Stadt- und Schulbibliothek: Mit Paten zu mehr Lesekompetenz

Zwölf Ehrenamtliche führen Kitakinder mit Bilderbüchern in die Welt der Literatur ein

Werben für das Lesen: Ramona Wiechmann, Meike Betzold, Edelgard Göbel und Monika Beck (von links). (Foto: Koslowski)

Kelsterbach (rko). „Lesen ist eine Frauendomäne“, findet die Leiterin der Stadt- und Schulbibliothek, Meike Betzold. Zumindest trifft diese Feststellung auf die Lesepaten der Bücherei zu. Derzeit besuchen zehn bis zwölf Frauen die Kindertagesstätten Kelsterbachs, um die Kleinen in die Welt spannender Geschichten einzuführen.

Es seien alle etwas ältere Personen, so Betzold. Immer mal wieder befinde sich auch ein Mann unter den Paten. Mehr als zwei Männer seien in dem Kreis indessen noch nicht gewesen. Dabei gibt es die Lesepaten immerhin seit 2004. Jede Kita sollte zwei Lesepaten haben, um die Kontinuität aufrechtzuerhalten. Einmal wöchentlich besucht ein Lesepate eine Kita. „Das Vorlesen ist ganz wichtig, es ist der Schritt vor dem Lesenlernen“, sagt Betzold. Durch das Zuhören, durch das Anschauen der Bilder würden die Kinder motiviert, selbst in ein Buch zu schauen. 
Das Lesenlernen sei ein schwieriger Prozess. Radfahren und Schwimmen zu lernen, klappe im Allgemeinen gut. Beim Lesenlernen werde indessen Durchhaltevermögen verlangt. Edelgard Göbel und Monika Beck lesen seit vielen Jahren in den Kindertagesstätten vor. Die 66-jährige Beck setzte sich schon vor 14 Jahren zu den Kleinen. Die zwei Jahre jüngere Göbel nimmt bereits seit 2004 die Bücher in den Kitas in die Hand. 

 „Die Freude am Lesen kam in der Schule“

Göbel ist Patin in der Kita Sankt Martin. Sie hatte über eine Meldung in der Zeitung von den Lesepaten erfahren. Die selbstständige Heilpraktikerin fand das Projekt interessant, hatte auch immer gerne mit Kindern zu tun. Schon früher saß sie bei Geburtstagsfeiern immer in der Kinderecke, spielte mit den Kindern und las ihnen vor. Sie selbst hatte zuhause keinen großen Zugang zu Büchern, die Eltern hatten ihr eher wenig vorgelesen. „Die Freude am Lesen kam in der Schule“, sagt sie und ergänzt, dass sie ziemlich gut habe lesen können. Das Kinderbuch Heidi stand auf ihrer Liste, als Erwachsene las sie Abenteuerromane und Psychokrimis, später Fachliteratur über Medizin. Abends im Bett greift sie nicht zu Büchern. Sie nimmt sich vielmehr Zeit zum Lesen. Beck las als Mädchen die Fünf Freunde, Hanni und Nanni und „alles, was mir in die Finger kam“. Heute steckt sie ihre Nase bevorzugt in Krimis und historische Romane. Sie lese immer und überall, erzählt sie lachend. Abends kommt sie übrigens gerne mit Hörbüchern zur Ruhe. 
Sie arbeitete als Buchhändlerin und fing 1999 als Mitarbeiterin bei der Bibliothek an. Über ihre Beschäftigung schloss sie sich auch den Lesepaten an und liest in der Kita Flying Villa. Ihre Eltern hatten ihr gelegentlich vorgelesen. Sie ist selbst Mutter von zwei Kindern und las ihnen gerne vor. Inzwischen ist sie auch Oma und hat nun Freude, ihren Enkeln vorzulesen.

Mit dem Vorlesen Sprachanreize geben

Die Lesepaten wählen ihre Bücher, die sie mit in die Kita bringen, frei aus. In der Stadt- und Schulbibliothek gibt es ein separates Regal für die Lesepaten. Göbel erzählt, dass es Dauerbrenner wie das Zauberbuch gebe, die ständig vergriffen seien. Dieses Buch habe sie sich deshalb selbst gekauft. Die Texte dürften nicht zu lang sein, Bilderbücher seien oft hilfreich. Beck weist darauf hin, dass die Lesepaten das Alter der Kinder berücksichtigen müssten. 
Die Lesepaten geben den Kindern mit dem Vorlesen auch Sprachanreize. Denn viele Kinder seien der deutschen Sprache gar nicht mächtig. Beck freut sich über die Fortschritte der Kinder: „Wenn man merkt, dass sie gar nicht so viel sprechen und man dann die Fortschritte sieht ...“
Die beiden Frauen sind inzwischen schon so viele Jahre bei den Lesepaten dabei, dass sie gelegentlich beim Einkaufen von den früheren Zuhörern, die jetzt erwachsen sind, erkannt werden. Wenn sie auf dem Markt, im Laden oder im Eiscafé angesprochen werden, freut sie das.
Betzold macht auf die Bedeutung der Lesepaten aufmerksam: Um die Lesekompetenz der Grundschüler sei es nicht so gut bestellt. Laut einer bundesweiten Studie könnten 20 Prozent der Viertklässler nicht lesen. Mit dem Lockdown habe sich die Situation noch verschärft. Die Stadt- und Schulbibliothek will dem entgegenwirken. 2019 habe die Bücherei mit insgesamt 90 000 die höchste Besucherzahl notiert, sagt Mitarbeiterin Ramona Wiechmann, die selbst Lesepatin in der Kita der Friedensgemeinde ist. Am häufigsten würden Kinderbücher ausgeliehen.
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