.

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