Fuchur und Basti apportieren alles

Hermann knutscht auf Kommando – 40 Stände beim Tierschutztag am Festplatz

ZIEMLICH BESTE FREUNDE: Hunde wie Hermann, der vermeintliche Kampfhund, und Menschen wie Paul, der junge Tierfreund, trafen sich beim Tierschutztag in der Mehrzweckhalle Nord und auf dem Kelsterbacher Schloßplatz. Hermann warb mit dem Verein SOKA Run dafür, nicht alle Exemplare von Kampfhundrassen über einen Kamm zu scheren.(Foto: Tancik)

Kelsterbach. Pudel, Windhunde, Golden Retriever und viele Mischlinge waren auf dem zweiten Tierschutztag unterwegs. Doch keiner unter ihnen konnte so ein schönes Kommando ausführen wie Hermann. Der große Pitbull saß auf seinem Thron und jedes Mal, wenn sich ein Gast zu ihm hinunterbeugte und „Hermann, knutsch!“ rief, schleckte er die Wangen nass.
 

Pitbull Hermann vertrat den Verein SOKA Run, der sich mit sogenannten Kampfhunden beschäftigt, und die Veranstalterin Judith Wagner, Vorsitzende vom Tierschutzverein Kelsterbach, war von der Aktion besonders begeistert. „So kann die Angst vor den sogenannten Kampfhunden überwunden werden“, freute sie sich.
Neben SOKA Run waren 40 Organisationen und Vereine am zweiten Tierschutztag beteiligt, die aus ganz Deutschland nach Kelsterbach kamen, um sich in der Mehrzweckhalle Nord und auf dem Schlossplatz der Öffentlichkeit zu präsentieren. Über den Andrang konnte Wagner nur ungläubig den Kopf schütteln. Vor zwei Jahren hatten weniger als zwanzig Teilnehmer den Weg zum ersten Tierschutztag gefunden.
Zwar wurde die erste Veranstaltung damals trotzdem zum großen Erfolg, doch es steckte auch viel Arbeit dahinter. Zu viel Arbeit für den kleinen Verein, weshalb der erste Tierschutztag eigentlich der letzte hätte werden sollen. Doch weil die Stadt Kelsterbach dieses Jahr das sechzigste Jubiläum der Verleihung der Stadtrechte feiert, wagten Wagner und ihr Team einen Neuversuch und planten den zweiten Tierschutztag gemeinsam mit dem befreundeten und in Kelsterbach ansässigen Verein Meerschweinchen in Not.
„Es war viel Arbeit für alle – zum Schluss hatten wir 200 ehrenamtliche Helfer aus allen teilnehmenden Vereinen vor Ort“, zählte Judith Wagner auf. Es gab im Vorfeld unzählige Treffen, um zu planen, welche Vereine wo ihren Stellplatz aufbauen konnten, wer Stühle und Tische brauchte, Strom und mehr. Doch für die Vereine lohnten sich der Stress und die Arbeit.
„Es ist nicht nur wichtig, sich und seine Arbeit zu präsentieren, sondern auch untereinander Kontakte zu knüpfen“, erklärte Wagner. Von dem Netzwerk, das vor zwei Jahren durch den ersten Tierschutztag zustande kam, profitiert der Kelsterbacher Verein heute. Denn bei unerwarteten Problemfällen und Notfällen ist sofort der richtige Ansprechpartner bereit – sei es bei eingefangenen Wellensittichen oder aufgefundenen Wasserschildkröten.
Damit auch die Besucher von dem Netzwerk profitieren, stellten die Tierfreunde aus Kelsterbach ein Ausstellerverzeichnis mit allen Adressen und Ansprechpartnern zusammen. „Die Heftchen können auch nach dem Tierschutztag bei uns angefragt werden“, betonte Wagner.
Alle Vereine und Organisationen wirtschafteten an dem Tag für sich selbst, boten neben Informationsmaterial auch Zubehör für das Haustier und Snacks an. Für den Grill und für Kaffee und Kuchen hingegen waren der Tierschutzverein Kelsterbach und Meerschweinchen in Not verantwortlich.
Einzige Bedingung für die teilnehmenden Vereine am Tierschutztag war es, keine lebenden Tiere auszustellen. Dies spiegelt die ursprüngliche Idee der Veranstaltung wider, sich ganz klar von Haustiermessen abzuheben. „Wir wollen bewusst keine Tiere ausstellen und sie dem Stress der Messe aussetzen“, betonte Wagner. Statt Tiere zu präsentieren und zu vermitteln, steht eher die Beratung im Mittelpunkt. Die Besucher erfuhren etwas über die artgerechte Haltung von Haustieren und konnten sich beraten lassen. Lediglich Stoffhasen präsentierten einen viel zu kleinen und einen optimalen Kaninchenkäfig. „Die Aufklärung steht im Mittelpunkt des Tierschutztages“, erklärte Wagner.
Im Gegensatz zum ersten Tierschutztag, auf dem vor allem Vereine mit gängigen Haustieren anwesend waren, öffneten die Veranstalter den Tierschutztag auch für Shopbetreiber und ungewöhnliche Tiere. Das spiegelte sich im Programm des Tages wieder.
Besonders viel Andrang gab es bei der Vorführung der Rettungshundestaffel. Die Hunde dort werden zwei bis zweieinhalb Jahre ausgebildet, um beispielsweise vermisste Personen im Wald oder verschüttete Opfer einer Gasexplosion zu finden. Die Rettungshunde lernen in ihrer Ausbildung das gezielte Bellen, wenn sie eine hilflose Person gefunden haben. Sie dürfen erst mit dem Bellen aufhören, wenn der Hundeführer an sie herantritt, was nicht immer schnell gelingt.
Mit Linedancing brachte die Country Company und mit hartem Rap die Combo HipHop4kids Stimmung in die Mehrzweckhalle, bevor es bei der Vorführung des Vereins Jagdgefährten auf dem Schlossplatz wieder spannend wurde: Die Jagdhunde Fuchur und Basti apportierten brav alles, was ihnen ihr Hundeführer hinlegte – auch Eier und Bratwürste.
Nach dem Dogdancing folgte der SOKA-Wettbewerb. Eine Jury, bestehend aus Besuchern des Tierschutztages, bewertete besondere Kampfhunde. Moderiert wurde die Vorführung von Claudia Ludwig, der ehemaligen Moderatorin von „Tiere suchen ein Zuhause“. Dabei waren unter anderem ein blinder Bullterrier, der trotz seiner Behinderung begeistert die Hundesportart Agility durchläuft, oder eine 13-jährige Hündin, die als Rettungshund arbeitet. (nta)

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