Mehr als nur eine Gaststätte
Bahnhofskneipe und Kiosk schließen – Wirtspaar geht in den Ruhestand
FAHRKARTEN, ZEITUNGEN UND DEN MORGENKAFFEE gibt es am Kiosk bei Christa Rejzek-Rostan und Rolf Rostan, die auch mal mit Wegbeschreibungen und Fahrradflicken aushelfen. (Foto: Kriewitz)

Kelsterbach (mki). „Hier haben wir schon viel erlebt. Darum fällt es uns umso schwerer, aufzuhören“, sagen Christa Rejzek-Rostan und Rolf Rostan über ihre gemütliche Bahnhofsgaststätte. Nach 57 Jahren schließt die Schankstube bald ihren Türen, denn das Wirtspaar geht voraussichtlich Ende August in den wohlverdienten Ruhestand. Was dann aus der Gaststätte samt Kiosk wird, ist noch ungewiss. Ein neuer Pächter habe sich nicht gefunden, so die Wirtsleute.

Über die Jahre wurden Bahnhofsgaststätte und Kiosk zur Anlaufstelle für viele Menschen: Hier kauften sie ihren morgendlichen Kaffee und die Tageszeitung, auch kamen viele abends nach der Arbeit vorbei, um etwas zu trinken. Bei Pendlern ist der Kiosk gefragt, weil hier trotz Automaten nach wie vor Fahrkarten für die Bahn verkauft werden. „Das wird für viele Leute eine Umstellung – einige kommen mit den Automaten nicht zurecht“, weiß Christa Rejzek-Rostan. 
Das Aussehen der Gaststätte hat sich über die Jahre immer wieder verändert, auch wurde hin und wieder umgebaut. Aktuell prägen dunkle Holzmöbel, ein großer Tresen sowie Wanddekorationen, darunter Bilder, Instrumente und alte Blechschilder, das Bild der Kneipe. „Vieles haben uns die Gäste mitgebracht“, berichtet die Wirtin und zählte neben Urlaubssouvenirs auch das Gemälde eines Künstlers auf. 
Christa Rejzek-Rostans Eltern betrieben früher die Bahnhofsgaststätte „Zum Sportfeld“ an der heutigen S-Bahnhaltestelle Frankfurt-Stadion. 1961 übernahmen sie schließlich die Bahnhofsgaststätte in Kelsterbach. „Damals war ich 18 Jahre alt und hatte eigentlich keine Lust auf die Kneipe“, so die Wirtin, die eine kaufmännische Ausbildung absolviert hatte. Es habe sich aber schließlich so ergeben, dass sie im Geschäft der Eltern mitarbeitete und die Gaststätte 1971 von ihnen übernahm.
Die war immer mehr als nur eine einfache Kneipe: Die Rostans waren stets Ansprechpartner für ihre Gäste, gaben Auskunft über die besten Verkehrsverbindungen, halfen bei Wegbeschreibungen und hatten sogar bei platten Fahrradreifen Flicken parat.
Leider mussten sie, als es noch keine Handys gab, bei Unfällen rund um den Bahnhof auch mehrmals die Polizei oder einen Krankenwagen verständigen oder waren als Ersthelfer zur Stelle. Auch der Zwischenfall im Februar, als sich rund 200 Hooligans vor dem Bundesligaspiel Frankfurt gegen Köln am Kelsterbacher Bahnhof prügelten, beschäftigt das Wirtspaar noch immer. 
Zu ihren Stammgästen haben die Wirte ein lockeres, fast familiäres Verhältnis. Viele Gäste seien gleichzeitig auch gute Freunde, deren Gläser immer rasch nachgefüllt werden. Eine Aufmerksamkeit, die gerne mit Trinkgeld belohnt wird. Hierbei ist es zur Tradition geworden, dass alle Trinkgelder für die Kinderkrebshilfe gespendet werden.
Angefangen habe man damit vor über 25 Jahren, als die Tochter eines Gastes an Leukämie erkrankte. Heute wird im „Sammelfußball“, einer Spardose in Fußballform, das Trinkgeld gespart. Zudem veranstalteten die Rostans jährlich ein Heringsessen, dessen Erlös ebenfalls für den guten Zweck bestimmt war. Mittlerweile konnten durch Trinkgelder und Aktionen über 62 000 Euro gespendet werden.
Durch die Arbeit in der Gaststätte sei nie viel Zeit für Hobbys geblieben, berichten die Wirtsleute. Von Montag bis Freitag heißt es für die Rostans noch bis zum Ruhestand: früh aufstehen. Von 5.30 bis 13 Uhr haben Gaststätte und Kiosk geöffnet. Dann wird eine kurze Mittagspause eingelegt und die Türen wieder von 16 bis 20 Uhr geöffnet. Täglich arbeiten die beiden rund zwölf Stunden. 
Trotzdem haben sie, die mit ihrer Mitgliedschaft die Freiwillige Feuerwehr und den Freizeit-Sport-Club (FSC) unterstützen, immer ihre große Leidenschaft gepflegt: den Fußball. In den 80er Jahren war Christa Rejzek-Rostan Jugendleiterin bei der Viktoria. Noch heute werde sie ab und zu von der damaligen Jugend besucht. Ihr Mann Rolf spielte in der Viktoria-Soma – gern gesehene Gäste der Gaststätte. 
Für die neu gewonnene Zeit im Ruhestand haben beide noch keine Pläne gemacht. „Das wird sich alles noch ergeben“, so Rolf Rostan. „Im letzten Jahr hat es mit dem Urlaub nicht geklappt. Den wollen wir jetzt auf jeden Fall nachholen.“ Außerdem fahre er viel Rad und mit seiner Frau zusammen habe er auch viel im Garten und am Haus zu tun. „Wir haben so viele Baustellen – da kommt keine Langeweile auf“, meint der Wirt. 
Eigentlich sei die Schließung der Gaststätte schon für den 30. Juni geplant gewesen. „Auf die letzten Tage wollen wir uns nicht hetzen lassen“, betont Rostan, der ab jetzt Kisten packt. „In über 50 Jahren hat sich viel angesammelt.“ Vieles wollten sie behalten, einiges werde verschenkt. Auch die Gäste hätten schon nach einigen Erinnerungsstücken gefragt. Was Christa Rejzek-Rostan am meisten fehlen wird: „Die Neuigkeiten – die haben wir hier immer als Erste erfahren.“

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