Bangen um das Lebenswerk

Anwohner sammeln 1000 Unterschriften für den Erhalt des Kiosks von Mehmet Karaüzüm

KIOSK-BETREIBER Mehmet Karaüzüm (rechts) hat immer ein offenes Ohr für die Anwohner wie hier für Raimondo Cademas. (Foto: Schüler)

Kelsterbach (msh). Je näher der Jahreswechsel rückt, desto größer wird die Unsicherheit, wie es weitergehen soll für Mehmet Karaüzüm und seine Familie. Ende Juni bekam er von der Stadt die Kündigung für seinen Kiosk „An der Niederhölle“ zugestellt. Seitdem versuchte er vergeblich mit den Entscheidern um Bürgermeister Manfred Ockel in Kontakt zu treten, um sein Lebenswerk zu retten.

„Ich bin jetzt 56 Jahre alt. Wer soll mich noch einstellen? Wir müssen uns mit dem Gedanken anfreunden auf das Amt zu gehen und Leistungen zu beantragen“, sehen er und seine Familie der bitteren Realität bereits ins Auge. Am 1. Januar 1995 übernahm Karaüzüm die Trinkhalle, die in diesem Viertel mehr ist als nur ein Kiosk. Für die Bewohner ist es ein beliebter Treffpunkt, ein Ort der Freundschaft, des Austausches und der Integration. „Mehmet ist für uns alle hier im Viertel wie ein Vater, ein Freund, ein Onkel, der immer ein offenes Ohr hat, einen Rat weiß und wenn er kann weiterhilft“, beschreibt Raimondo Cademas die Situation. Er wuchs in dem Viertel auf und der seit 1978 bestehende Kiosk war für die Bewohner immer eine wichtige Anlaufstelle. Nach der Rückkehr seiner Familie nach Spanien, fand er in Mehmet Karaüzüm gleich einen Freund. „Es gibt viele Bewohner wie mich, die fast täglich herkommen, sich am Kiosk treffen und miteinander reden. Ich wurde alleine durch meine Besuche am Kiosk schnell integriert und in die Gemeinschaft aufgenommen. Und genau das ist es, was ich nicht verstehe: Immer wieder wird das Thema Integration diskutiert, aber wo es von selbst funktioniert, werden von der Politik Steine in den Weg gelegt“, sagt Cademas.
Mutlu Karaüzüm, der Sohn des Kiosk-Betreibers, engagiert sich im Ausländerbeirat. Auch er kann die Entscheidung schwer nachvollziehen. „Es gibt hier seit Ende 2016 einen Bürgertreff, der allerdings nur selten offen hat und von den Bewohnern des Viertels kaum genutzt wird. Dieser wurde im Rahmen des Projekts „Soziale Stadt“ für viel Geld gebaut, aber ohne wirklich zu sehen, wo das soziale Leben im Viertel pulsiert“, erklärte er. So soll es Vorschläge geben, den erst 2016 für 600.000 Euro errichteten Bürgertreff in Wohnungen umzuwandeln und einen neuen an der Stelle des Kiosks zu errichten. Auch Parkmöglichkeiten für die Anwohner sollen an dieser Stelle im Gespräch sein, je nachdem, wie die Planungen des Projekts ausfielen.
„Wir haben mehrfach das Gespräch mit Bürgermeister Manfred Ockel gesucht, aber nie einen Termin bekommen. Mein Vater kann nicht mehr schlafen, denn er sieht sich vor den Scherben seines Lebenswerks stehen“, so Mutlu Karaüzüm weiter. Er vermutet politische Gründe hinter diesen Planungen, da sich Karaüzüm und viele Bewohner des Viertels bei den vergangenen Wahlen für die freien Wähler ausgesprochen hätten.
Auch der Verkauf des Kiosks an die Stadt ist ein Ärgernis für die Familie, die 2015 dieses gerne erworben hätte. „Im Oktober 2015 hat der Verpächter die Trinkhalle an die Stadt verkauft, ohne das vertraglich festgeschriebene Vorkaufsrecht des Pächters zu beachten. Wir wurden nicht informiert und haben erst davon erfahren, als es zu spät war“, berichtet Mehmet Karaüzüm weiter.
Für die Anwohner ist die Situation ein Ärgernis. Rund 150 Anwohner versammelten sich am Sonntagmittag daher am Kiosk von Karaüzüm, um ihre Solidarität zu zeigen und für den Erhalt des beliebten Treffpunkts zu protestieren. Rund 1000 Unterschriften hat die Initiative gesammelt, täglich werden es mehr. Auf Bannern wiesen sie auf die Situation hin, immer wieder skandierten sie, dass der Kiosk bleiben müsse. Eine Einladung zum Dialog wurde an die Stadt und Bürgermeister Manfred Ockel ausgesprochen, die jedoch ohne Antwort blieb.

 

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