Betreutes Wohnen für kleine Igel

Beim Tierschutzverein überwintern verschiedene Wildtiere – Paten können helfen

VIEL ARBEIT hat Helferin Brigitte Schmidt, die sich jeden Tag um die Igel kümmert. Die stacheligen Tierchen werden gepflegt, mit viel Futter aufgepäppelt und im Frühjahr wieder ausgewildert. (Foto: Kriewitz)

Kelsterbach. „Das Schönste an der ganzen Sache ist, wenn die Tiere wieder freigelassen werden“, sagt Judith Wagner. „Ein Wildtier gehört in die Natur“, betont die Vorsitzende des Kelsterbacher Tierschutzvereins. Seit 2016 ist der Verein offiziell eine von insgesamt 28 anerkannten Wildtier-Auffangstationen in Hessen und kümmert sich um verletzte oder unterernährte Wildtiere „Eigentlich machen wir das schon über dreißig Jahre“, so Wagner. „Nur wenige kennen sich aus und es ist immer schwierig, einen Ansprechpartner zu finden.“

Derzeit verbringen zwölf Igel, sieben Krähen und eine Taube den Winter beim Tierschutzverein und werden von den ehrenamtlichen Helfern wieder aufgepäppelt, um im Frühjahr in die freie Wildbahn entlassen zu werden. Die meisten der Tiere wurden im Herbst und am Winteranfang abgegeben. 
Bei den Igeln versucht man zunächst, abgegebene oder gefundene Tiere an Mitglieder zu vermitteln, bei denen die Igel im Garten überwintern können. „Wir nennen das betreutes Wohnen“, schmunzelt Wagner. Dabei richten die Mitglieder einen trockenen Platz mit einer Kiste, Stroh und Zeitungspapier ein und stellen Futter bereit, damit die Igel draußen aber mit Unterstützung überwintern können. 
Verletzte, kranke oder stark untergewichtige Tiere dagegen werden im Vereinsheim aufgenommen. Hier kümmert sich täglich Brigitte Schmidt um die Tierchen. „Das ist viel Arbeit“, so die ehrenamtliche Helferin. So muss jeden Tag die Igelkiste komplett gereinigt werden. Dafür sind Berge an Zeitungen nötig, mit der die Behausungen dick ausgelegt werden. Die Zeitungen erhält der Verein durch Spenden. „Ohne die ginge es nicht. Wir sind darauf angewiesen“, so Schmidt. 
Auch das Futter geht mächtig ins Geld, denn Igel bekommen besonders viel Katzenfutter aufgetischt. „So ein Igel ist ganz schön teuer“, meint die Tierfreundin. „Viele, die einen Igel finden, übernehmen dann auch eine Patenschaft.“ Mit 35 bis 50 Euro wird etwa das Futter für einen Winter übernommen. Dafür erhält der Pate eine Urkunde mit Foto. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die einst halb verhungert abgegebenen Tierchen haben sich beim Tierschutzverein mittlerweile reichlich Speck angefuttert und die Form einer dicken, stachligen Kugel angenommen. 
Doch nicht immer sind die vorbeigebrachten Igel auch wirklich hilfsbedürftig. „Es kommt auf die Tageszeit, Temperatur und auf das Gewicht an“, erklärt Wagner. So sind Igel eigentlich nachtaktiv und eher selten am Tage zu sehen. Vor dem Winter sei ein Gewicht von 500 oder besser 700 Gramm optimal. Alle, die weniger auf den Rippen haben, werden es schwer haben. „Über den Winterschlaf verlieren die Igel etwa 300 Gramm. Da kann man sich ausrechnen, wie viel am Ende noch dran ist“, so Wagner.
Problematisch seien besonders die milden Winter. „Wenn es zu warm ist, schlafen die Tiere nicht richtig, finden aber draußen auch kein Futter mehr“, sagt Wagner. Mit Igeln, die im Winter wach sind und tagsüber zu sehen sind, stimme etwas nicht. Wagner rät, Igel im Winter draußen mit Katzenfutter zu unterstützen. Keinesfalls sollte man den Tieren Milchprodukte geben, da falsche Ernährung zum Tod führen könne. Wer sich unsicher sei, könnte immer den Tierschutzverein kontaktieren, der mit Rat und Tat zur Seite stehe.
Größere Wildtiere, wie Waschbären, Füchse und Greifvögel, können im Vereinsheim nicht untergebracht werden. „Die werden dann an Spezialisten und andere Einrichtungen weitergegeben, mit denen wir kooperieren“, erklärt Wagner. 
Neben Igeln werden auch einige Krähen vom Tierschutzverein betreut. Dazu gehören unter anderem Krummschnabel, Humpelbein, Huckleberry und Arthur. „Viele wurden verletzt abgegeben und konnten nicht mehr fliegen“, erzählt Petra Schickhoff, die sich täglich um die gefiederten Gäste kümmert. 
Diese werden in einer Vogelvoliere im Garten des Tierschutzhauses rundum versorgt. Dort können sie sich von ihren Strapazen erholen und werden wieder flugtüchtig gemacht. Ausgewildert werden die Tiere an einem anderen Ort, da viele wegen der guten Rundumversorgung gerne zum Tierschutzverein zurückfliegen.
Die Igel werden üblicherweise nach den Eisheiligen Ende Mai wieder ausgewildert. Erlaubt es ein milder Frühling und ein stabiler Wetterbericht, können sie manchmal sogar schon Ende April in die Freiheit entlassen werden – unter anderem in Naturschutzgebieten in der Nähe von Nassau oder bei Limburg. „Ohne uns hätten viele nicht überlebt“, ist sich Schickhoff sicher. (mki)

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