„Bembelrock“ der Schnaaken Kelsterbach

Rund 300 Gäste feiern beim Open-Air am Segelfliegerheim AC/DC-Coverband

Beinahe wie das Vorbild: Karsten Kutscher von der AC/DC-Coverband Hole Full Of Love macht den Angus Young beim Bembelrock der Schnaaken. (Foto: Koslowski)

Kelsterbach (rko). Keine Band beherrscht ihn besser als AC/DC, den rauen, dreckigen und harten Rock’n’Roll – da sind sich Fans der Gruppe einig. Als eine der besten Tribute-Bands gilt Hole Full Of Love. Ohne Umschweife legt die Band los, laut, roh und ungekünstelt. „And It’s A Rock’n’Roll Damnation“, brüllt Sänger Dario Djurinovac in das Mikrofon. Die Ärmel von den T-Shirts zum Tank Top abgeschnitten, weiße Adidas Samba und Schlaghose – willkommen zurück in den 70er Jahren. 

Hole Full Of Love widmen sich denn auch der Bon Scott-Ära von AC/DC, der von 1974 bis 1980 Frontman der australischen Kultband war. Eine Ausnahme: Songs von dem Album „Back In Black“ spielt die Tribute-Band ebenfalls, es ist unklar, ob Scott Lieder für das Album geschrieben hat. 
„Up To My Neck“ ist gleich der nächste Kracher. Djurinovac hat die Fans schon eingefangen. Headbanging, die gehörnte Hand, geschlossene Augen – der Platz am ehemaligen Segelfliegerheim tobt. Sogar ein Besucher mit einem „Unknown Pleasure“-T-Shirt der Post-Punk und später als Dark Wave geltenden Band Joy Division schüttelt heftig den Kopf. Leadgitarrist Karsten Kutscher hüpft in unnachahmlicher Angus Young-Art in Schuluniform über die Bühne. 

Ziemlich nah am Original

Rund 300 Fans sind aus dem Häuschen und rocken den Platz: „It’s A Long Way“, „Dirty Deeds“, „If You Want Blood“ – der Hardrock der 70er Jahre erwacht schmutzig zum Leben. Auch der Kultsong „Highway To Hell“ darf freilich im Repertoire nicht fehlen. Die Menge singt und tanzt begeistert mit. Hole Full Of Love zeigt eine begeisternde authentische Show. Wer die Augen schließt, vor dem steht AC/DC mit Bon Scott auf der Bühne. Sänger Djurinovac gelingt es, dessen schrille Stimme ertönen zu lassen. Nach gut zwei Stunden sind die Haare und die Klamotten der Zuhörer nass vor Schweiß. 
Manu und Bernd haben ihre AC/DC-T-Shirts angezogen, seit Ende der 70er Jahre sind sie Fans der Kultrocker, wurden mit ihrer Musik groß. „Das ist dreckiger Rock’n’Roll“, sagt Manu. „Weil sie authentisch geblieben sind“, sagt Bernd. Sie fahren auf den Stil ab. Hole Full Of Love hören sie ebenfalls bereits seit vielen Jahren. Der Sänger käme schon ziemlich nahe an das Original ran, finden sie. AC/DC selbst sahen die beiden das letzte Mal 2015 auf dem Hockenheimring. Djurinovac hat Bon Scott übrigens nie live gesehen, wie er in einem Gespräch mit dieser Zeitung erzählt. Jahrgang 1969 hätten ihm die Eltern einst den Besuch eines Konzertes in der Offenbacher Stadthalle verboten, weil er zu jung gewesen sei, sagt er schmunzelnd. Aber im Alter von 14 Jahren sah er AC/DC mit Sänger Brian Johnson, sein bestes Konzert aller Zeiten, unterstreicht der Sänger von Hole Full Of Love. Jahre später habe AC/DC viele alte Lieder der Bon-Scott-Ära nicht mehr im Programm gehabt. Da habe er sich mit Kumpel Kutscher gedacht, selbst eine Band zusammenzustellen und die beliebten Lieder zu spielen. 

Nach langer Pause das erste große Konzert

Eigentlich sollte Hole Full of Love bereits vor zwei Jahren auf der Bühne in Kelsterbach stehen. Damals zum 25-jährigen Bestehen des Kulturvereins „Die Schnaaken“, erinnert Vorsitzender Heiko Langelotz. Wegen der Corona-Pandemie musste die Geburtstagsfeier damals jedoch ausfallen. 
Mit „9Fingers“ mit Solist Thomas Rehwagen und „Dirty Connection“ heizen dem Publikum noch zwei weitere Bands – beide aus Kelsterbach – vor dem Auftritt der Coverband ein. Langelotz hatte gehofft, dass ein paar Menschen mehr zum „Bembelrock“ kommen. Über 80 Prozent der Open-Air-Besucher seien aus Kelsterbach, stellt er fest. „Sie haben gemerkt, dass mal wieder was los ist. Da müssen wir hin, haben sie wohl gedacht“, meint der Vorsitzende der Schnaaken. 
Vor zwei Jahren noch sollte das Open-Air – das unter dem Namen „Bembelrock“ in Anlehnung an das Äpplerfest der Schnaaken gefeiert wird – am Hinkelstein stattfinden. Jetzt hat man sich für das Gelände am ehemaligen Segelfliegerheim entschieden, weil sich hier auch das Lager der Schnaaken befindet. Nach der langen Pause endlich wieder ein Konzert auf die Beine zu stellen habe unter den Mitgliedern des Vereins für tolle Stimmung gesorgt. „Wir waren drei Jahre draußen“, beschreibt Langelotz die Situation. Rund 50 der 120 Mitglieder packen bei der Veranstaltung mit an. „Wir feiern uns selbst, wir haben Spaß dabei“, freut sich der Vorsitzende über die erste Veranstaltung seit Beginn der Pandemie. Während des Lockdowns hätten sich die Schnaaken online gesehen. Die Lust, bei den Schnaaken trotz fehlender Veranstaltungen weiter mitzumachen, habe niemand verloren.
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