Kelsterbach: Kinder entwickeln mit „Minecraft“ aktiv Ideen für den neuen Südpark

Die Heimatstadt spielerisch mitgestalten

Marlene wünscht sich einen Streichelzoo, Influencer Josef Bogatzki unterstützt die Teilnehmer. Foto: Kosllwski

Kelsterbach – Minecraft gilt als eines der bekanntesten Sandbox-Computerspiele, ein Überlebensspiel, bei dem der Bauaspekt im Vordergrund steht. Dass sich die Inhalte dieses Computerspiels auch außerhalb seines eigentlichen Zwecks anwenden lassen, zeigten nunmehr Kinder bei einem gemeinsamen Workshop der Stadt Kelsterbach und des Deutschen Architekturmuseums. 

Ähnlich wie bei einem Legospiel, nur eben digital, verschoben die 22 Mädchen und Jungen an ihren Tablets mit ihren Fingern auf dem Touchscreen Bausteine, bauten Flächen, Gebäude und Zäune auf, rissen sie wieder ab und ließen sie neu an anderer Stelle entstehen. Hintergrund war die Umgestaltung des Südparks, für die die Kinder aktiv Ideen entwickeln durften und sollten. 
Eine Minecraft-Seite konnte übrigens seit 23. Juli kostenlos auf der Seite des Architekturmuseums heruntergeladen werden. Der Workshop war ein zusätzliches Angebot, bei dem der Youtube-Influencer Josef Bogatzki, TheJoCraft, die jungen Teilnehmer unterstützte. 
Bevor sich die neun- bis elfjährigen Mädchen und Jungen an die Bildschirme setzten, hatten sie zunächst einen Ausflug in den Südpark unternommen, so Flora Ciupke, Volontärin beim Deutschen Architekturmuseum. Wie ist der Status Quo vor Ort, welche städteplanerischen Aspekte müssen berücksichtigt werden, welche Größe hat das Gelände, welche Bedürfnisse aller Altersgruppen sollten berücksichtigt werden, dies waren Faktoren, die vor der praktischen Arbeit betrachtet wurden. 
Und dann gingen die Kinder ins Spiel und durften ihren individuellen Freizeitraum im Südpark gestalten. Es sollten freilich nicht nur Achterbahnen gebaut werden, berichtete Ciupke schmunzelnd. Bogatzki, der als technischer Leiter mit an Bord war, erklärte: Es sollen Wohlfühloasen entstehen, die Kinder sollen die Nachhaltigkeit berücksichtigen, die Begrünung nicht außer Acht lassen. „Es geht um die Visualisierung von Ideen“, so der Influencer. Die zwölfjährige Marlene wünschte sich einen Streichelzoo in den Südpark. Also zog sie mit dem Zeigefinger verschiedene Bausteine zu einem Zaun zusammen, setzte Kühe, Schafe, Esel, Pferde und Hasen in das Gehege. Ihre Tiere werden in dem Streichelzoo frei herumlaufen. Dem Mädchen war das Computerspiel Minecraft bereits zuvor bekannt. Sie meldete sich für den Workshop, weil ihr das Spiel großen Spaß bereitet, sie hat es sogar zuhause. Sie reizte es zudem, den Südpark mitzugestalten und ihre Ideen vorzustellen. 
Diesen Antrieb hatten die Brüder Julian und Leander ebenfalls. „Wir finden es cool, dass Kinder ihre Meinung einbringen können“, stellte Julian fest. Die beiden Jungen bauten eine ordentliche Spiellandschaft zusammen: eine Rutsche, eine Kletterwand und ein Beachvolleyballfeld waren ihre Kernpunkte. Sie dachten auch an die ganz Kleinen und die Eltern. Der ganz junge Nachwuchs soll in einem Sandkasten mit einer kleinen Rutsche spielen können und die Eltern sich in einem Café aufhalten dürfen. 
Die anderen Teilnehmer brachten auch interessante Ideen und Vorschläge auf den Bildschirm. Felix, Gabriel und Noah favorisierten ein Volleyballfeld, Elisa wünschte sich eine Sommerrodelbahn, Levi mochte eine Holzburg mit Rutsche und Hannah dachte für die älteren Menschen an ein Kneippbecken. Andere Vorschläge waren ein Fußballfeld und Ladestationen für das Smartphone. 
Für Abwechslung war ebenfalls reichlich gesorgt. Die jungen Gestalter sollten nicht sechs Stunden vor der Mattscheibe sitzen, deshalb ging es auch mal an die frische Luft, um dort bei Bewegungsspielen überschüssige Energien loszuwerden.
Das Deutsche Architekturmuseum führt das Projekt mit sieben weiteren Kommunen durch. Die Ideen der Kinder würden respektiert, versicherte Ciupke. Die Vorschläge würden an die Kommunen weitergeleitet, die dann entscheiden, welche realisierbar seien. Am 7. Oktober sollen alle beteiligten Kommunen zu einer Präsentation zusammenkommen. rko
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