Keine grauen Wände mehr

Jugendliche sprühen bunte Graffitis mit Künstler Jens Jansen

MIT EINEM MÖNCH hat sich der Graffiti-Künstler Jens Jansen an der Unterführung verewigt. (Foto: Scherer)

Kelsterbach. Ein wenig Farbe ins Stadtbild haben neun Mädchen und Jungen gebracht: Bei einem Graffiti-Workshop des Kinder- und Jugendbeirats (KJB) verschönerten sie die Fußgängerunterführung am Staudenring mit bunten Motiven. Es war der mittlerweile dritte Workshop, den das Gremium durchgeführt hat.

Angeleitet wurde der Workshop, wie die vorangegangenen auch, von dem Kelsterbacher Graffiti-Künstler und Diplom-Designer Jens Jansen. Unter seiner Regie hatte der KJB in den letzten zwei Jahren bereits die Fußgängerunterführungen am Bahnhof sowie am Südpark verschönert. Unterstützt wurde der Workshop von der Jugendförderung, die dem KJB immer mit Rat und Tat zur Seite steht. 
Da die Unterführung im Quartier Niederhölle/Auf der Mainhöhe liegt, konnte die Aktion außerdem über das Projekt „Soziale Stadt“ mitfinanziert werden, das Spraydosen sowie Atemschutz und Handschuhe zur Verfügung gestellt hatte.
Da es um die Gestaltung des Stadtviertels ging, richtete sich der Workshop diesmal nicht nur an Mitglieder des KJB. „Auch Kinder und Jugendliche aus dem Quartier konnten teilnehmen“, erklärte Streetworkerin Jaqueline Wiewior. Zwei Kinder aus dem Wohnviertel hatten das Angebot angenommen, die sieben anderen Teilnehmer waren aus dem Kinder- und Jugendbeirat. 
Knapp sechs Stunden dauerte die Aktion, die viele neugierige Blicke der vorbeikommenden Radler und Fußgänger erntete. Verziert wurden die beiden Wände mit Spielplatzmotiven, darunter ein Fußballfeld, eine Rutsche, eine Halfpipe samt Skater und ein schaukelndes Mädchen mit dem Satz „Mir reicht’s. Ich geh’ schaukeln“. Der KJB hatte sich bereits an den Planungen für einen Abenteuerspielplatz im Quartier beteiligt und ein Modell gebaut. Da habe es nahe gelegen, für die Unterführung auch Spielplatzmotive zu wählen, sagte Marcella Gröber von der Jugendförderung.
Allzu komplizierte Motive durften es aber nicht sein, da die Teilnehmer erstmals eine Spraydose in der Hand hielten. So wie Helena Weiser, die den Workshop „sehr cool und aufregend“ fand. Man kenne das ja sonst nicht. „Man braucht jedenfalls viel Ausdauer, denn nach einer Weile tut einem schon der Arm weh“, so die 13-Jährige. 
Auch Lukas Kreitz nahm zum ersten Mal an der Graffiti-Aktion teil und verzierte einen Teil der Wand mit einem Basketballfeld. „Vorher war die Unterführung ziemlich grau und dreckig“, fand der 14-Jährige. Jetzt sei sie viel bunter. Über einen weiteren Graffiti-Workshop würde er sich freuen, denn es gebe noch andere Unterführungen in der Stadt, die verschönert werden könnten. „Vielleicht im nächsten Jahr“, so das KJB-Mitglied.
Die richtige Sprühtechnik vermittelte Jens Jansen den Kindern und Jugendlichen. Der Graffiti-Künstler hatte vor dem Workshop – wie schon am Bahnhof und der Südpark-Unterführung – an die Straßenunterführung einen seiner selbst entworfenen, meditierenden Zen-Mönche gesprüht. Die zweite Wand ziert der Spruch „Wir alle zusammen“ auf Deutsch und Englisch sowie in den Sprachen der ersten Kelsterbacher Gastarbeiter: Italienisch, griechisch, türkisch und spanisch.
„Die Botschaft ist relativ einfach zu verstehen“, so Jansen. Der Mönch lade in einer immer hektischer werdenden Welt zu inneren Einkehr und Achtsamkeit ein, was jedoch – und das sei der Kern der mehrsprachigen Botschaft – nicht als egoistische Handlung verstanden und praktiziert werden solle. (nad)

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