Kaffee, Zeitung und Flickzeug

Kiosk und Bahnhofskneipe schließen endgültig – Wirtspaar geht in den Ruhestand

SAGEN TSCHÜSS: Besitzer Rolf Rostan, hier mit Enkel Alexander und Tochter Andrea, sowie Christa Rejzek-Rostan (von links) schließen nun endgültig die Pforten des Bahnhofskiosks. (Foto: Postl)

Kelsterbach (pos). Noch ein letztes Mal wurden am Samstagmorgen die Rollläden von Kiosk und Bahnhofskneipe hochgezogen und am Nachmittag wieder heruntergelassen. Dann war endgültig Feierabend für Christa Rejzek-Rostan und ihren Mann Rolf Rostan.

„Wir machen die nicht mehr auf, damit haben wir jetzt endgültig abgeschlossen. Aber es wurde ja auch Zeit“, sagen die Wirtsleute. Nach 58 Jahren schließt nicht nur eine Einkaufsmöglichkeit für Zeitschriften, S-Bahn-Tickets und vieles mehr, sondern mit der kleinen Gaststätte ein geselliger Treffpunkt. „Hier haben wir wirklich viel erlebt, deshalb ist es für uns umso schwerer, jetzt endgültig aufzuhören“, meinen Christa Rejzek-Rostan und Rolf Rostan. Eigentlich war die Schließung schon für letztes Jahr geplant (wir berichteten), doch wegen familiärer Umstände wurde dieses Vorhaben noch einmal verschoben. Doch jetzt machen „die Rostans“, wie sie in Kelsterbach genannt werden, endgültig Feierabend. „Mit 76 Jahren darf man sich ja wohl mal den Ruhestand gönnen“, gewinnt Christa Rejzek-Rostan der Sache etwas Positives ab. Über die Jahre hinweg wurden Kiosk und Gaststätte am Bahnhof für viele zur Anlaufstelle – aus unterschiedlichsten Gründen.

Mehr als nur eine einfache Kneipe

Die einen gönnten sich hier morgens einen Kaffee, andere holten sich die Tageszeitung und kamen nach der Arbeit zurück, um den Tag mit Freunden ausklingen zu lassen. Bis vor Kurzem war der Kiosk auch bei Pendlern gefragt, da noch Fahrkarten verkauft wurden.
Christa Rejzek-Rostans Eltern, die früher die Gaststätte „Zum Sportfeld“ an der S-Bahnhaltestelle Frankfurt-Stadion betrieben hatten, übernahmen 1961 die Bahnhofsgaststätte in Kelsterbach. „Ich war damals 18 Jahre alt und hatte eine kaufmännische Ausbildung bei Neckermann gemacht – und überhaupt keine Lust auf die Kneipe“, erinnert sich die Wirtin. Ungeliebte Arbeiten waren das Ausleeren der Aschenbecher oder die Zwischenräume der Stühle zu reinigen. Schließlich übernahm sie 1971 doch die Gasstätte von ihren Eltern. 1984 wurde diese noch einmal umgebaut, dann blieb alles so – bis heute. 
Die Bahnhofsgaststätte war stets mehr als nur eine einfache Kneipe. „Die Leute kamen mit allen möglichen Fragen und Anliegen zu uns“, verweist die Wirtin auf Auskünfte über entsprechende Verbindungen mit Bus und Bahn. Die Rostans zeigten immer den richtigen Weg und halfen sogar bei platten Fahrradreifen mit Flickzeug aus. Zu Zeiten ohne Handys riefen sie bei Verkehrsunfällen die Polizei oder waren gar als Ersthelfer im Einsatz. Unvergessen der Zwischenfall im Februar 2018, als sich über 200 Hooligans vor dem Bundesligaspiel Frankfurt gegen Köln am Kelsterbacher Bahnhof prügelten.

Jetzt erst mal ins Zillertal

Die Hilfsbereitschaft der Rostans zahlte sich oft in Trinkgeld aus, das in eine Spendendose auf dem Tresen wanderte, in die auch viele Gäste etwas einwarfen. Diese Trinkgelder wurden alle an die Kinderkrebshilfe Frankfurt gespendet. Rund 70 000 Euro kamen so zusammen. Zudem veranstalteten die Rostans über viele Jahre ein Heringsessen, der Erlös wurde ebenfalls gespendet. So gingen weitere Spenden an die Stiftung Bärenherz, an die Aktion „Ärzte ohne Grenzen“, aber auch an den hiesigen Verein Kleeblatt. „Wir hatten damals mit dem Spendensammeln angefangen, als das Kind eines Gastes an Leukämie erkrankt ist“, berichtet Christa Rejzek-Rostan. All die Jahre hieß es für die Rostans, von Montag bis Freitag früh aufstehen. Von 5.30 bis 13 Uhr waren Gaststätte und Kiosk geöffnet. Dann gab es eine kurze Mittagspause, bis es wieder von 16 bis 20 Uhr weiterging. Täglich arbeiteten beide mehr als zwölf Stunden.
Das sozial engagierte Wirtspaar ist zudem Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Kelsterbach und beim Freizeit-Sport-Club (FSC). Ihre große Leidenschaft war und ist immer noch der Fußball. In den 80er Jahren war Christa Rejzek-Rostan Jugendleiterin bei der Viktoria Kelsterbach. Und auch heute noch kommen die groß gewordenen Jungs vorbei. Rolf Rostan spielte in der Viktoria-Soma, auch die war ein gern gesehener Gast. 
Was die beiden nun mit ihrer verdienten Freizeit machen, wissen sie noch nicht. „Wir fahren jetzt erst einmal in unsere zweite Heimat ins Zillertal. Dann sehen wir weiter“, meint Christa Rejzek-Rostan und lässt zum letzten Mal den Rollladen herunter.

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