Mit Gänsekiel und Mönchskutte

„Museum im Koffer“ lud zur mittelalterlichen Schreibwerkstatt in die Bibliothek

KONZENTRIERT versuchten Lisa (links) und Linna, einen Vers mit einem Gänsekiel abzuschreiben. Die beiden Mädchen nahmen an der mittelalterlichen Schreibwerkstatt teil, zu der die Stadt- und Schulbibliothek eingeladen hatte.(Foto: Sonnabend)

Kelsterbach. Lesen und schreiben konnten im Mittelalter meist nur Mönche und Nonnen. Das bekannteste und gleichzeitig wertvollste Buch dieser Zeit war die Bibel. Weil sie etwa 1000 Seiten umfasste und es damals noch kein Papier gab, musste auf Pergament geschrieben werden. Dies wurde aus Tierhaut – häufig von Ziegen – angefertigt. Bücher galten im Mittelalter als Statussymbol. Reiche Herrscher, die weder lesen noch schreiben konnte, wollten mit einer Bibel vor allem angeben.

Interessiert lauschten die zwölf Kinder den Ausführungen von Lisa Weichselbaum und Jürgen Rybka. Die beiden Sozialpädagogen vom mobilen „Museum im Koffer“ waren im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Wieso? Weshalb? Ach so!“ mit einer mittelalterlichen Schreibwerkstatt zu Gast in der Stadt- und Schulbibliothek.
Mit viel Liebe zum Detail wurde der Arbeitsraum in ein Scriptorium mit Malstube verwandelt. Sogar eine Mönchskutte hatten Rybka und Weichselbaum mitgebracht. Im Hintergrund erklangen gregorianische Gesänge, so wie sie in den Klöstern in der damaligen Zeit zu hören waren.
Wie vor über 1000 Jahren die Mönche saßen die Mädchen und Jungen an Schreibpulten aus Holz mit Tintenhörnern. Nun galt es, Gedichte und Verse mit einem Gänsekiel möglichst schön abzuschreiben. Das karolingische Minuskel, einem von Karl dem Großen eingeführten Schrifttyp, diente dabei als Vorlage.
In der „Malstube“ machten sich die Kinder daran, als Buchmaler die Initialen – also den schmückenden Anfangsbuchstabe einer Seite – mit bunten Farben zu gestalten.
In kleinen Muscheln rührten die Kinder die Farben selbst an und erfuhren, wie man Tinte aus Ruß und Gummiwasser (Gummi arabicum) herstellt. Wie die Pädagogen erklärten, seien Pigmentfarben damals sehr teuer gewesen. Hergestellt wurden sie aus Mineralien und Tieren, eigens dafür wurden Kermesläuse gezüchtet. Aus Purpurschnecken stellte man purpurrot her, eine der wertvollen Farben, die den Burgherren und Königen vorbehalten war. Aus Lapislazuli, einem Edelstein, fertigte man die ebenfalls kostbare blaue Farbe an. Für das gemeine Fußvolk blieb schwarz, das aus Erden und Pflanzen hergestellt wurde.
Das Schreiben mit den Gänsekielen war jedoch schwieriger als angenommen. Schnell landeten Tintenkleckse auf dem Papier, wenn man zu viel Tinte auf den Kiel genommen hatte, oder die Schrift wurde zu dick. Laut Lisa Weichselbaum schrieben die Mönche und Nonnen im Mittelalter sehr langsam und sorgfältig und schafften pro Tag meist nur eine Seite.
Woher der Begriff „das Buch aufschlagen“ kam, verdeutlichte Weichselbaum an einem historisch nachempfundenen dicken Wälzer im Taschenbuchformat. Schlug man auf das Buch, sprangen seitlich die beiden Klammern auf, die es zusammenhielten.
Eine große Pergamentschere, ein überdimensionaler Zirkel und eine Wachstafel mit Griffel für Notizen gehörten ebenso wie ein spezieller Schaber zur damaligen Ausstattung. Hatte nämlich ein Schreiber einen Fehler gemacht, kratzte er auf dem Pergament mit dem Schaber die Tinte vorsichtig wieder ab.
Ihre selbst angefertigten Buchseiten konnten die Kinder am Ende der Schreibwerkstatt mit nach Hause nehmen. (ine)

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