Stadtklima in Kelsterbach soll besser werden

Bericht bildet Grundlage für gezielte Maßnahmen

Lärmschutz versus Frischluft: Die Schallschutzwand an der Südlichen Ringstraße sorgt für Ruhe, allerdings braucht die nächtliche und kühlende Frischluft von den Feldern dadurch länger, um in das Stadtgebiet zu gelangen. Foto: Scherer

Kelsterbach (nad). Die erste Hitzewelle des Jahres hat das Rhein-Main-Gebiet in dieser Woche erfasst. „Das Wetter passt ja schon mal gut“, äußert Sebastian Kupski, Geschäftsführer des Instituts für Klima- und Energiekonzepte (INKEK), bei der Vorstellung des Berichts zum Stadtklima am Montagabend im Ausschuss für Bauen, Planen, Umweltschutz, Mobilität.

Denn Temperaturen von bis zu 36 Grad inklusive tropischer Nächte führen deutlich vor Augen, dass Handlungsbedarf besteht, wenn es um ein gutes Stadtklima geht. Gerade Städte heizen sich im Sommer auf, Abkühlung können neue Bäume, Frischluftschneisen, Fassadenbegrünung oder die Entsiegelung von Flächen schaffen. Bevor die Lenkungsgruppe „Klimainsel“ aktiv wird, hat das INKEK im vergangenen Jahr das Gebiet unter die Lupe genommen, das für das Förderprogramm „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ ausgewählt wurde. Denn: Die Stadt will bewusster bauen und begrünen, um so die Folgen des Klimawandels abzufedern. Bevor man also eine Straße begrüne, müsse man sich die mikroklimatische Situation erst mal genau anschauen, sagt Bürgermeister Manfred Ockel. 

„Die Dominosteine sind gefallen, das Klima wandelt sich“

Sebastian Kupski betont, dass das Thema aktueller denn je und auch in den hiesigen Umweltministerien angekommen sei. Auch nehme laut der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) die Stadt- und Raumplanung eine „Schlüsselrolle im Bereich der Klimaanpassung“ ein. Denn die Hitze in den Städten wirke sich negativ auf die Gesundheit aus, somit gebe es großen Handlungsbedarf. Gut für Mensch und den Artenschutz sei, wenn dann auf naturbasierte Lösungen gesetzt werde, wie etwa Baumpflanzungen, Dach- oder Fassadenbegrünung oder auch die Renaturierung von Feuchtgebieten.
„Die Dominosteine sind gefallen, das Klima wandelt sich“, so Kupski. Nun gelte es, die beiden Bereiche Klimaschutz und Klimaanpassung sinnvoll zu kombinieren. Bei Ersterem steht der Schutz des Weltklimas im Fokus, etwa durch die Reduzierung der Treibhausgasemission – Stichwort erneuerbare Energien. Bei der Klimaanpassung geht es darum, die regionalen Auswirkungen des Klimawandels – etwa die Zunahme von Hitzewellen – für Mensch und Natur abzufedern. Das vom INKEK untersuchte Gebiet wurde einem Schachbrettmuster gleich aufgeteilt. Zellengröße: zweieinhalb mal zweieinhalb Meter. „Das ist sehr feinräumig“, betont Kupski mit Blick auf die 288 000 Zellen. Alle Straßen, Gebäude samt Höhe sowie die Vegetation wurden einbezogen und das Quartier am Computer als 3D-Modell nachgestellt. Berechnet werde alles: die Sonneneinstrahlung, versiegelte Flächen, sogar der Schattenwurf. Man gehe sogar bis in den Boden, sagte Kupski.
Wichtig für ein angenehmes Stadtklima sind auch die Windverhältnisse, denn eine gut belüftete Stadt hat bessere Chancen, abzukühlen. Die Windgeschwindigkeiten seien eher gering, der Austausch jedoch gut. Neben dem Main sind auch die Felder und Streuobstwiesen im südlichen Bereich ein Garant für frische Luft.

Der Mensch soll sich nachts erholen

Dies sei vor allem nachts wichtig, da der Mensch sich dann erholen soll – was vor allem in den sogenannten tropischen Nächten zunehmend schwierig wird, wenn die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt. Als Hindernis erweist sich gerade im südlichen Bereich die Lärmschutzwand. Da sich Kaltluft in Bodennähe befindet, dauere es deutlich länger, bis diese Frischluft das Stadtgebiet erreiche, sagt Kupski. Als repräsentativen Tag für die Untersuchung der Temperaturentwicklung in der Stadt haben die INKEK-Mitarbeiter den 22. Juni festgemacht, einen Tag, der potenziell in Sachen Sonnenstunden und Hitze die höchste Belastung mit sich bringe.
Wie sich die Stadt dann vor allem an Gebäuden und auf versiegelten Flächen über den Tag von 10 bis 18 Uhr aufheizt, zeigt das Modell. Als Gradmesser dient die gefühlte Temperatur, die sich vor allem in der Nähe von Gebäuden und auf den Straßen gegen 16 Uhr – der Zeit, in der Flächen und die Luft am stärksten aufgeheizt sind – zwischen 44 und 46 Grad einpendelt.
Die Studie bildet die Grundlage für Handlungsempfehlungen, mit der sich die Lenkungsgruppe Klimainsel befassen wird. Statt planlos Bäume zu pflanzen, müsse geschaut werden, wo Begrünung oder Entsiegelung den besten Effekt habe. Dort, wo keine Bäume gesetzt werden könnten, könne man sich etwa mit Fassadenbegrünung aushelfen, sagt Sebastian Kupski. Ziel sei ein vielfältiges Stadtklima, das vor allem die sogenannten vulnerablen Gruppen schützt, die sich weniger gut an starke Hitze anpassen können: ältere Menschen und Kleinkinder. 

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