Bürgermeisterwahl in Kelsterbach: Kandidaten im Livestream-Talk

Einigkeit und klare Fronten zwischen den Bewerbern

Nach negativem Corona-Test ging es los: Dirk Beutel (Redaktionsleiter des Freitags-Anzeiger, von links), die Bürgermeisterkandidaten für Kelsterbach, Frank Wiegand (CDU), Amtsinhaber Manfred Ockel (SPD) und Christian Hufgard (WIK) , sowie Redakteurin Nadine Scherer diskutierten im Fritz-Treutel-Haus und per Livestream über städtische Themen für die Wahl am 14. März. Idriz Koustar (Freie Wähler) hatte kurzfristig abgesagt. (Foto: Haas)

Kelsterbach (ohl). Die Bürger der Stadt Kelsterbach werden am 14. März nicht nur zur Kommunalwahl-Urne gebeten, sondern sie bestimmen auch ihren neuen Bürgermeister. Amtsinhaber Manfred Ockel (SPD) und seine Herausforderer Christian Hufgard (Wählerinitiative Kelsterbach), Frank Wiegand (CDU) sowie Idriz Koustar (Freie Wähler) haben für diese Wahl ihren Hut in den Ring geworfen.

Vor allem, um noch unentschlossenen Wählern eine Entscheidungshilfe zu geben, hatte der Freitags-Anzeiger am vergangenen Freitag eine Livestream-Diskussionsrunde im Bürgersaal des Fritz-Treutel-Hauses organisiert, die über die Videoplattform YouTube übertragen wurde. Das neue Format fand Corona-bedingt ohne Publikum statt. Dennoch wurden die Kandidaten auch mit Fragen der Bürger konfrontiert. Während der Sendung lief ein Livechat, in dem die Zuschauer ihre Beiträge an die Lokalpolitiker einreichen konnten. Zudem sammelte die Redaktion bereits vor der Veranstaltung viele Fragen der Leser. Damit der Talk zwar mit Trennscheiben und Abstand, aber zumindest ohne Maske stattfinden konnte, hatten alle Beteiligten des Abends vorher einen Corona-Schnelltest gemacht. Tobias Erdmann, Pflegedienstleister bei „Mein Pflegedienst Kelsterbach“, bescheinigte allen ein negatives Testergebnis. 

90 Sekunden Zeit für jede Frage

Seine Teilnahme an der Diskussion abgesagt hatte Idriz Koustar, Kandidat der Freien Wähler. Er hatte wenige Stunden zuvor mitgeteilt, dass er kurzfristig beruflich an einer Betriebssitzung außerhalb Hessens teilnehmen müsse. Die drei verbliebenen Lokalpolitiker, die gekommen waren, wurden während der fast zweistündigen Liveübertragung von Redaktionsleiter Dirk Beutel und Redakteurin Nadine Scherer flankiert und zu wichtigen Themen der aktuellen Stadtpolitik befragt. Für jede Frage hatten die Protagonisten 90 Sekunden Zeit.
Eine davon behandelte den angespannten Wohnungsmarkt. Hier zeigte sich bereits deutlich, dass vor allem Amtsinhaber Ockel und Herausforderer Hufgard in einigen Bereichen diametrale Sichtweisen auf die politischen Herausforderungen haben. Hufgard mahnte, sozialer Wohnungsbau müsse dringend stärker gefördert werden. Ockel entgegnete fast schon empört: „Wir haben hier fast 2000 Wohnungen mit einem Mietspiegel zwischen 5,30 Euro und 6,50 Euro – das ist unerreicht in der Region!“

Klare Fronten Zwischen Ockel und Hufgard

Auch als es um die neue Stadtmitte ging, zeichneten sich zwischen Ockel und Hufgard klare Fronten ab. Während der Amtsinhaber die Maßnahme auch mit Blick auf die erworbenen Fördergelder verteidigte, entgegnete der Kandidat der Wählerinitiative aufgebracht: „Ich bin entsetzt, dass hier von zwei verkrüppelten Bäumen gesprochen wurde, die auf dem Sandhügelplatz standen. Wer die Bäume kannte, der weiß, dass es schöne alte Bäume waren, die hätten gerettet werden können. Der Platz ist jetzt grau und trist.“ Auch Wiegand bezeichnete die Stadtmitte zwar als Zentrum, aber nicht als schönen Aufenthaltsort für Kelsterbach. Er plädierte unter anderem dafür, dort mehr Grün anzupflanzen und Sitzbänke zu montieren: „Dann wird die Stadtmitte auch als Mitte akzeptiert“, hofft er. 
Einig waren sich die drei Kandidaten, dass gegen das höhere Müllaufkommen vorgegangen werden müsse. Während Ockel etwa auf „breitere Mülleimer für Pizzaschachteln“ und Hufgard auf „smartere Mülleimer, die Abfall verdichten“ setzen, appellierte Wiegand an die Eigenverantwortung der Bürger. „Wir brauchen einen kulturellen Wandel, denn wir haben leider eine Wegwerfgesellschaft. Wir sollten uns da ein Beispiel an Japan nehmen. Da wird der Müll mit nach Hause genommen.“
Beim Thema „Stärkung des Einzelhandels“ gab Ockel zu: „Kelsterbach wird kein Einzelhandelsparadies werden.“ Er verwies auf das Main-Taunus-Zentrum als übermächtige Konkurrenz. Hufgard sah hier die Wirtschaftsförderung in der Pflicht. Er schlug zum Beispiel vor, auf Gründer direkter zuzugehen. Als es um den Klimawandel ging, regte Wiegand vor allem kleine Maßnahmen an, wie etwa Blühstreifen am Neubaugebiet an der Lärmschutzwand. „Ich sehe schon, wie dort Kinder Schmetterlingen hinterherrennen“, so der CDU-Mann. Hufgard will indes in Sachen Klimaneutralität weitergehen und im am Flughafen gelegenen klimabelasteten Kelsterbach mindestens 72 000 Bäume anpflanzen lassen. Und Ockel verwies darauf, dass die Stadt den Bürgern Zuschüsse für Fassaden und Dachbegrünungen für naturnahe Vorgärten bereit hält. Völlig konträre Ansichten hatten Ockel und Hufgard auch in der Causa „Abschaffung des Ausländerbeirates und Einführung der Integrationskommission“. Hufgard: „Ihn abzuschaffen war das falsche Signal.“ Ockel erläuterte hingegen: „Wenn der Ausländerbeirat nicht einmal in der Lage ist, beschlussfähig zu werden, wie soll er dann konstruktiv arbeiten?“
Wer die Geschicke der Stadt lenken darf, wird sich am Sonntag, 14. März, zeigen. Kommt es zur Stichwahl, treten die beiden Politiker mit den meisten Stimmen am 28. März gegeneinander an.

Die Diskussionsrunde zum Nachschauen: http://bit.ly/Wahl21-KB

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