Mediation – und das Leben danach

Lärmgeplagte Flughafenanrainer sind mit den lauten Ausbaufolgen konfrontiert

DIE MEDIATION war keine Mediation, da nie ergebnisoffen, ist nicht erst Erkenntnis einer Diskussionsrunde im Umwelthaus auf dem Enkagelände. Das vorgegebene Ergebnis, der Flughafenausbau, stand nicht wirklich zur Debatte und wäre so oder so verwirklicht worden, anfliegende Flugzeuge bei Kelsterbach zeigen die Realität fernab jeglicher Mediation. (Foto: Postl)

Rhein-Main. Sie sollte nur die Umsetzung der Ausbauplanung des Flughafens begleiten, die umstrittene Mediation. Daher war das, was von 1998 bis zum Jahr 2000 stattfand, eigentlich auch keine Mediation, war jetzt bei einer Diskussion der Sommerakademie im Umwelt- und Nachbarschaftshaus in Kelsterbach zu hören. Denn die sogenannte Frankfurter Mediation war nie ergebnisoffen, bemängelte Nick Timm, grüner Stadtverordneter aus Neu Isenburg, sie war „immer zielorientiert“. Damals habe es geheißen, „...können über alles diskutieren, aber den Ausbau dürfen sie nicht in Frage stellen.“

Auch Ingrid Wagner, BI Offenbach, die als Pädagogin beruflich stark mit dem Thema Mediation befasst ist, sagte es klar und deutlich, die „Frankfurter Mediation“ ( zum Ausbau des Flughafens) könne nicht als Mediationsverfahren gelten. Zumal sich damals zwei von drei Mediatoren, Frank Niethammer und Klaus Hentsch, öffentlich für den Ausbau ausgesprochen hätten.
Das Ergebnis der Diskussionsrunde im Umwelthaus ähnelte dem der sogenannten Frankfurter Mediation. Denn die Ausbaugegner stehen auch heute noch für ein anderes Ergebnis als das, was die Befürworter erreicht haben, den Bau der Landebahn Nordwest, sie stehen gegen den weiteren Ausbau des Flughafens und viele auch für den Rückbau der Landebahn, so immer wieder in Gesprächen zu hören. In der Diskussionsrunde erklärte Manfred Hörner, Kelsterbach, die Mediation habe nicht zur Akzeptanz der Landebahn beigetragen, und verwies auf die seit langer Zeit sehr gut besuchten Montagsdemonstrationen im Flughafenterminal.
Der Vorsitzende des Regionalen Dialog Forums (RDF), Johann-Dietrich Wörner, ehemals Mitglied der Mediationsrunde, sieht zumindest das Nachtflugverbot als ein begrüßenswertes Ergebnis, das es ohne Mediation nicht gegeben hätte. So auch Klaus-Peter Güttler, früher als Staatssekretär im Wirtschaftsministerium in der Mediationsrunde vertreten. Er beschrieb die kleinen Erfolge der Mediation, er, der die Ausbauplanung mit durchsetzte, bemängelt aber heute die falschen Szenarien, die Drohkulisse, die die Luftverkehrswirtschaft damals aufbaute.
Wörner und Güttler schlugen vor, Erkenntnisse und Missstände, die auch in der Runde vorgebracht wurden, diplomatisch über Politiker und Institutionen vorzutragen und darüber auch eine Umsetzung zu erreichen, was bei den von Lärm, Gestank und Dreck betroffenen anwesenden Anrainern des Flughafens weder auf Wohlwollen noch auf Verständnis stieß.
Damals, so Wörner, in der Mediation, hätten die Befürworter für den Ausbau und gegen ein Nachtflugverbot gestanden, die Gegner gegen den Ausbau und für das Nachtflugverbot; da stehen sie auch noch heute, war den Rufen der Teilnehmer zu entnehmen. Die Haltung der Ausbaugegner, der Betroffenen, wird auch durch ihre bei der Diskussion vorgebrachten Tatbestände verständlich, wie dem aktuellen Landen mit Umkehrschub auf der Nordwestbahn, der die Triebwerke so laut wie beim Start aufheulen lässt (Manfred Hörner, betroffener Kelsterbacher). Oder den Frühlärm von Flugzeugen, die nicht vor 5 Uhr morgens landen dürfen und daher ab halb fünf Uhr morgens über Offenbach ihre Kreise ziehen (Ingrid Wagner), Lärm, der das Nachtflugverbot ins Gegenteil verkehrt.
Einer der Vorwürfe von Nick Timm an die damaligen Mediatoren, „Sie haben die Menschen nicht mitgenommen, Sie haben sie stehen gelassen“, richtet sich auch gegen die Politik, die zugelassen habe, dass durch die wirtschaftlichen Engpässe zweier Großkonzerne eine ganze Region in den Würgegriff genommen wurde.
Was eine Mediation zu leisten habe, erklärte Roland Schüler vom Bundesverband Mediation. So solle eine Mediation von allen daran beteiligten Gruppen einberufen werden. 1997/98 war das jedoch nicht der Fall.
In Frankfurt seien zudem nach Abschluss der Mediation gemeinsam erzielte Ergebnisse in Frage gestellt worden, so habe das beschlossene Nachtflugverbot vor Gericht erstritten werden müssen. Letztendlich, so Schüler, hätte man die Mediation auch sein lassen können.
Wörners Intention zu vermitteln, als Vorsitzender des RDF steht er für den Ausbau und für so wenig Beeinträchtigung der Menschen wie möglich, darf ernst genommen werden. Er reagierte auch sofort, als er (erst jetzt) von den erneuten Rodungen durch das Land Hessen im Winterhalbjahr nahe der Nordwestbahn erfuhr, und möchte gemeinsam mit dem Geschäftsführer des Umwelthauses, Günter Lanz, dem nachgehen. (wn)

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